Schweine im Stall.
Deutsche Hausschweine werden isoliert gehalten. Bildrechte: Colourbox.de

Afrikanische Schweinepest Schweinepest in Tschechien: Deutsche Bauern alarmiert

In Osteuropa ist die Afrikanische Schweinepest schon lange ein Problem, Tschechien hat sogar die Krisenlage ausgerufen. Nun droht es über die deutsche Grenze zu kommen. Deutsche Bauern sind alarmiert.

Schweine im Stall.
Deutsche Hausschweine werden isoliert gehalten. Bildrechte: Colourbox.de

75 infizierte Hausschweine in Polen, 653 infizierte Wildschweine in Lettland und 101 in Tschechien. Die Zahlen des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit zur Afrikanischen Schweinepest (ASP) wirken auf den ersten Blick nicht dramatisch, versetzen hiesige Bauern aber in Panik. "Wir sind sehr sensibel, was das Thema angeht", sagt Manfred Uhlemann vom Sächsischen Bauernverband. Denn die Afrikanische Schweinepest gefährdet zwar keine Menschenleben, kann betroffene Betriebe aber die Existenz kosten. Doch von vorn.

Noch 300 Kilometer von Deutschland entfernt

Das Virus, das bei Haus- und Wildschweinen meist tödlich verläuft, stammt eigentlich aus Afrika und ist 2007 über das Schwarze Meer nach Europa gelangt. "2014 ist das Virus dann zum ersten Mal in der EU aufgetreten, es kommt also unaufhaltsam auf Deutschland zu", sagt Sandra Blome vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI). Die Sorge in diesem Jahr sei besonders groß, weil das Virus einen Sprung gemacht hat: "Es hat quasi die Slowakei ausgespart und ist gleich in Tschechien aufgetaucht.“ Und ist damit noch 300 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.

Schweine in Schutzzone

Im osttschechischen Zlin wurden Ende Juni zum ersten Mal verendete Wildschweine entdeckt, die das Virus in sich trugen. Es wurde die Krisenlage ausgerufen und eine Schutzzone eingerichtet. Ein 45 Kilometer langer Elektrozaun soll verhindern, dass die Wildschweine die Schutzzone verlassen. Bei einem Treffen in Prag lobte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt seinen tschechischen Amtskollegen Marian Jurečka dann auch für den Umgang der tschechischen Behörden mit der Afrikanischen Schweinepest. Doch ganz ausschließen, dass sich das Virus nach Deutschland schleicht, könne niemand, meint Bauernverbandsvertreter Uhlemann: "Meist ist die Unachtsamkeit der Menschen das Problem. Wenn ein Lkw-Fahrer sein vielleicht infiziertes Salami-Brot an einer Raststätte aus dem Fenster wirft und ein Wildschwein das frisst, dann ist das Virus da."

Die Folgen für die Betriebe wären immens. Zwar hält Uhlemann eine Ansteckung deutscher Hausschweine für sehr unwahrscheinlich, sie lebten zu isoliert. "Das Problem ist, dass dann so genannte Restriktionszonen eingerichtet werden, wenn ein infiziertes Wildschwein gefunden wird. Und wenn ein Betrieb da drin liegt, muss das Fleisch aus diesem Betrieb speziell gekennzeichnet werden. Und welcher Exporteur nimmt dieses Fleisch dann noch ab?“

Russland verweigerte Importe

Ein Wildschwein im Wald
Wildschwein im Wald Bildrechte: Colourbox.de

Auch beim Dachverband geht man davon aus, dass "die komplette Vermarktung zusammenbrechen würde". Das habe man ja schon 2014 gesehen, als Russland den Import von Schweinefleisch aus der EU stoppte. Damals waren in Polen und Litauen vereinzelte Fälle der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen entdeckt worden. Russland argumentierte: Da die europäischen Binnengrenzen offen seien, könne eine Ausbreitung des Virus auf die gesamte EU nicht verhindert werden. Somit könne Russland überhaupt kein Schweinefleisch aus der EU abnehmen. Politische Beobachter gingen damals zwar davon aus, dass Moskaus Entscheidung eine Retourkutsche für die Haltung der EU im Ukraine-Konflikt war. Doch so oder so: Der wirtschaftliche Schaden für die europäischen Bauern war immens.

Polens Reaktion auf Schweinepest

Polen versuchte, die Auswirkungen des Embargos kleinzureden. Polens damaliger Landwirtschaftsminister Marek Sawicki sprach von umgerechnet 750.000 Euro, die die polnischen Bauern durch den Exportstopp nach Russland pro Tag einbüßten. Diese Summe könne aber ausgeglichen werden, hieß es damals. Trotzdem bemüht sich die heutige Regierung massiv, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Vize-Landwirtschaftsministerin Ewa Lech kündigte an, die Wildschweinbestände drastisch zu reduzieren. Und es soll ein Zaun zu Belarus und der Ukraine gebaut werden. 729 Kilometer lang. Kostenpunkt rund 25 Millionen Euro.

Touristen sollen kein Schweinefleisch einführen

Einen Impfstoff gegen das Virus gibt es nicht. "Die EU und die Industrie pumpen seit Jahren Gelder in die Forschung, bisher ohne Erfolg", sagt FLI-Expertin Blome. Sie sieht auch für die nahe Zukunft keine Aussicht auf ein wirksames Gegenmittel.

Und so können die deutschen Bauernverbände im Moment nicht mehr machen, als zu warnen. Schilder an Autobahnen, die das Wegwerfen von Lebensmitteln verbieten. Warnschreiben an Touristen, kein Schweinefleisch nach Deutschland einzuführen. Doch wenn sich die Menschen nicht an solche einfachen Regeln hielten, meint Verbandsvertreter Uhlemann, nütze kein Zaun der Welt etwas.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 01.09.2017 | 20:27 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2017, 06:00 Uhr

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