Corona-Pandemie Corona-Quarantäne-App in Polen: Selfie für die Polizei

Polen, die sich wegen der Corona-Pandemie in Quarantäne befinden, sind verpflichtet eine App zu nutzen und mit einem Selfie zu beweisen, dass sie sich zu Hause befinden. Das finden nicht alle gut.

Frau mit Smartphone und der Quarantänenapp in ihrer Wohnung
Ein Selfie im 100 Meter-Umkreis von zu Hause, bitte. So sieht Kontroll-App in Polen aus. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/Eastnews

Dorota steht am Fenster und winkt einem Polizisten zu. Der hatte ihr kurz vorher eine SMS geschrieben - das Zeichen für sie, sich zum Fenster zu begeben. So beweist sie nun in ihrer 14-tägigen Quarantäne, dass sie sich immer zu Hause aufhält.
Wann die Polizisten kommen, um sie zu kontrollieren, weiß sie nicht. Die junge Polin kam Ende März frühzeitig wegen der Corona-Pandemie von einem EU-Programm aus Spanien nach Polen zurück. Bei der Einreise am Flughafen musste sie ihre Adresse und Telefonnummer für die Polizei und das Quarantäneregister hinterlegen. Allerdings galt bei ihrer Einreise die jetzt obligatorische App noch nicht.

Die Polizei und die Soldaten der Territorialen Verteidigungstruppe kontrollieren Personen, die während des Coronavirus-Ausbruchs unter Zwangsquarantäne standen.
Die Polizei und die Soldaten der Territorialen Verteidigungstruppe kontrollieren Personen, die während des Coronavirus-Ausbruchs unter Zwangsquarantäne standen. Bildrechte: imago images/Eastnews

Wie funktioniert die App?

Die App "Häusliche Quarantäne" (polnisch: kwarantanna domowa) wurde vom polnischen Digitalisierungsministerium herausgegeben und kontrolliert, ob sich eine Person zu Hause befindet. Mehrmals täglich wird der Person eine Nachricht geschickt und innerhalb von 20 Minuten muss diese über die App ein Selfie schicken und damit beweisen, dass sie sich tatsächlich zu Hause befindet. Wenn dies nicht passiert, erhält die Polizei eine Nachricht und überprüft persönlich vor Ort, ob die Person anzutreffen ist oder nicht. Die App müssen seit dem 1. April alle Polen in ihrer 14-tägigen Quarantäne nutzen, die Kontakt mit Corona-Infizierten hatten oder selbst aus dem Ausland zurückgekommen sind.

App darf auf den Standort zugreifen

Die App übermittelt dabei auch die Geolokalisierung, das heißt den Standort einer Person. Denn zum Zeitpunkt der Aufnahme des Kontrollfotos muss sich der Benutzer innerhalb eines Umkreises von 100 Metern um sein Zuhause befinden. Das stößt anscheinend bei vielen Nutzern auf Unmut: Im App-Store für Androidgeräte wurde die Anwendung nur mit einem von fünf möglichen Sternen bewertet – der Tenor: "So schlecht wie die App ist, scheint auch die polnische Regierung auf die Krise vorbereitet zu sein."

Dorota meint, dass das einzig Positive an dieser Art der Kontrolle sei, dass man in der Isolation nicht das Gefühl habe, vergessen zu werden - zumindest wenn man allein stehend ist, so wie sie. Doch selbst mit der App, sei die Kontrolle der polnischen Behörden nur eine gefühlte Kontrolle, sagt die junge Frau. Denn wenn jemand Lust habe, sich mit anderen Leuten zu treffen, dann lädt er die eben zu sich nach Hause ein. Das werde nämlich von der polnischen Polizei nicht kontrolliert - vorausgesetzt man macht kein Gruppenfoto.

Dorota jedenfalls hätte es statt der täglichen Kontrolle gut gefunden, wenn sie nach ihrer Rückkehr aus Spanien einfach auf Corona getestet worden wäre. "Dann hätte ich Klarheit gehabt und hätte meine Eltern besuchen können, die wegen ihres Alters zur Risikogruppe gehören." Zum Glück habe sie wenigstens die App nicht nutzen müssen. Die 29-Jährige traue der Anwendung nicht, schließlich teile man dem polnischen Staat über 14 Tage 24 Stunden lang seinen Standort mit.

(adg)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 08. April 2020 | 21:45 Uhr