Lifeline-Kapitän Claus-Peter Reisch
Lifeline-Kapitän Claus-Peter Reisch fordert mehr Unterstützung für Seenotrettung und im Prozess vor Gericht. Bildrechte: dpa

Claus-Peter Reisch erhält "Löwenherz"-Ehrenpreis "Lifeline"-Kapitän fordert mehr Unterstützung von der Bundesregierung

Der auf Malta vor Gericht stehende "Lifeline"-Kapitän Reisch hat dringend wieder ein staatliches Seenotrettungsprogramm für Geflüchtete gefordert. Auch vermisst er mehr Rückhalt von der Bundesregierung in seinem Prozess.

Lifeline-Kapitän Claus-Peter Reisch
Lifeline-Kapitän Claus-Peter Reisch fordert mehr Unterstützung für Seenotrettung und im Prozess vor Gericht. Bildrechte: dpa

Der auf Malta vor Gericht stehende "Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch hat eine stärkere Unterstützung von der Bundesregierung und ein staatliches Seenotrettungsprogramm für Geflüchtete gefordert. Im Gespräch mit MDR AKTUELL sagte Reisch, er könne in seinem Prozess keine Unterstützung durch die deutsche Bundesregierung feststellen. Er könne natürlich nicht sehen, was vielleicht im Hintergrund passiere. Zwar sei die Botschaft immer mit zwei Personen bei den Verhandlungsterminen vertreten, "aber ich kann nicht erkennen, dass das für mich irgendeinen Nutzen hat."

Staatliches Seenotrettungsprogramm gefordert

Das Rettungsschiff Lifeline fährt im Hafen von Valetta Malta ein
Das Rettungsschiff Lifeline fährt im Hafen von Valetta Malta ein. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Zugleich forderte Reisch ein staatliches Seenotrettungsprogramm. Er denke da zum Beispiel an eines ähnlich der italienischen Operation "Mare Nostrum", die es bis 2015 gab, sagte er. Dann bräuchte es auch keine zivile Seenotrettung mehr. Allein die "Lifeline" habe rund 20.000 Menschenleben gerettet. Solange es keine staatlichen Rettungsmaßnahmen gebe, könne die Bundesregierung wenigstens dafür sorgen, dass die "Lifeline" wieder freigegeben wird, um damit weiter Seenotmaßnahmen durchzuführen, sagte Reisch abschließend.

Seit Sommer 2018 vor Gericht

Reisch war im vergangenen Juni auf Malta verhaftet worden, nachdem er mit der zivilen "Lifeline" einer Dresdner Seenotrettungsinitiative mehrere Hundert Geflüchtete aus dem Mittelmeer gerettet hatte. Seitdem ist das Schiff festgesetzt und der Kapitän muss sich vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, dass die "Lifeline" nicht richtig registriert war. Dem widerspricht der Kapitän. Das Schiff sei unter niederländischer Flagge mit dem Heimathafen Amsterdam ordnungsgemäß angemeldet gewesen. Der Prozess geht im April weiter.

"Löwenherz"-Ehrenpreis mit 5.000 Euro verbunden

Reisch erhält am Dienstag den mit 5.000 Euro verbundenen "Löwenherz"-Ehrenpreis. Der Preis wird durch die Hilfsorganisation Human Projects und der Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth in Weimar verliehen. Die Laudatio wird Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow halten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. März 2019 | 06:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. März 2019, 07:11 Uhr

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63 Kommentare

28.03.2019 14:59 schrumpel 63

Sehr geehrte Damen und Herren vom MDR,
ich füge hier mal Ihre Ansprachen auf diverse Kommentare ein. Sie schreiben immer " Lieber" , in der Ansprache. Kann es nicht sein, das unter den Kommentatoren auch Frauen oder andere sind? Propagieren Sie nicht immer im Mainstraem, das Gender das neue Gute ist und hier verstoßen Sie selbst dagegen : Zitate füge ich ein:
[Lieber bcl,
[Lieber Nutzer,
[Lieber Frank D
[Lieber fischotter
[Lieber Freiheit,
[Lieber REXt,

usw. Zum Artikel möchte ich anmerken, dass dieser Herr für mich in den Knast gehört.


[Lieber Nutzer,

der MDR macht sich keine Meinung zu eigen und propagiert daher auch nichts. Wir leisten neutrale Berichterstattung, das sieht unser Programmauftrag so vor.

Im übrigen würden wir Sie bitten, zum Thema des Beitrages zurückzukehren: Es geht weder um die Verwendung des generischen Maskulinums noch um das Akzeptieren der sexuellen Identität von Menschen, es geht um Seenot-Rettung im Mittelmeer.

Kommentare ohne Bezug zum Thema des Beitrags werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben.
Ihre MDR.de-Redaktion]

28.03.2019 12:23 frank d 62

@MDR Redaktion, Objektiv nennt man zum Beispiel die Linsenansammlung vorn an Fotoapparaten, und zwar deshalb, weil diese Gerätschaft versucht die Realität so genau wie möglich abzubilden. Wollen sie etwa für sich in Anspruch nehmen dieser Maxime zu folgen? Mon Dieu sie geben einseitig einem Angeklagten das Forum und beim kommentieren der Kommentare kann man eine Gewisse Einseitigkeit in der Argumentation wohl nicht ernsthaft bestreiten. Warum benötigt denn Ihr "Kapitän" Hilfe der Bundesregierung? Ist Malta ein Unrechtsstaat oder hat Herr Kapitän etwa so einige Regeln gebrochen. Weiterhin Steht die Frage warum die Wahrscheinlichkeit vor der nordafrikanischen Küste in Seenot zu geraten so viele Millionen Prozent höher ist wie an allen anderen Küsten dieser Welt. Bitte um Beantwortung auch nach der Frage warum Herr Reisch nur bei schönem Wetter rettet?

28.03.2019 09:38 Hossa 61

Den Irrsinn des Ganzen zeigt ja auch,wenn die „Flüchtlinge“ freiwillig in die Länder zurückkehren in denen ihnen „Folter,Verfolgung,u.s.w.“drohen,ruft ihnen kein Mensch zu: Wie könnt ihr euch dieser Gefahr aussetzen!!!
Nein,da wird noch eine Abfindung gezahlt und das Ganze in der Statistik bejubelt.

28.03.2019 09:05 bcl 60

Lieber MDR, leider habt Ihr die Frage weshalb Ihr die Person Reisch immer Kapitän nennt nicht beantwortet.
Laut diversen Medienberichten besitzt er lediglich einen Sportbootführerschein See und die Lifeline wurde als Sportboot registriert.

Klärt das doch mal bitte auf.

[Lieber bcl,
„Kapitän“ ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Kapitän ist vom latainischen „Caput“ (Kopf) abgeleitet. Also der „Kopf“ bzw. ranghöchste Mann auf einem Schiff in diesem Fall die Lifeline. Herr Reisch ist als Skipper Inhaber eines Sportseeschifferscheins. Der Führer eines Sport-Motor- oder -Segelschiffes hat alle Rechte und Pflichten eines Kapitäns und ist als solcher für die sichere Führung von Schiff und Mannschaft und für Gäste und Ladung verantwortlich.
Freundliche Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

28.03.2019 00:52 Sabrina 59

@ MDR 26.03.2019 20:16 Yannick Cohr 39
.
Sie schreiben doch nichts anderes, als dass die Migranten bei Ihrer Migration ein gefährliches Land durchqueren.
.
Jeder vernünftig denkende Mensch wird ein Land wählen, bei dem er sich nicht in diese Gefahr begibt.
.
Ihre Argumentation ist nicht sehr überzeugend.

27.03.2019 11:23 Thomas Z 58

Sehr geehrte MDR Redaktion.
Das Gutachten der London Universität im Zusammenhang mit privater Seenotrettung und Pull Faktoren scheint aber angesichts der in diesem Forum bereits genannter fallender Zahlen wohl das Papier nicht wert zu sein auf dem das geschrieben steht. Zumindest scheint es hier Lücken zu geben.
Das Refoulmentverbot gilt derzeit nicht für private Kapitäne sondern nur für Regierungen und deren Beamte oder Militär.

27.03.2019 10:45 winfried zu (51)frank d 57

Im Gegensatz zu Ihnen freue ich ausdrücklich darüber, dass der MDR Kommentare ermöglicht und seinerseits kommentiert, auch wenn ich mitunter anderer Meinung als der des MDR bin.

27.03.2019 10:21 gerd 56

Ich kann mich noch gut daran erinnern als vor Jahren ,diese Migration über das Meer anfing ,da kamen die Migranten mit mehr oder wenig seetüchtigen Booten bis Lampedusa und sogar bis zur italienische küsten, Fischerbote ,alte Trawler und Handelschiffe waren dessen Fahrzeuge .Nachdem solche Seenotretterschiffe wie die Lifeline am Horizont erschienen saßen die Migranten plötzlich fast nur noch in Schlauchbooten wohl wissend das Sie nicht weit auf das Meer müssen und eingesammelt werden .Das hat NICHTS mit Seenotrettung zu tun.

27.03.2019 09:55 frank d 55

@MDR immer wieder berichten sie von "Kapitän" Reisch. Nun ist nicht jeder Schiffsführer Kapitän sondern nur die Inhaber eines Kapitänspatents.
Gehörte es nicht zu einem kritischen Journalismus nachzufragen ob er nun ein solches Patent besitzt dann können sie das schreiben, oder aber nicht dann müssen sie halt Skipper schreiben.
Auch interessant, dass dem Herrn Reisch in Malta und Italien vielfältige Verstöße gegen das Seerecht vorgeworfen werden. Haben etwa diese EU Staaten Probleme den MDR als höchste Instanz anzuerkennen oder haben etwa MDR schaffende Probleme damit die Gerichtsbarkeit demokratischer EU Staaten anzuerkennen?
nicht das der MDR da in seiner Hybris zu weit geht.

[Lieber Nutzer,

es besteht ein Unterscheid zwischen Vorwürfen, wie sie die Staaten erheben, und gerichtlich festgestelltem Fehlverhalten. Von Vorwürfen kann man freigesprochen werden. Vorwürfe können bestätigt werden. Dazu dienen rechtsstaatliche Prozesse. Alles andere sind bloße Vorverurteilungen.

Die MDR.de-Redaktion]

27.03.2019 09:50 Freiheit 54

Das Komische an der Sache ist, daß die "Flüchtlinge" über den Landweg freiwillig nach Libyen einreisen, aber von See zurückgebracht, das geht angeblich nicht.