Gegen die Hitze Polen: Runterkühlen im Salzbergwerk Wieliczka

Die ehemalige Salzmine Wieliczka ist eine der beliebtesten Touristenattraktionen Polens. Bei Temperaturen von etwa 16 Grad finden Besucher im Sommer einen erfrischenden Kontrast zur Hitze über Tage. Aber es gibt noch mehr Gründe, um das Bergwerk zu besuchen.

Gelbe Personenuntergrundbahn zur Beförderung von Touristen im Salzbergwerk Wieliczka
Eine Bahn zur Beförderung von Touristen im Salzstollen von Wieliczka. Bildrechte: imago/imagebroker

Im südpolnischen Wieliczka, dessen Name übersetzt so viel wie "Großes Salz" heißt, gibt es eines der ältesten Salzbergwerke der Welt. Schon im 13. Jahrhundert wurde die Salzlagerstätte entdeckt und seitdem abgebaut. Bis zu 340 Meter tief gruben sich die Bergleute im Laufe der Jahrhunderte in die Erde, legten ein mehr als 340 Kilometer langes Stollensystem an, um das "Weiße Gold" zu gewinnen. Erst 1993 wurde die Salzförderung eingestellt, nachdem das Bergwerk durch eine Überflutung teilweise zerstört worden war und die Siedlung darüber abzusacken drohte.

Eine Kirche aus Salz

Eine ganz besondere Attraktion: Die Kinga-Kapelle, eine unterirdische Kirche aus Salz, wurde 1927 eröffnet. Seit 1978 ist sie auch UNESCO-Kulturerbe. Für viele Besucher des Bergwerks ist sie schon allein wegen ihrer Größe und Ausstattung einer der Höhepunkte beim Besuch des ehemaligen Salzbergwerks. Sie ist 54 Meter lang und befindet sich 110 Meter unter Tage. Von der Decke hängen Kronleuchter aus Salzkristallen. An der Kapelle haben Generationen von Bergmännern insgesamt 70 Jahre gearbeitet.

Gefahr für Bergleute und Skulpturen

Kapelle im polnischen Salzbergwerk Wieliczka
In der Kinga-Kapelle finden regelmäßig Messen und Hochzeiten statt. Bildrechte: Ryszard Tatomir

Die Arbeit im Bergwerk war gefährlich - oft verunglückten Bergleute tödlich. Auch aus diesem Grund meißelten die Bergleute Kapellen und religiöse Figuren in den Stein. Sie dienten den Bergleuten dazu, für sich und die Verstorbenen zu beten. Regelmäßig finden in der Kinga-Kapelle Messen und Hochzeiten statt. Paare können sich hier unter Tage trauen lassen. Die zahlreichen Besucher sind für die salzigen Figuren jedoch gefährlich, die Feuchtigkeit der Atemluft setzt ihnen zu. Deswegen muss die Luft künstlich entfeuchtet werden, um die Zerstörung zu stoppen.

Der Ring der Königin

In der Janowice-Kammer stellen Salzfiguren eine alte Legende dar: Die ungarische Prinzessin Kinga, die 1239 den polnischen Fürsten Boleslaw V. heiratete, bekam als Geschenk ein Salzmine in Ungarn - dort warf sie ihren Verlobungsring hinein. Der Ring wanderte mit den Steinsalzschichten nach Wieliczka und wurde in dem ersten Salzblock, der hier gewonnen wurde, wieder gefunden. Kinga gilt als Schutzheilige der Salzbergleute.

Kuraufenhalt im Bergwerk

Bei Temperaturen von etwa 16 Grad finden die Besucher im Sommer einen erfrischenden Kontrast zur Hitze über Tage. Auch für Allergiker ist der Aufenthalt tief unter der Erde eine Wohltat: Die mit Natriumchlorid, Kalzium und Magnesium reich gesättigte Luft soll die Lungenfunktion verbessern.

Schlafen im Stall

Die Kammer Weimar mit dem Salzsohlesee im Salzbergwerk Wieliczka
Beim Abbau des Salzes in Wieliczka sind Tausende von Kammern entstanden, die man heute zum Teil begehen kann. Bildrechte: Rafał Stachurski

Im Laufe der Jahrhunderte sind im Bergwerk über 2.000 unterirdische Kammern entstanden. Zur 4,2 Kilometer langen Touristenroute zählen allerdings "nur" 20 Kammern mit Salzseen wie hier in der "Weimar"-Kammer. Die neun Bergwerksetagen kann man zu Fuß oder mit dem Aufzug erreichen.

Wem ein paar Stunden Kühle nicht genügen, der kann seinen Aufenthalt in der Salzmine auch ausdehnen: Es gibt die Möglichkeit unter Tage zu übernachten. In mehr als 100 Meter Tiefe, in den Ställen, wo früher die Arbeitspferde des Bergwerks untergebracht waren, gibt es Kammern, in denen man für 120 Zloty, rund 30 Euro schlafen kann. Das Bergwerk wirbt mit gesundem Mikroklima, frei von Allergenen und Verunreinigungen sowie garantiert kühlen Nächten.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch in Radio: 24.6.2015 | 21:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2019, 05:00 Uhr