Hochschulausbildung Lehrermangel in Sachsen-Anhalt: Zu wenig Studienanfänger, zu viele Abbrecher

1.000 Studienplätze für angehende Lehrer und Lehrerinnen bietet Sachsen-Anhalt Jahr für Jahr an. Doch viele davon bleiben unbesetzt und längst nicht alle Studierenden kommen zum Abschluss. Die Hochschulen wollen nun reagieren – weisen aber auch auf statistische Ungenauigkeiten hin.

Gebäude des Campus der Martin-Luther-Universität in Halle an der Saale.
An den Universitäten in Magdeburg sowie hier in Halle werden zu wenig Lehrkräfte für Schulen ausgebildet. (Archivbild) Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Sachsen-Anhalt steht bei der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern vor Problemen. Wie das Wissenschaftsministerium mitteilte, können die jährlich 1.000 zum Wintersemester angebotenen Studienanfängerplätze für Lehramtsstudierende an den Universitäten Halle und Magdeburg nicht komplett besetzt werden. Hinzu kommt, dass es deutlich weniger Absolventen gibt als angestrebt.

Vorläufigen Zahlen zufolge konnten im laufenden Wintersemester insgesamt 974 Studienanfänger im ersten Fachsemester immatrikuliert werden. Darunter seien aber auch alle Hochschul- und Studiengangswechsler, die ein Studium für ein Lehramt aufgenommen hätten. Die reine Zahl der Studienanfänger im ersten Hochschulsemester betrage 684.

Absolventenquote in Halle bei 47 Prozent

Viele Lehramtsstudierende kommen zudem nicht bis zum Abschluss, wie eine Erhebung des Wissenschaftsministeriums zeigt. So habe die Absolventenquote an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im vergangenen Jahr bei 47 Prozent gelegen. Auf 293 Absolventen kamen 619 Studienanfänger. Es wurden 126 Exmatrikulationen gezählt, etwa weil das Studium ohne Prüfung beendet oder endgültig abgebrochen wurde oder weil die Studierenden sich nicht zurückgemeldet haben. 2018 hatte die Absolventenquote noch bei 68 und 2019 bei 51 Prozent gelegen.

Der Rektor der Uni Halle, Christian Tietje, erklärte: "Wir nehmen unsere gesellschaftliche Verantwortung sehr ernst und investieren viel, um Lehrerinnen und Lehrer für Sachsen-Anhalts Schulen gut auszubilden – nicht nur fachlich. Wir beraten und coachen Studierende im Studium, damit sie im Klassenzimmer gut bestehen können." Tietje ergänzte:

Und zum Beratungseffekt gehört auch: Nicht jeder Abbruch ist tatsächlich ein Abbruch, oft wechseln die Studierenden nur das Fach oder die Schulform.

Christian Tietje Rektor der Universität Halle

Zahlen aus Magdeburg nicht vergleichbar

An der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, an der das Studium anders organisiert ist, betrug die Absolventenquote laut der Berechnung des Ministeriums 69 Prozent nach rund 80 Prozent in den beiden Vorjahren. Bei 79 Absolventen gab es den Angaben zufolge 114 Studienanfänger und acht Exmatrikulationen. Erfasst wurden für Magdeburg nur die Master- und nicht die Bachelorstudiengänge. Die Studiengänge und Absolventenquoten seien zwischen Halle und Magdeburg somit nicht unmittelbar vergleichbar.

Für beide Universitäten gilt aber eine Zielvereinbarung mit einer vorgegebenen Absolventenquote von 75 Prozent. Während die Uni Magdeburg die Quote in den vergangenen Jahren überwiegend erreicht habe, sei das in Halle nicht der Fall. "An beiden Universitäten geht die Absolventenquote seit 2018 zurück", erklärte das Ministerium.

Halle: Einige Absolventen zählen als Studienabbrecher

Ganz einfach liegen die Dinge in der Statistik laut Ministerium nicht. So gebe es an der Universität Halle mit bis zu 30 Prozent einen verhältnismäßig hohen Anteil von Studierenden, der zusätzlich zu den üblichen zwei Fächern ein drittes Studienfach wähle. Viele beendeten das Studium mit Abschluss in zwei Fächern, aber ohne Abschluss im dritten. Statistisch erschienen diese Hochschulabgänger sowohl als Absolventen als auch als Abbrecher. Die Universität habe das Problem erkannt und werde die Drittfachstudierenden künftig gesondert statistisch erfassen und so die Abbrecherzahlen bereinigen.

Die Universität Halle werde künftig ein Monitoring starten. Dabei solle die Entscheidung zur Exmatrikulation rückblickend beleuchtet werden, die Vorkenntnisse und Fähigkeiten der Studierenden, ihre Studienmotivation, die Studienbedingungen und die Anforderungen sowie die Lebenssituation während des Studiums - aber auch die Situation nach der Exmatrikulation mit einem Studiengangwechsel, einem Hochschulwechsel oder einer Berufstätigkeit.

dpa,MDR (Oliver Leiste)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 20. Dezember 2021 | 09:00 Uhr

5 Kommentare

Freies Moria vor 21 Wochen

Man könnte auf einen Schlag Genderprofessuren streichen, weil sie keine Wissenschaft darstellen, und die Gelder für die Lehrerausbildung (und Bezahlung) nutzen.
Denn es ist türkischsprachigen Bürgern schon länger aufgefallen, daß die Ungleichheit keineswegs aufhört, nur weil die Sprache gendergerecht ist: Türkisch ist komplett genderneutral und die Türkei aber viel stärker in traditionellen Geschlechterrollen verhaftet als Deutschland.
Bei über 200 Genderprofessuren in Deutschland (wenn es reicht) kommen Milliardenbeträge zusammen, wenn man alles zusammenrechnet was die so verbrauchen (Personal, Forschungsbudgets, Räume etc.).
Das wäre doch ein Ort, wo der neue Besen in Berlin mal eisern durchkehren könnte!

Agnostiker vor 21 Wochen

Na Hallebewohner, da ist wohl jemand nicht mit seinen Fachdidaktikdozenten an der MLU zufrieden? Es scheint mir aber doch sehr unwahrscheinlich, dass dies der Grund für zuwenig Lehramtsabsolventen ist. Zumal Sie sich ja hier nur auf die Fachdidaktik in Geschichte beziehen.

Hallebewohner vor 21 Wochen

Das Problem an der MLU ist die mangelnde regelmäßige fachliche Überprüfung der Lehrkräfte in der Lehrerausbildung. So mancher Didaktiker hat seit Jahren keine eigene Unterrichtserfahrung und wurschtelt ungeeignet in seinem Job vor sich hin und die Studenten verlassen dann halt diese Fachbereiche. Die Studenten merken halt ob ein Didaktiker/Referent/Professor geeignet ist in seinem Bereich oder eben halt nicht. Und das ist sicher nicht nur im Fachbereich Geschichte so an der MLU, sondern zieht sich durch die gesamte Lehrerausbildung. Aufhalten kann man diese Fluktuation nur durch regelmäßige Überprüfung der Ausbilder an der MLU, ob sie fachlich kompetent sind. Und dazu sollte man auch die Studenten einbeziehen und zu Wort kommen lassen!

Aktuelle Meldungen