Covid-19 Polens "Wuhan": Kohlegruben müssen wegen Corona schließen

Polens schlesisches Kohlerevier kommt nicht zur Ruhe. Weil es mit den bisherigen Maßnahmen nicht gelungen ist, die massenhafte Corona-Ausbreitung in den Kohlegruben der Region aufzuhalten, werden zwölf große Bergwerke ab heute für drei Wochen geschlossen.

Ein Mann in Schutzkleidung in Schlesien
Vollschutz: In Schlesien wird derzeit verstärkt auf Covid-19 getestet. Bildrechte: imago images/Eastnews

Das gab Polens Schatzminister Jacek Sasin bekannt. Die bisher getroffenen Maßnahmen hätten nicht ausgereicht. So waren unter anderem einzelne Schichten beim Einfahren strikt voneinander getrennt worden. Die Besatzungen wurden den Angaben zufolge reduziert, um das Einhalten von Sicherheitsabständen möglich zu machen. Bei den einfahrenden Bergmännern wurde Fieber gemessen, außerdem bekamen sie Mundschutz und Desinfektionsmittel ausgehändigt. "Angesichts der speziellen Eigenheiten der Arbeit unter Tage erwiesen sich diese Maßnahmen leider als unzureichend", sagte der Schatzminister.

Aus diesem Grund bleiben insgesamt zwölf große Gruben in Schlesien nun für drei Wochen geschlossen. Die Bergleute bekämen dabei ihren vollen Lohn ausgezahlt, so dass niemand finanzielle Einbußen fürchten müsse, betonte Sasin. In den Bergwerken blieben nur kleine Instandhaltungsmannschaften, die für die Entwässerung und Belüftung nötig sind.

Schlesien ist Polens Corona-Hochburg

Schlesien ist seit Wochen Polens Corona-Hotspot. Bislang wurden in der Region offiziellen Angaben zufolge rund 10.000 Corona-Infektionen registriert. Dies dürfte jedoch nur die Spitze des Eisbergs sein, denn in Polen wird verhältnismäßig wenig auf Corona getestet. Aufgrund der hohen Infiziertenzahlen ließ die Regierung schon im Mai einige Zehntausend Bergleute testen, denn das Virus breitet sich in den Kohlegruben besonders schnell aus - etwa die Hälfte aller Infizierten sind Bergleute.

Enge unter Tage macht Gruben zu Covid-Brutstätten

Hauptproblem ist die räumliche Enge bei der Arbeit unter Tage. Beim Einfahren seien die Kumpel auf engstem Raum zusammengepfercht, berichtete ein Bergmann dem polnischen Nachrichtensender TVN24. Unten angekommen, müssten sie oft noch eine halbe Stunde lang mit der Grubenbahn zum Abbauraum weiterfahren - Knie an Knie, je zwölf Mann in einem engen Wagen.

Die Region Schlesien trägt maßgeblich dazu bei, dass man in Polen noch lange keine Entwarnung wird geben können. Im Gegenteil: Am Montag verzeichnete die amtliche Coronastatistik 599 neue Fälle in Polen, so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Mehr als die Hälfte davon stammte aus Schlesien.

(baz)

Ein Werk in Schlesien von außen
Erst tetsten, dann arbeiten: Eingangskontrolle vor einer Kohlemine in Katowice Bildrechte: imago images/Eastnews

Dieses Thema im Programm: MDR Aktuell TV | 15. Mai 2020 | 17:45 Uhr