Sachsen Frisches Geld für Porzellanmanufaktur Meissen

Meißen - seit über 300 Jahren steht dieser Name nicht nur für die Stadt an der Elbe und für Wein sondern für edles Porzellan. Die Manufaktur hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Und auch in diesem Jahr gab es immer wieder Diskussionen darüber, wie es mit dem Traditionsstandort sächsischer Handwerkskunst weiter gehen soll. Nun hat der Freistaat Sachsen die „Meissen Porzellan-Stiftung GmbH“ gegründet. Was bedeutet das und wie kommt das bei der Belegschaft an?

Es war wohl das Signal, auf das die Mitarbeiter der Porzellanmanufaktur Meissen seit Monaten gewartet haben. Der Freistaat wird weiter Geld in das Staatsunternehmen pumpen. Von einer zweistelligen Millionensumme ist die Rede. Maik Viehrig ist Betriebsratsvorsitzender in der Porzellanmanufaktur Meissen. Der Auftritt des Finanzministers auf der jüngsten Betriebsversammlung mache Hoffnung, sagt er: "Professor Unland hat deutlich gemacht, dass der Gesellschafter an das Unternehmen Porzellanmanufaktur glaubt, das auch weiterhin langfristig unterstützen möchte. Die Belegschaft ist froh, dass sich der Gesellschafter hinter uns gestellt hat und uns auch weiterhin unterstützen möchte."

Absatz stagniert weltweit

Denn die Porzellanmanufaktur hat es nicht leicht. Der Absatz von hochwertigem Porzellan stagniere weltweit, heißt es im letzten Geschäftsbericht. Andere Luxusmarken ließen billiger im Ausland produzieren. Und MEISSEN als Luxusmarke weltweit zu etablieren, kostet Geld. Das soll nun über den Umweg der Stiftung vom Freistaat kommen. Finanzminister Georg Unland sagte dem MDR: "Diese Stiftungsgesellschaft wird die kulturellen Schätze der Porzellanmanufaktur kaufen. Sie wird sie dann in Besitz nehmen, und weiterhin nicht nur pflegen sondern auch weiterentwickeln."

Museumsobjekte und Modellformen

Die kulturellen Schätze – das sind Museumsobjekte und traditionelle Modellformen. Im letzten Geschäftsbericht aus dem Jahr 2012 wurde der Wert der historischen Sammlung mit rund 26,3 Millionen Euro angegeben. Ob diese Summe tatsächlich fließen wird, ist noch nicht klar. Das sollen Stiftung und Manufaktur miteinander aushandeln. Es ist wohl eine Verhandlung pro Forma – denn beide GmbHs gehören dem Freistaat zu 100 Prozent. Es hängt wohl eher daran, wie viel Geld der Freistaat über die Stiftung in die Manufaktur pumpen will.

Denn Ziel sei nicht nur, die  Porzellanhandwerkskunst zu bewahren, zu fördern und weiterzuentwickeln,  gleichzeitig soll der Wachstumskurs der Porzellanmanufaktur unterstützt werden, hieß es aus dem Finanzministerium.

Diskussionen um die Ausrichtung des Unternehmens

Zuletzt hatte es immer wieder Diskussionen um die Ausrichtung des Unternehmens gegeben. Manufaktur-Chef Christian Kurtzke setzt seit einigen Jahren auf eine breitere Angebotspalette – verkauft unter der Marke MEISSEN auch Schmuck, Kleider und Möbel, hat dafür Läden in Mailand, Hongkong und London eröffnet. Für Betriebsrat Viehrig und seine Kollegen war deshalb eine der wichtigsten Aussagen des Finanzministers: "dass die Porzellanproduktion und die Porzellanvermarktung weiterhin das Hauptstandbein der Porzellanmanufaktur Meissen sein soll. Das ist natürlich eine Beruhigung für die Belegschaft und natürlich auch eine Bestätigung für die hohe handwerkliche Kunst und Tradition der Manufaktur."

Stiftungsstandort wird Meißen

Die Stiftung soll in Meißen angesiedelt werden, alle Objekte bleiben damit am traditionellen Standort. Für die rund 650 Angestellten der Porzellanmanufaktur Meissen soll die Gründung der Stiftung kaum Auswirkungen haben, sagt Betriebsratsvorsitzender Maik Viehrig: "Die Belegschaft verspricht sich durch die Überführung der traditionellen Formenbestände und Modelle natürlich auch eine Entlastung, da wir jetzt als GmbH und Manufaktur die Kosten jetzt nicht mehr tragen müssen."

Allerdings kommen neue Kosten auf die Manufaktur zu – Manufaktur-Chef Kurtzke soll ein Geschäftsführer an die Seite gestellt werden. Wer das sein wird, soll im Laufe der Woche bekannt gegeben werden, hieß es aus dem Finanzministerium.