MDRfragt-Mitglieder im Porträt Was macht Corona mit Familien: Streit, Entfremdung oder mehr Liebe?

Homeoffice, geschlossene Kitas und kaum Möglichkeiten zur Freizeitbeschäftigung: Familienangehörige hocken im Lockdown seit Wochen aufeinander. Was macht das mit den Beziehungen zwischen Eltern, Kindern und Verliebten? MDRfragt-Mitglieder erzählen aus ihrem Alltag.

Weihnachten ist oft die Zeit im Jahr, in der man mit den nahestehenden Menschen in Streit gerät. Wie war das bei Ihnen in diesem Jahr? Mit dieser Frage richtete sich das MDR-Meinungsbarometer MDRfragt kurz vor dem Jahreswechsel an seine Mitglieder. Für den Großteil der knapp 23.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Befragung verlief Weihnachten friedlich. Ein Zehntel antwortete jedoch mit „Ja, es gab Streit“.

Diagramm zu Thema: Streit zu Weihnachten 2020
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Gründe sind verschieden – und hängen in diesen Tagen doch oft mit dem Lockdown zusammen. Die Politik hat den Familien ein enges Zusammensein verordnet. Doch was macht das mit den Beziehungen zwischen Kindern, Eltern und Ehepartnern? Wir haben uns unter den MDRfragt-Mitgliedern umgehört. Sie berichten von verschiedenen Erfahrungen und Erlebnissen.

Jeder etwas mehr an den Anderen denken

Die Familie rund um Christine Fiebig aus Altenburg hat die Corona-Situation eng zusammenwachsen lassen. Allerdings virtuell. Die 60-Jährige ist seit einigen Jahren gesundheitlich angeschlagen. „Deshalb komme ich sowieso nicht viel raus“, erzählt sie. Aber sie habe eine große Familie mit sechs erwachsenen Kindern sowie Enkelkindern. Alle sieht sie nun über Skype und WhatsApp. Das helfe ihr.

„Und wir haben sechs Katzen und drei Hunde.“ Frau Fiebig und ihr Mann stehen jeden morgen früh um fünf Uhr auf, damit die Hunde raus können. Man brauche seine Verpflichtungen, ist sich die Altenburgerin sicher. Viel wichtiger ist ihr jedoch ihr Mann. Nach 35 Ehejahren seien sie immer noch glücklich verheiratet. „Gemeinsam und wenn jeder etwas mehr an Andere denkt und nicht nur an sich selbst werden wir die Pandemie meistern.“

Die Nerven werden dünn

Nicht alle MDRfragt-Mitglieder kommen so gut durch die Corona-Zeit wie Christine Fiebig und ihr Mann. In ihren Kommentaren haben einige auch über die belastenden Umstände geklagt:

Wir arbeiten zusammen und hocken nun auch noch in der Freizeit und an Feiertagen aufeinander. Sie will mehr "Familie", ich will auch mal einfach nur Ruhe haben. Weil eben auch die Arbeit zusammen ist, brauche ich auch ab und zu mehr Männerkram für mich, wo man auch mal seinen Frieden hat. Das eingesperrt sein, ohne Sauna, Sport und Fitness, nervt total und macht gereizt.

58-jähriger Teilnehmer aus dem Kreis Gotha

Die Kinder sind gereizt, es gibt keine Freizeitmöglichkeiten. Kino, Soccerarena, Turnhallen, Schwimmbad, Zoo... Alles, was Spaß macht, ist geschlossen.

45-jähriger Teilnehmer aus dem Kreis Bautzen

Streit unterm Baum wegen der Corona-Maßnahmen

Familiären Knatsch erlebt MDRfragt-Teilnehmer Volker Zöge aus dem Salzlandkreis. Die Corona-Einschränkungen belasten vor allem das Verhältnis zwischen den Eltern und ihrem Sohn. „Ich hatte ein Streitgespräch mit meinem Sohn, der die Maßnahmen und Handlungsweisen der Regierung sehr kritisch sieht“, sagt der 60-Jährige. Nach kurzer Diskussion wurde das Streitgespräch um des Friedens willen abgebrochen. Auch einige seiner Geschwister würden die Corona-Maßnahmen der Regierung kritisch sehen.

MDRfragt-Teilnehmer Volker Zöge mit seiner Frau
MDRfragt-Teilnehmer Volker Zöge mit seiner Frau Bildrechte: Volker Zöge

„Jedoch bleibt jeder bei seinen Einstellungen.“ Das belaste das Familienleben. Volker Zöge ist froh, dass er mit seiner Frau eine gemeinsame Haltung gefunden hat und sie sich einig sind. Und er schaut optimistisch in die Zukunft. „Meine Tochter, die in Hamburg lebt, bekommt ein Baby“, erzählt er. Im Februar will sie heiraten. „Ich hoffe, dass wir den Tag miteinander verbringen dürfen.“

Das eigene Zuhause schätzen gelernt

Auch in der Familie von Reiner Müller aus Oranienbaum sind die Corona-Maßnahmen der Grund für Streitereien in der Familie. Reiner Müller und seine Frau sind Rentner, sie haben eine große Familie mit rund 20 Leuten. Er vermisse eine Strategie gegen die Pandemie. Vieles müsse darunter leiden. „Aber wir machen das Beste draus“, sagt der 68-Jährige. In der Vorweihnachtszeit hätten sie ihr großes Adventsfest zwar abgesagt, jedoch einzeln mal den einen oder anderen zu ihnen geholt.

Auch der familiäre Zusammenhalt ist ungebrochen. „Meine Frau kümmert sich um die Enkel und hilft ihnen bei der Schule“, sagt der Oranienbaumer. Und sie haben in der Corona-Zeit noch mehr ihr eigenes Haus mit Garten, Hund und Hühnern schätzen gelernt. „Wir fahren oft zusammen in die Natur.“ Das gebe ihnen viel Kraft.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 30. Dezember 2020 | 21:45 Uhr

Aktuelle Meldungen