Logo der Facebook-Seite der "Oldschool Society"
Bildrechte: dpa

Rechtsextremisten Was verbirgt sich hinter der "Oldschool Society"?

Das ist auf jeden Fall beunruhigend: Am Mittwoch ist eine rechtsextreme Terrorzelle aufgeflogen. Der Name der Organisation: Oldschool Society. Bei Razzien in mehreren Bundesländern, darunter auch in Sachsen,  wurden Wohnungen durchsucht. Drei Männer und eine Frau wurden festgenommen. Möglicherweise standen Anschläge unmittelbar bevor.  Aber was steckt hinter der Oldschool Society? Was wollte die Gruppe?

von Stephan Zimmermann, MDR INFO

Logo der Facebook-Seite der "Oldschool Society"
Bildrechte: dpa

Der Vergleich mit der Terrorgruppe NSU liegt auf der Hand. Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat ihn gezogen. Und Kerstin Köditz von der Linken in Sachsen sieht ebenfalls Parallelen – nicht nur was die rechtsextreme Gesinnung angeht. MDR-INFO sagte sie: "Ich sehe natürlich auch die Parallele zum NSU, was die Konzepte von Terror betrifft, in kleinen Zellen sich zu finden, konspirativ zu arbeiten und auch aus dieser Deckung heraus Anschläge zu verüben."

Eigene Facebook-Seite

In allen Punkten trifft das allerdings nicht zu. Die "Oldschool Society" hat eben nicht besonders heimlich gehandelt. Die Gruppe gab es seit Herbst 2014. Und sie hat sogar eine eigene Facebook-Seite unterhalten. Da steht kein direktes Bekenntnis zur Gewalt. Aber es findet sich alles, was man von Rechtsextremen kennt: Links zu Seiten, die die Nazi-Vergangenheit  schön reden wollen, Hetze und zynische Sprüche gegen Asylbewerber. Im Internet steht auch ein Video der Gruppe mit einem Lied: "Alleine bist Du schwach. Zusammen sind wir stark. D'rum komm' an unsere Seite und kämpf' gegen den Staat.

Zu dem Lied wird auch eine Art Manifest der Gruppe eingeblendet. Da ist zu lesen: "Nicht mit uns, wir stehen zusammen, aktiv für unser Vaterland, für die Ehre unserer Ahnen und die Zukunft unserer Kinder. Kameradschaft ist mehr als nur ein Wort, alte Werte unvergessen. Es ist unsere Pflicht. Es liegt in unseren Händen."

In die Jahre gekommene Skinheads

Das Video zeigt auch Fotos. Da präsentieren sich überwiegend in die Jahre gekommene Skinheads, augenscheinlich Veteranen der Bewegung. Dazu passt auch die Selbstdarstellung im Impressum der Facebookseite: "Unser Motto lautet wieder zurück zu den Wurzeln, zu unseren alten Traditionen. In einer Zeit, in der es unzählige Kameradschaften gab ohne Konkurrenz, ohne Kriege, ohne Revierkämpfe. Im Mittelpunkt stand der Kampf um die Straße, sowie der Heimat und das Feiern der Feste wie sie fallen."

Das lässt sich als Anspielung auf verbotene rechtsextreme Kameradschaften lesen, auf die "Skinheads Sächsische Schweiz" oder die "Kameradschaft Aachener Land". Der Mann, der am Mittwoch in Borna festgenommen wurde, gehörte zu letzterer Organisation. Die "Kameradschaft Aachener Land" wurde 2012 verboten. Burkhard Freier  vom nordrhein-westfälischen  Verfassungsschutz erklärte damals: "Wir haben Material aus verschiedenen Quellen und die Auswertung hat eindeutig gezeigt: Sie sind verfassungsfeindlich. Sie sind aggressiv. Und es hat gereicht, um ein Verbot auszusprechen." Zwei Männer aus dem Umfeld der Kameradschaft waren schon früher verurteilt worden, weil sie mit selbstgebastelten Sprengsätzen Anschläge geplant hatten. Bei den Razzien wurden dann große Mengen an Waffen sichergestellt.

Gegenseitig aufgestachelt

Die "Oldschool Society" ist nun offenbar eine radikalere Neuauflage solcher Kameradschaften. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, die Ermittler hätten nicht öffentliche Chatrooms im Internet ausgewertet. Dabei sei deutlich geworden, wie gefährlich die Gruppe gewesen sei. Die führenden Mitglieder der Gruppe hätten darüber kommuniziert, dass man nicht länger zuschauen wolle, wie Deutschland vor die Hunde gehe. Dabei hätten sich die Rechtsextremen gegenseitig aufgestachelt. Jeder solle in seiner Region etwas machen.

Zuletzt aktualisiert: 07. Mai 2015, 12:47 Uhr