Rechtsextreme Organisation Der Weg von "Oldschool Society"-Mann Markus W.

Bis vergangenen Mittwoch hatten die meisten von uns noch nie etwas von einer "Old School Society", kurz OSS, gehört, geschweige denn am Namen erkannt, dass es sich um eine gewaltbereite, rechtsextreme Gruppierung handelt. Unter den nunmehr Verhafteten sind auch zwei Mitglieder aus Mitteldeutschland, etwa der mutmaßliche OSS-Vize, der im sächsischen Borna festgenommen wurde. Wir haben zur Person Markus W. recherchiert.

von Sebastian Hesse, MDR INFO

"Irrenanstalt" steht auf dem Fußabtreter der Wohnung im sechsten Stock eines Mehrfamilienhauses in Borna. "Herrschaftsbereich Markus – hier habe ich das Sagen" ist auf einem Schild an der Tür zu lesen. Hier, in der Kleinstadt im Landkreis Leipzig, lebt Markus W., 39 Jahre alt, Vize-Chef der OSS, mittlerweile in Polizeigewahrsam.

Aktiv im Orts- und Kreisverband der NPD

W. ist kein gebürtiger Sachse: Er stammt aus Düren im Rheinland und war dort ein stadtbekannter Neonazi. Der Aachener Journalist Michael Klarmann hat damals immer wieder über ihn geschrieben: "Mir ist er aufgefallen als eine Person, die ich zeitweise sowohl dem Hooligan- als auch dem rechtsextremen Milieu zugeordnet habe. Am Anfang war das eher diffus und als sich dann in Düren ein eigener Ortsverband und ein eigener Kreisverband der NPD gründeten, das war um 2006/2007, fiel er mir dann auf, weil er auch dort aktiv geworden ist. Teilweise hat er auch Ordnerdienste oder Sicherheitsdienste bei der NPD durchgeführt."

Sicherheitsdienst für namhafte NPD-Funktionäre

Dabei hat W. nicht nur Partei-Promis wie Udo Voigt oder Udo Pastörs, beide zwischenzeitlich NPD-Chefs, geschützt, sondern auch den Journalisten Klarmann. Der damalige NPD-Kreisvorsitzende hatte W. zum Schutz von Journalisten eingeteilt, da die meisten Neonazis der schreibenden Zunft nicht gerade wohlgesonnen waren: "Das war der Herr W. mir auch nicht! Allerdings war er sozusagen verdonnert, als Sicherheitsmitarbeiter für meine Sicherheit dort zu sorgen. Später ist er mir dann bei NPD-Infoständen in Fußgängerzonen aufgefallen."

Die politische Karriere scheiterte

Zwischenzeitlich hat W. wohl davon geträumt, im Dürener Raum parteipolitische Karriere machen zu können. "Da ist er dann auch im Jahre 2009 als Kandidat aufgestellt worden bei den Kommunalwahlen, sowohl in einem Wahlbezirk der Stadt als auch in einem Wahlbezirk des Kreises Düren. Dort hat er dann auch bei beiden Wahlen für die NPD zusätzlich auf der Reserveliste kandidiert. Jedoch auf einem jeweils aussichtslosen Platz. Der wäre also nie in den Stadtrat gewählt worden."

Kneipe der Mutter als Treffpunkt für Rechtsextreme

Die politische Heimat war W. gewissermaßen in die Wiege gelegt worden. Seine Mutter betrieb am Dürener Bahnhof eine Gaststätte mit einschlägiger Reputation. "Diese Kneipe ist dann ab 2006 immer mehr zu einem Treffpunkt der rechtsextremen Szene bei uns geworden, insbesondere mit Veranstaltungen der NPD und der Kameradschaft Aachener Land", erzählt Klarmann. Diese Neonazi-Vereinigung ist 2012 verboten worden. Da war W. schon zwei Jahre hier in Mitteldeutschland. Doch bis 2010 war er Mitglied der Kameradschaft Aachener Land gewesen und auch räumlich ganz nah an ihr dran: "Er hat zeitweise über dieser Kneipe gewohnt und wenn dort rechtsextreme Konzerte oder andere Veranstaltungen stattfanden, wurden aus seiner Wohnung heraus auch Gegendemonstranten gefilmt."

Weitere "Karriere" in der Szene noch unklar

Irgendwann jedoch gelang es der Stadt Düren, den unliebsamen, stadtbekannten Neonazi-Treff der Familie W. dicht zu machen. "Daraufhin sind die meines Wissens später dann nach Ostdeutschland, in den Raum um Leipzig, gezogen. Die Schließung scheint auch damit zusammenzuhängen, also einer der Gründe gewesen zu sein." Hintergrund könnte sein, dass W.'s Mutter einen neuen Partner hatte, der aus dem sächsischen Frohburg südlich von Borna stammt. Seit fünf Jahren lebt W. also im Landkreis Leipzig. Inwieweit er dort rechten oder auch kriminellen Aktivitäten nachging, das werden wohl die laufenden OSS-Ermittlungen ergeben.

Zuletzt aktualisiert: 08. Mai 2015, 05:00 Uhr