MDRfragt - das Meinungsbarometer für Mitteldeutschland Für große Mehrheit kommt Lockdown zu spät

Ab Mittwoch gelten in ganz Deutschland härtere Beschränkungen in der Corona-Krise, mit Schul-, Kita- und weitreichenden Geschäftsschließungen. Dass dieser Lockdown zu spät kommt, finden 80 Prozent der MDRfragt-Mitglieder, die sich an der aktuellen Blitz-Befragung beteiligt haben. Rund 23.000 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben dabei abgestimmt. Ein großer Teil findet den Lockdown richtig oder sogar noch zu schwach. Die überwiegende Mehrheit ist skeptisch, dass die strengen Maßnahmen tatsächlich nach dem 10. Januar gelockert werden.

Ab Mittwoch geht Deutschland in den härteren Lockdown: So müssen unter anderem viele Geschäfte und Dienstleistungsunternehmen wie Frisöre schließen, an Schulen und Kitas gibt es nur noch Notbetreuung und auch die Kontaktbeschränkungen für die Feiertage wurden verschärft. Trotz der harten Einschränkungen finden 80 Prozent der fast 23.000 MDRfragt-Mitglieder, die sich an der aktuellen Blitzbefragung beteiligt haben: Dieser Lockdown kommt zu spät. Dass er gar nicht hätte erfolgen sollen, finden 13 Prozent. Genau richtig ist der Zeitpunkt für 4 Prozent gewählt, zu früh finden ihn nur 2 Prozent.

Zeitpunkt harter Lockdown
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Mehr als drei Viertel finden beschlossene Maßnahmen genau richtig oder noch zu lasch

Die beschlossenen Maßnahmen und den harten Lockdown findet die Mehrheit der Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer entweder genau richtig (57 %) oder noch zu lasch (20 %). Übertrieben finden 22 Prozent das Maßnahmenpaket.

Harter Lockdown
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Einige MDRfragt-Mitglieder haben uns auch geschrieben, dass sie es ungerecht finden, dass bestimmte Bereiche nicht vom Lockdown betroffen sind:

Vollständig unverständlich ist für mich die Haltung der Kirchen, die Gottesdienste erlaubt, sogar mit Abendmahl, das jedem Kontaktverbot widerspricht. In jedem Theater werden Hygienebestimmungen besser umgesetzt als in Kirchen.

69-jähriger Teilnehmer aus Mittelsachsen

Ich finde es unverschämt, dass zum Beispiel der Profisport nicht betroffen ist. Die Kinder dürfen nicht miteinander spielen, aber die Profis schon. Ist denn bei denen kein Corona? Aber scheinbar geht es nur um Geld. Da haben eben die normalen Bürger Pech gehabt. Das finde ich ganz schlimm.

54-jährige Teilnehmerin aus dem Salzlandkreis

Reisen von und nach Deutschland sind weiter erlaubt überall hin. Stellt sich die Frage wie sinnvoll dies bei einem "harten" Lockdown ist.

60-jähriger Teilnehmer aus Chemnitz

Dementsprechend viele MDRfragt-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer sind der Meinung, dass die Pandemiebekämpfung für mehr Akzeptanz in der Bevölkerung besser erklärt werden müsste (51 %). Allerdings: Fast die Hälfte (44 %) ist der Meinung, sie tut dies bereits ausreichend.

Wiebke Binder mit MDRfragt-Logo im Monitor 4 min
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Rund die Hälfte findet Maßnahmen geeignet, um Infektionen ausreichend einzudämmen

Das Ziel der Beschränkungen ist, den Inzidenzwert auf 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner zu begrenzen. Die MDRfragt-Gemeinschaft ist uneins, ob das mit diesen Maßnahmen gelingten kann: Etwas mehr als die Hälfte (53 %) findet, dass die nun beschlossenen Einschränkungen geeignet sind, um das Infektionsgeschehen ausreichend einzudämmen. 40 Prozent glauben dies jedoch nicht.

Infografik zu: Wirksamkeit des Lockdowns –Zur Eindämmung des Infektionsgeschehens
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Fast 90 Prozent glauben nicht an Lockerungen nach dem 10. Januar

Die beschlossenen Maßnahmen gelten zunächst bis zum 10. Januar. Dass es danach zu Lockerungen kommen könnte, glauben 89 Prozent der Befragungsteilnehmerinnen und -teilnehmer nicht. 8 Prozent können sich vorstellen, dass der Lockdown tatsächlich nur bis zum 10. Januar dauern wird.

Infografik zu: Lockerungen nach 10. Januar
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Einige MDRfragt-Mitglieder haben uns begründet, warum sie nicht an ein Ende des Lockdowns zum 10. Januar glauben:

Die Massentreffen zu Weihnachten und Silvester werden dazu führen, dass der 10. Januar noch lange nicht das Ende der wahnsinnigen Einschränkungen sind. Ich sehe ein, dass etwas getan werden muss, finde aber, dass man wie im Frühjahr über das Ziel hinausschießt.

69-jährige Teilnehmerin aus dem Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Ich persönlich glaube, dass auch im Lockdown es noch genug Uneinsichtige gibt, die die Kontaktbeschränkungen weiter umgehen werden, deswegen ist der Termin 10. Januar 2021 wahrscheinlich sehr optimistisch gewählt.

57-jährige Teilnehmerin aus Eisenach

Ich erwarte sinkende Infektionszahlen erst mit steigenden Temperaturen im Frühjahr und frage mich, was die Politik dann ab 10. Januar für Maßnahmen beschließen will, wenn die Zahlen nicht sinken.

27-jähriger Teilnehmer aus dem Landkreis Gotha

Deutlich Mehrheit begrüßt bundeseinheitliche Regelung

Durch den bundesweiten Lockdown gibt es nun wieder weitgehend einheitliche Regelungen in ganz Deutschland. Diese Tatsache finden 82 Prozent der beteiligten MDRfragt-Mitglieder richtig. 15 Prozent sind dagegen der Ansicht, dass jedes Bundesland abhängig vom Infektionsgeschehen selbst entscheiden sollte.

Bundeseinheitliche Regelungen
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Größte Belastungen der Corona-Zeit: Angst um Familie, Sorge vor Langzeitfolgen für die Gesellschaft und Sorge um die Wirtschaft


Wir wollten von den Befragten auch wissen, welche Aspekte der Corona-Zeit sie belasten – und welche eher nicht. Besonders viele MDRfragt-Mitglieder haben angegeben, dass sie die folgenden Dinge stark belasten:

  • Angst um Gesundheit von Familie und Freunden (45 %)
  • Sorge vor negativen Langzeitfolgen für die Gesellschaft (42 %)
  • Sorge um die deutsche Wirtschaft (38 %)
  • Kontaktbeschränkungen (31 %)
  • Angst um die eigene Gesundheit (30 %)

Infografik zu: Belastungen in der Corona-Zeit
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Bei all diesen Aspekten haben zudem jeweils mehr als 40 Prozent angegeben, dass sie sich dadurch etwas belastet fühlen.

Als nicht belastend empfinden viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer Existenzsorgen (56 %), die Schließungen von Schulen und Kitas (51 %) sowie das Tragen der Maske (49 %).

Junge Befragte sind durch Existenzsorgen und Schul- und Kitaschließungen stärker betroffen

Allerdings sind gerade die Themen Existenzsorgen und Belastungen durch Schul- und Kitaschließungen stark altersabhängig und auch davon, ob die Befragten Kinder haben oder nicht. So geben beispielsweise 23 Prozent der 16- bis 29-Jährigen an, dass sie starke Existenzsorgen haben. Bei denjenigen, die bereits älter als 65 sind, sind es nur 6 Prozent.

Insbesondere die Schul- und Kitaschließungen treffen natürlich die junge Generationen stärker als die älteren:

Belastung durch Schul- und Kitaschließungen nach Altersgruppen
  stark etwas nicht
16-29 Jahre 26 22 48
30-49 Jahre 31 22 43
50-64 Jahre 14 20 58
65 Jahre und älter 12 22 54

Schaut man sich nur diejenigen MDRfragt-Mitglieder an, die in einer der vergangenen Befragungen angegeben haben, selbst Kinder zu haben, so verstärkt sich dieses Bild in den jungen Altersgruppen noch einmal deutlich: 46 Prozent der Eltern zwischen 16 und 29 Jahren und 37 Prozent der Eltern zwischen 30 und 49 Jahren fühlen sich durch die Schul- und Kitaschließungen stark belastet.

Über die Befragung Die Blitzbefragung zum neuen, härteren Lockdown lief vom 13.12., 16 Uhr, bis zum 14.12.2020, 16 Uhr.

An der Befragung haben 22.956 Menschen teilgenommen. Insgesamt sind mittlerweile 35.831 registrierte Mitglieder aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Teil der MDRfragt-Gemeinschaft.

Verteilung nach Altersgruppen:
16 bis 30 Jahre: 554 Teilnehmende
31 bis 50 Jahre: 4.677 Teilnehmende
51 bis 64 Jahre: 9.904 Teilnehmende
65+: 7.821 Teilnehmende

Verteilung nach Bundesländern:
Sachsen: 11.662 (50,8 Prozent)
Sachsen-Anhalt: 5.645 (24,6 Prozent)
Thüringen: 5.649 (24,6 Prozent)

Verteilung nach Geschlecht:
Männlich: 53 Prozent
Weiblich: 47 Prozent

Die Befragungen sind nicht repräsentativ, aber sie werden nach statistischen Merkmalen wie Geschlecht, Bildung und Alter gewichtet. Die Gewichtung ist eine Methode aus der Wissenschaft bei der es darum geht, die Befragungsergebnisse an die real existierenden Bedingungen anzupassen. Konkret heißt das, dass wir die Daten der Befragungsteilnehmer mit den statistischen Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgleichen.

Wenn also beispielsweise mehr Männer als Frauen abstimmen, werden die Antworten der Männer weniger stark, die Antworten der Frauen stärker gewichtet. Die Antworten verteilen sich dann am Ende so, wie es der tatsächlichen Verteilung von Männern und Frauen in der Bevölkerung Mitteldeutschlands entspricht.

Dabei unterstützt ein wissenschaftlicher Beirat das Team von "MDRfragt". Mit dem MDR Meinungsbarometer soll ein möglichst breites Stimmungsbild der Menschen in Mitteldeutschland eingefangen werden – mit möglichst vielen Teilnehmenden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR extra: Lockdown im Advent | 14. Dezember 2020 | 20:15 Uhr