mdrFRAGT - Das Meinungsbarometer für Mitteldeutschland Befragung: Zweifel an Nutzen der Corona-Warn-App

Seit einer Woche gibt es die Corona-Warn-App. Nach aktuellen Ergebnissen von mdrFRAGT stehen ihr viele Menschen in Mitteldeutschland skeptisch gegenüber. Ein Drittel der Befragten möchte die App nicht herunterladen – unter anderem aus Sorge um die Datensicherheit. Zudem sinkt die Bereitschaft, sich an die noch geltenden Corona-Regeln zu halten weiter.

Seit einer Woche steht die Corona-Warn-App zum Download bereit. Genutzt wird sie derzeit von weniger als einem Drittel der Befragten (29 %) von mdrFRAGT. Ebenso viele sind noch unentschieden oder haben vor, sie zeitnah herunterzuladen. Die größte Gruppe der Befragten (36 %) möchte sie jedoch generell nicht herunterladen.

Haben Sie die Corona-Warn-App heruntergeladen?
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Fast die Hälfte der Jungen hat die App schon

Bei den jüngsten Befragungsteilnehmern (16 bis 30 Jahre alt) ist der Anteil derer, die die App schon heruntergeladen haben, am höchsten: Hier nutzt bereits fast jeder oder jede Zweite (47 %) die App. Die Altersgruppe, die am häufigsten angibt, die App generell nicht herunterladen zu wollen, ist die der 31- bis 50-Jährigen.

Positives Feedback der Nutzer

Diejenigen, die die App bereits heruntergeladen haben, finden die App zum größten Teil gut (58 %) oder sehr gut (28 %). Weniger oder nicht gut finden sie nur 6 Prozent der Nutzer. Allerdings geben 8 Prozent auch an, dazu keine Meinung zu haben – vielleicht auch aufgrund der noch kurzen Nutzungsdauer.

Nicht-Nutzer haben Sorgen um ihre Daten

Bei denjenigen, die die App noch nicht heruntergeladen haben oder sie generell nicht nutzen möchten, haben wir nachgefragt, was die Gründe dafür sind.

Häufigste Gründe für Nicht-Nutzung der App
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  • Einer der meistgenannten Gründe ist: "Ich glaube nicht, dass die App sinnvoll ist, um die Pandemie zu besiegen." 46 Prozent der Befragten geben an, dass dies ein Grund ist, die App (bislang) nicht zu nutzen.

  • Fast ebenso viele Menschen haben Bedenken zur Sicherheit der Daten (43 %).

  • Weitere häufig genannte Gründe sind, dass die Befragten ihr Handy nicht immer bei sich tragen wollen (35 %) und die Erfahrungen anderer abwarten wollen (27 %).

  • Jeder fünfte Nicht-Nutzer (20 %) gibt außerdem an, die Gefahr durch Corona generell als gering anzusehen.

Viele Befragte haben uns zu diesem Thema ihre Meinung als Kommentar geschickt:

Die App ist ein weiteres Instrument zur Überwachung der Bürger.

56-jähriger Befragungsteilnehmer aus Mittelsachsen

Ältere Menschen, welche am meisten betroffen sind, haben größtenteils gar kein Smartphone. Hier wurde Geld verbrannt, welches zur Corona-Bekämpfung sinnvoller eingesetzt werden konnte!

66-jähriger Befragungsteilnehmer aus Chemnitz

Ich zweifle an der Effektivität der App. Ich glaube nicht, dass sich positiv Getestete selbst "an den Pranger stellen" und sich als solche registrieren. Bluetooth dauernd eingeschaltet frisst Akku und stellt doch für Kriminelle eine angreifbare Schnittstelle dar.

48-jährige Befragungsteilnehmerin aus Mittelsachsen

Bereitschaft, Corona-Regeln einzuhalten, sinkt

Die Bereitschaft der Befragten, die Corona-Regeln einzuhalten, sinkt. Gaben Mitte Mai noch 60 Prozent der Befragten an, dass ihre Bereitschaft dazu "ungebrochen hoch" ist, sind es jetzt nur noch 54 Prozent (minus 6). Jeder Fünfte (21 %) gibt an, dass die Bereitschaft seit Kurzem zurück gegangen sei – vier Prozentpunkte mehr als bei der letzten Befragung zu diesem Thema Mitte Mai.

Bereitschaft, Regeln einzuhalten
  Mitte Mai Mitte Juni
von Anfang an gering 9 9
schon seit längerem zurück gegangen 10 12
seit Kurzem zurück gegangen 17 21
ungebrochen hoch 60 54

Besonders die älteren Befragungsteilnehmer und damit die Zugehörigen zur Risikogruppe sind es, die noch eine ungebrochen hohe Bereitschaft haben, sich an die Regeln zu halten: Bei den Über-65-Jährigen geben dies 65 Prozent der Befragten an.

Zustimmung zu Maßnahmen: Geteiltes Bild

Seit einiger Zeit fragen wir die mdrFRAGT-Gemeinschaft, wie sie zu den noch gültigen Corona-Maßnahmen steht. Die Zustimmung dazu hat in den letzten Wochen stetig abgenommen. Nun zeigt sich ein etwas differenziertes Bild:

Zustimmung zu Maßnahmen
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  • Die Zustimmung zum noch bestehenden Verbot von Großveranstaltungen ist, verglichen mit Anfang Juni, nahezu ungebrochen hoch: 66 Prozent der Befragten sind dafür. Das ist nur ein Prozentpunkt weniger als in der letzten Corona-Befragung Anfang Juni.

  • Etwas zugenommen hat die Zustimmung zum noch bestehenden Kontaktverbot: Hier sind in der aktuellen Befragung 34 Prozent der Befragten dafür, es beizubehalten. Anfang Juni waren es 28 Prozent.

  • Deutlich zugenommen hat die Zustimmung zur Abschottung von Ländern durch Ein- und Ausreiseverbote. Fast zwei Drittel der Befragten (65 %) sind dafür. Anfang Juni waren es nur 36 Prozent. Ein wichtiger Grund könnte sein, dass das Reiseverbot nur noch für das Nicht-EU-Ausland gilt, worauf wir auch in der Befragung hingewiesen haben, und zwischenzeitlich die Reise ins EU-Ausland wieder möglich ist.

Sächsischer Vorstoß zur Abschaffung der Maskenpflicht: Mehrheit dagegen

In Sachsen gibt es Überlegungen, die Maskenpflicht beim Einkaufen komplett aufzuheben. Die Mehrheit der mdrFRAGT-Gemeinschaft findet diesen Vorstoß falsch (54 %). Nur 42 Prozent finden ihn richtig.

Ende der Mundschutzpflicht
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Interessanterweise finden es vor allem die Befragten den sächsischen Vorstoß falsch, die gar nicht in Sachsen leben: So sind 60 bzw. 59 Prozent der Teilnehmer aus Sachsen-Anhalt und Thüringen der Meinung, dass die sächsische Überlegung zum Ende der Maskenpflicht beim Einkaufen falsch ist – in Sachsen sind es nur 48 Prozent. Deutlich wird dabei, dass die sächsischen Befragten gespalten sind, was diese Frage angeht, denn genauso viele, die den Vorstoß falsch finden, finden ihn richtig (48 %).

Auch zu diesem Thema haben uns viele Befragte ihre Meinung geschrieben:

Grundsätzlich finde ich Länderentscheidung gut, allerdings sollten Entscheidungen wie z. B. die Maskenpflicht zentral getroffen werden.

65-jähriger Befragungsteilnehmer aus Dresden

Ich finde, die Maskenpflicht sollte beibehalten werden, es geht ja um unsere Gesundheit und die unserer Familien, Freunde und Angehörigen.

30-jährige Befragungsteilnehmerin aus Leipzig

Die Maskenpflicht muss sofort beendet werden. Diese bringt keinen Schutz, sondern die Leute kaufen dadurch weniger regional oder gar nicht mehr persönlich im Geschäft.

53-jähriger Befragungsteilnehmer aus dem Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Über die Befragung In einer Befragung vom 18. bis zum 22. Juni 2020 wollten wir von den mdrFRAGT-Teilnehmerinnen und Teilnehmern wissen: "Warn-App, Mehrwertsteuersenkung, Wirtschaftsfolgen –
wie lebt es sich mit Corona?"
An der Befragung haben 16.214 Menschen teilgenommen. Insgesamt sind mittlerweile 28.432 registrierte Mitglieder aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Teil der mdrFRAGT-Gemeinschaft.

52 Prozent der Befragten kommen aus Sachsen, 24 Prozent aus Sachsen-Anhalt und 24 Prozent aus Thüringen. Das entspricht in etwa der Verteilung der Einwohner in den drei Bundesländern.

56 Prozent der Befragten sind männlich und 44 Prozent weiblich.

Die Teilnehmer dieser Befragung verteilen sich auf folgende Altersgruppen:
387 Menschen sind zwischen 16 und 30 Jahre alt,
3.236 zwischen 31 und 50 Jahren,
6.566 zwischen 51 und 64 Jahren und
6.025 Teilnehmer sind 65 Jahre und älter.

Die Befragungen sind nicht repräsentativ, aber sie werden nach statistischen Merkmalen wie Geschlecht, Bildung und Beruf gewichtet. Die Gewichtung ist eine Methode aus der Wissenschaft bei der es darum geht, die Befragungsergebnisse an die real existierenden Bedingungen anzupassen. Konkret heißt das, dass wir die Daten der Befragungsteilnehmer mit den statistischen Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgleichen.

Wenn also beispielsweise mehr Männer als Frauen abstimmen, werden die Antworten der Männer weniger stark, die Antworten der Frauen stärker gewichtet. Die Antworten verteilen sich dann am Ende so, wie es der tatsächlichen Verteilung von Männern und Frauen in der Bevölkerung Mitteldeutschlands entspricht.

Dabei unterstützt ein wissenschaftlicher Beirat das Team von "mdrFRAGT". Mit dem MDR Meinungsbarometer soll ein möglichst breites Stimmungsbild der Menschen in Mitteldeutschland eingefangen werden – mit möglichst vielen Teilnehmenden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 2 | 23. Juni 2020 | 14:00 Uhr