Reiseland Albanien

Das Land am ionischen und adriatischen Meer in Nachbarschaft zum Kosovo, zu Montenegro, Mazedonien und Griechenland, ist touristisch weitgehend unentdecktes Gebiet. Nur ganz wenige "Abenteurer" entdecken die unberührten Strände, die wilde und faszinierende Bergwelt mit ihren beeindruckenden Stauseen, die gute Küche und vor allem die Warmherzigkeit der Menschen in Albanien.

Osteuropa

Landschaft in Albanien
Doch Albanien ist nicht nur ein Ziel für Sonnenanbeter. 15 verschiedene Nationalparks bieten traumhafte und vielfältige Landschaften. Die Berge im Norden des kleinen Landes sind ein echter Geheimtipp. Wanderer und Naturliebhaber kommen in der unberührten Natur voll auf ihre Kosten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

2009 kamen nach offiziellen albanischen Angaben rund 1,5 Millionen ausländische Touristen. Und es werden nur langsam mehr.  Dabei versuchen die albanische Regierung, die EU und einzelne Organisationen den Tourismus gezielt zu entwickeln. So wurde der Flughafen in der Hauptstadt Tirana ausgebaut, das Verkehrsnetz erweitert und verbessert. Endlich führen Straßen auch in die abgelegenen Orte. Einer davon ist Theth, ein Dorf in den Albanischen Alpen – Startpunkt des "Peaks of the Balkans", des jüngsten transnationalen Fernwanderwegs in Europa. Er wurde auf Initiative der GIZ (Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) angelegt. Dass Albanien kein Touristen-Hotspot ist, hat mit der Geschichte des Landes zu tun.

Die Rugova-Schlucht im Kosovo

In der 25 Kilometer langen Rugova-Schlucht im Kosovo entsteht der erste moderne Klettersteig des Balkans. Er ist Teil des "Peak of the Balkans".

Klettersteigkarte
Vom Kampfplatz zur Touristenattraktion - das trifft für den Westen Kosovos zu. In der Rugova-Schlucht im Dreiländereck Montenegro, Kosovo und Albanien wurde vor noch gar nicht allzu langer Zeit noch erbittert gekämpft. Heute wird hier der erste moderne Klettersteig des Balkan ausgebaut - von früheren UÇK-Rebellen und mit deutscher Hilfe. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Klettersteigkarte
Vom Kampfplatz zur Touristenattraktion - das trifft für den Westen Kosovos zu. In der Rugova-Schlucht im Dreiländereck Montenegro, Kosovo und Albanien wurde vor noch gar nicht allzu langer Zeit noch erbittert gekämpft. Heute wird hier der erste moderne Klettersteig des Balkan ausgebaut - von früheren UÇK-Rebellen und mit deutscher Hilfe. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Der reißende Lumbardhi - ein Fluß, der den Rugova-Canyon durchzieht.
Durch den 25 Kilometer langen Rugova-Canyon in den Dinariden tost der Lumbardhi. Er ist bei Rafting-Sportlern beliebt. Kosovarische Alpinisten investieren heute ihre Freizeitstunden, um die wilde Schlucht auch für Wanderer und Bergsteiger wieder begehbar zu machen. Bildrechte: MDR/Peter-Hugo Scholz
Haki Lekaj ist ehemaliger UCK-Rebell und heute Polizist im Bergstädtchen Peja.
Einer dieser Freiwilligen ist Haki Lekaj - ehemaliger UÇK-Rebell und heute Polizist im Bergstädtchen Peja. In seiner Freizeit hat er als Alpinist am "Peaks of the Balkans Trail" die Klettersteige mitgebaut und dabei die Landminen wieder ausgegraben, die er früher hier selbst verlegt hatte. Bildrechte: MDR/Peter-Hugo Scholz
Die Felswände in der Rugova-Schlucht sind aus Kalkstein und eignen sich prima zum spektakulären Klettern.
Die Felswände in der Rugova-Schlucht sind aus Kalkstein und eignen sich prima zum spektakulären Klettern. Der Trail durch die Rugova-Schlucht ist Teil des Höhenwanderweg "Peaks of the Balkans". Das 192 Kilometer lange Großprojekt verbindet Montenegro, Kosovo und Albanien - auch für den Frieden in der Region. Bildrechte: MDR/Peter-Hugo Scholz
Moderne alpine Brücken überspannen die Rugova-Schlucht.
Moderne alpine Brücken überspannen die Rugova-Schlucht an besonders wilden Stellen - hier überquert Dolmetscher Liridon Qovanaj solch eine Passage. Geld für das Anlegen der Trekking-Route kam von der GIZ, der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit. Sie investierte 400.000 Euro. Der Deutsche Alpenverein unterstützte die Kosovaren mit der Ausbildung von Bergführern. Bildrechte: MDR/Peter-Hugo Scholz
Überall im Kosovo, so auch am Wegesrand der Rugova-Schlucht, findet man Grabsteine für die gefallenen UCK-Befreiungskämpfer.
Überall im Kosovo, so auch am Wegesrand der Rugova-Schlucht, findet man Grabsteine für die gefallenen UÇK-Kämpfer. Bildrechte: MDR/Peter-Hugo Scholz
Blick über die Rugova-Schlucht am Berg-Camp Guri Kuq.
Blick über die Rugova-Schlucht am Berg-Camp Guri Kuq. Der Ausbau der Schlucht zahlt sich für die strukturschwache Region schon aus. In der Saison 2015 kamen 10.000 Touristen. Bildrechte: MDR/Peter-Hugo Scholz
Alle (7) Bilder anzeigen
Moderne alpine Brücken überspannen die Rugova-Schlucht.
Moderne alpine Brücken überspannen die Rugova-Schlucht an besonders wilden Stellen - hier überquert Liridon Qovanaj, unser Dolmetscher, so eine Passage. Geld für das Anlegen der Trekking-Route kam von der GIZ, der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit. Sie investierte 400.000 Euro. Bildrechte: MDR/Peter-Hugo Scholz

Mit dem Reisebüro an die Adria

Dabei begann Ende der 1950er Jahre alles ganz hoffnungsvoll. Zumindest für DDR-Bürger. Denn die durften den sozialistischen Bruderstaat nun bereisen. Diktator Enver Hoxha hatte den Balkanstaat nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer sozialistischen Volksrepublik nach dem Vorbild der Sowjetunion geformt und zählte deshalb zu den Bruderstaaten der DDR.

Keinerlei Komfort

Das Komfortniveau in Albanien war damals so wenig entwickelt, dass sich das Staatliche Reisebüro der DDR in einem Prospekt von 1958 genötigt sah, all denen, die sich für eine Reise in das kleine Land interessierten, vorsichtig darauf einzustimmen, was sie erwartete: "Wir weisen ausdrücklich darauf hin," hieß es, "dass bei diesen Reisen keinerlei Komfort erwartet werden kann. Die landschaftliche Schönheit, der ideale Sandstrand und die Großartigkeit der imposanten Bergwelt müssen hier für die Teilnehmer ausschlaggebend sein."

Hoxha macht dicht

Doch Albanien blieb den DDR-Bürgern nicht lange als Reiseziel erhalten. Ab 1961 war das Land für sie  tabu. Diktator Hoxha trieb Albanien in die Selbstisolation, schottete es von der Außenwelt ab. Zuerst kam es zum Bruch mit der Sowjetunion, später froren auch die guten Beziehungen zur DDR ein. Das änderte sich erst 20 Jahre später, nach dem Tod des Diktators. Zaghaft versuchte sein Nachfolger, Albanien außenpolitisch wieder zu öffnen. Ab 1986 nahm auch die DDR ihre Beziehungen zu Albanien wieder auf.  1989, im Zuge der Forderungen nach Reisefreiheit in der DDR, plante der damalige DDR-Außenminister Oskar Fischer sogar, Albanien wieder als Reiseland zuzulassen. Er hielt es für absolut sicher und maß der Fluchtgefahr über Griechenland keine Bedeutung bei. Die Außengrenzen waren aufgrund der Angst der albanischen Regierung vor inneren und äußeren Feinden bestens geschützt. Am 25. Oktober 1989, kurz vor dem Mauerfall, beschloss die SED dann tatsächlich, das südosteuropäische Land für DDR-Bürger zu öffnen. Zu spät.

Unruhige Zeiten

1990 wurde das kommunistische Regime gestürzt. Staat und Wirtschaft brachen zusammen.  Es kam zu einer massenhaften Abwanderung vor allem jüngerer Menschen. Bürgerkriegsähnliche Unruhen 1997 und 1998 hinterließen ebenfalls ihre Spuren. Albanien geriet in Vergessenheit, wurde zur Terra Incognita, für Touristen aus aller Welt. Das soll sich nun ändern …

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im: TV | 29.07.2017 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Juli 2017, 11:35 Uhr

Ein Angebot von

Zurück zur Startseite