Kunden an einem Marktstand
Was aussieht wie ein gewöhnlicher Wochenmarkt, ist in Wahrheit ein neues Konzept für nachhaltiges Einkaufen: die Marktschwärmerei. Bildrechte: MDR/Roman Rackwitz

Nachhaltiges Einkaufen Marktschwärmerei - der analoge Onlinemarkt

Nachhaltig Lebensmittel einkaufen und die Umwelt schonen - in Zeiten der Klimakrise wird das vielen Menschen immer wichtiger. Dafür gibt es jetzt ein neues Konzepte: die Marktschwärmerei. Das ist ein digitaler Wochenmarkt. Bestellt wird per App, bezahlt schon im Vorfeld mit dem Handy. MDR-AKTUELL-Hörerin Stefanie Lutz aus Leipzig kauft regelmäßig bei Marktschwärmern ein, ist sich aber unsicher, ob dieses Konzept ökologisch nachhaltiger ist als gewöhnliche Wochenmärkte oder Supermärkte.

von Roman Rackwitz, MDR AKTUELL

Kunden an einem Marktstand
Was aussieht wie ein gewöhnlicher Wochenmarkt, ist in Wahrheit ein neues Konzept für nachhaltiges Einkaufen: die Marktschwärmerei. Bildrechte: MDR/Roman Rackwitz

Reges Treiben auf dem Gelände der Feinkost in Leipzig. Hier wo zu DDR-Zeiten Konserven produziert wurden, findet jeden Freitag eine Marktschwärmerei statt. Das ist eine Art digitaler Bauernmarkt. Verbraucher bekommen an kleinen Ständen regional angebaute Lebensmittel - direkt vom Landwirt. Bestellt und bezahlt wird Tage im Voraus über einen Webshop.

Darin sieht Jasmin Paternak, die die Marktschwärmerei in der Leipzig Feinkost organisiert, einen ökologischen Vorteil. Die Erzeuger & Erzeugerinnen hätten Zeit, genau das zu ernten, was bestellt wurde. Die bessere Vorbereitung führe dazu, dass - wie bei Wochenmärkten - nicht so viel weggeschmissen werde.

Kurze Transportwege

Ein weiteres Plus: die kurzen Transportwege der Erzeuger zur Schwärmerei. Während die Ware bei Aldi und Co oft Hunderte bis Tausende Kilometer unterwegs ist, sind es vom Hof von Biolandwirt Malte Bauer bis zur Schwärmerei in Leipzig gerade einmal zwanzig Kilometer. Malte Bauer beliefert Marktschwärmereien und Bioläden gleichermaßen. Er versucht, seine Lieferungen zu optimieren, was nicht immer gelingt.

Sein Transporter sei manchmal auch nur halb voll. Ein Vorteil sei, dass er nicht nur Gemüse, sondern auch Brot aus seiner eigenen Bäckerei anbieten könne. Die einzelnen Bioläden, die er abfährt, versucht Malte Bauer so zu legen, dass "es möglichst wenig Kilometer verbraucht."

Import ist nicht immer schlechter

Kurze Transportwege schonen die Umwelt. Doch entscheidender sei oft, wie und zu welcher Jahreszeit Tomaten und Co angebaut werden, erklärt Professor Ute Höper von der Hochschule Anhalt in Bernburg.

Die spanische Folientomate ist vom CO2-Fußabdruck vorteilhafter als die hier im Gewächshaus gezogene Tomate.

Professor Ute Höper, Hochschule Anhalt/Bernburg

Denn laut Höper fallen die Transporte von Spanien nach Deutschland nicht so sehr ins Gewicht wie die Beheizung eines Treibhauses.

Laut einer Studie des Instituts für Energie und Umweltforschung Heidelberg fallen für ein Kilo regional angebauter Tomaten aus dem beheizten Gewächshaus 2,6 Kilogramm CO2 an. Bei spanischen Tomaten aus dem Folientunnel sind es nur 0,9 Kilogramm. Saisontomaten aus der Region kommen auf nur 0,6 Kilogramm Kohlendioxid.

Regional, saisonal, nachhaltig

Wer wie MDR-AKTUELL-Hörerin Stefanie Lutz besonders nachhaltig einkaufen möchte, für den hat Professor Ute Höper ein paar grundlegende Empfehlungen, wie zum Beispiel den Einkauf mit dem Fahrrad zu erledigen.

Ansonsten sollte man bei vertrauenswürdigen, landwirtschaftlichen Erzeugern aus der eigenen Region kaufen, die saisonal ausgerichtet sind.

Professor Ute Höper, Hochschule Anhalt/Bernburg

Saisonale Lebensmittel, regional produziert. Das sind gute Ansätze für einen nachhaltigen Lebensmitteleinkauf, egal ob beim Discounter, beim Wochenmarkt oder einer Marktschwärmerei.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. September 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2019, 05:00 Uhr

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