NATO-Gipfel Naht der Truppenabzug aus Afghanistan?

Die Sicherheitslage im Bürgerkriegsland Afghanistan gilt nach wie vor als äußerst fragil. Ungeachtet dessen hatte der frühere US-Präsident Donald Trump einen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan angekündigt. Informiert wurden die Nato-Partner über diese Absicht nicht. Am heutigen Donnerstag wollen sie nun über Trumps Pläne beraten. Mit einem baldigen Ende des Einsatzes in Afghanistan zu rechnen ist aber nicht.

 Kundus: Soldaten der Bundeswehr hören im Feldlager in Kundus einer Rede von Bundeskanzlerin Merkel (CDU) zu, die die deutschen Truppen in Afghanistan besuchte. 2013
Die Nato berät über einen Truppenabzug aus Afghanistan. Bildrechte: dpa

Die Verteidigungsminister der Nato-Staaten setzen am heutigen Donnerstag ihre Beratungen über den Afghanistan-Einsatz fort. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob die Nato bis Ende April aus dem Land abzieht.

Kramp-Karrenbauer: Abzug wäre verfrüht

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hält einen Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan zu diesem Zeitpunkt für verfrüht. Zum Auftakt der Beratungen sagte sie, dass Verhandlungen über einen Friedensprozess zwar liefen. Diese seien aber noch nicht so weit abgeschlossen, dass die Truppen Afghanistan verlassen könnten.

USA lassen Truppenabzug noch prüfen

Auch die neue US-Regierung unter Präsident Joe Biden ist von einem Ende des Afghanistan-Einsatzes zum jetzigen Zeitpunkt nicht überzeugt. Biden lässt einen möglichen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan derzeit noch prüfen.
Die US-Regierung unter seinem Vorgänger, Donald Trump, hatte zwar in Aussicht gestellt, alle US-Truppen bis zum 30. April aus dem Land abzuziehen. Voraussetzung war jedoch, dass die radikal-islamistischen Taliban ihre Verbindungen zu anderen Terrorgruppen kappten, die Gewalt reduzierten und sich auf substanzielle Friedensverhandlungen mit der afghanischen Regierung einließen.

Nato fordert Wiederbelebung der Friedensgespräche

Diese Bedingungen sind auch aus Sicht der Nato bisher nicht erfüllt worden. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg forderte die Taliban deshalb gestern erneut dazu auf, die ausgehandelten Vereinbarungen einzuhalten und ernsthaft mit der Regierung in Kabul über einen möglichen Frieden zu verhandeln. Friedensgespräche seien "der einzige Weg" zu einer dauerhaften Lösung und Voraussetzung für einen Truppenabzug.

Wir müssen die richtige Mitte finden: nicht länger als nötig bleiben, aber auch nicht zu früh abziehen. Denn es darf nicht passieren, dass Afghanistan erneut zu einer Plattform für internationale Terroristen wird.

Jens Stoltenberg, NATO-Generalsekretär

Verschärfung der Lage befürchtet

Angesichts der möglichen Verlängerung des Nato-Einsatzes in Afghanistan hat Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer vor einer "erhöhten Bedrohung für die internationalen Kräfte" und die Bundeswehr gewarnt. Auf mögliche Angriffe der Taliban müsse man sich vorbereiten.

Sicherheitslage gilt als fragil

Die Sicherheitslage in Afghanistan gilt als äußerst fragil. Gerade im Norden des Landes, wo die Bundeswehr eine Führungsrolle übernimmt, kommt es immer wieder zu Angriffen der radikal-islamischen Taliban. Nach Angaben von Kommunalpolitikern üben die Milizen militärischen Druck aus, um ihre politischen Ziele zu erreichen. Zu einem ernsthaften Waffenstillstand seien sie noch nicht bereit.

In Afghanistan sind derzeit rund 9.600 Nato-Soldaten unter US-Kommando stationiert. Im Rahmen der Mission "Resolute Support" sollen sie die Regierung des Landes bei der Ausbildung und Beratung ihrer Sicherheitskräfte unterstützen. Deutschland stellt mit rund 1.100 Soldaten das zweitgrößte Truppenkontingent nach den USA. Das bisherige Mandat der Bundeswehr läuft noch bis zum 31. März, es umfasst den Einsatz von bis zu 1.300 Soldatinnen und Soldaten. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters bereitet die Bundesregierung eine Verlängerung des Mandats bis Jahresende vor.

NATO-Flagge 1 min
Bildrechte: Colourbox.de

USA sagen Nato Unterstützung zu

Die Nato-Verteidigungsminister hatten am Mittwoch erstmals seit dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Joe Biden beraten. Dabei sagte Biden den Nato-Partnern seine volle Unterstützung zu. Sein Vorgänger Trump hatte das transatlantische Militärbündnis mehrfach als überflüssig bezeichnet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 17. Februar 2021 | 19:30 Uhr

Aktuelle Meldungen