Leben im Nirgendwo Die russische Diamantenstadt Mirny

Die weltweit größte offene Diamanten-Mine in der sibirischen Stadt Mirny
Die weltweit größte offene Diamanten-Mine in der sibirischen Stadt Mirny Bildrechte: dpa

1.200 Meter Durchmesser, knapp 1.000 Meter tief: Die Grube des Diamantenbergwerkes "Mir" hat gigantische Ausmaße. Sie liegt mitten im sibirischen Jakutien, Unweit der Stadt Mirny - der Diamantenstadt.

Geheim und schwer erreichbar

In der UdSSR war Mirny, wo heute rund 40.000 Menschen leben, eine sogenannte geschlossene Stadt. Nur Bewohner und Funktionäre durften sie betreten. Die Geheimniskrämerei ging so weit, dass Mirny auf keiner Landkarte auftauchte. Das hat sich zwar geändert, doch nach wie vor ist es schwierig, den Ort zu erreichen: Nach Mirny führen keine Straßen, es existiert nur eine Flugverbindung. Die nächste Stadt ist 300 Kilometer entfernt. Flugzeugen und Helikoptern ist der Flug über das Loch übrigens streng verboten, da sie durch gefährliche Abwinde in die Tiefe gezogen werden können.

Diamantbergwerk "Mir", 2015
Früher auf keiner Landkarte zu finden: Die Diamantengrube Mirny Bildrechte: IMAGO

Schuften bei minus 70 Grad

Die Lebensbedingungen in Mirny sind hart: Im sieben Monate währenden Winter fallen die Temperaturen in der Stadt bis auf minus 50 Grad Celsius. Und es geht sogar noch kälter. Am Grund des Minenkraters können die Temperaturen bis auf minus 70 Grad Celsius fallen. Die Minenarbeiter müssen häufig die Arbeit unterbrechen und sich in Pausen-Baracken aufwärmen. Die Arbeit in der Diamantenmine ist ein gefährlicher Knochenjob. Immerhin werden die Bergmänner anständig und pünktlich bezahlt.

Bergmänner
Die Arbeit in der Diamantenmine Mirny ist hart, wird aber anständig bezahlt. Bildrechte: IMAGO

Eine schmale Schotterpiste führt in Serpentinen am Rand des Lochs in die Tiefe hinab. Acht Kilometer lang ist die Strecke. Die riesigen Laster, die das Geröll nach oben transportieren, benötigen für ihre Fahrt mehr als anderthalb Stunden. Die Touren sind lebensgefährlich: Beinahe täglich lösen sich riesige Gesteinsbrocken aus den Wänden, Pisten brechen unter den LKW einfach weg.

Ein LKW wird beladen
Laster, die das Geröll fahren, brauchen vom Grund der Mine bis oben anderthalb Stunden. Bildrechte: IMAGO

Diamanten für den Sozialismus

In Mirny werden seit 1957 Diamanten abgebaut. Zwei Jahre zuvor waren sowjetische Geologen endlich auf Spuren von Diamanten gestoßen. Der sowjetischen Partei- und Staatschef Stalin hatte seit Mitte der 1930er-Jahre Geologen im ganzen Land nach Diamanten suchen lassen. Die Industrie benötigte sie dringend für Werkzeuge und Bohrköpfe. Mit den Jahren wurde der Krater immer tiefer und die Sowjetunion avancierte zum größten Diamantenproduzenten der Welt.

Diamantenmine
Seit 2001 wird die Grube sich selbst überlassen. Diamanten werden nur noch unter Tage abgebaut. Bildrechte: IMAGO

Der Krater wird instabil

2001 wurde der Diamanten-Tagebau im Krater "Mir" geschlossen. Die Wände rutschten ab und es gab keine Möglichkeit, sie zu stabilisieren. Seit 2009 werden wieder Diamanten gefördert - allerdings nur noch unter Tage. Betreiber der Mine "Mir" ist die Firma Alrosa, eigenen Angaben zufolge größter Diamantenförderer der Welt. Haupteigentümer ist der russische Staat. 

Geschlossene Stadt - Mirny

Diamantenmine
Das Diamantenbergwerk "Mir" (Frieden) befindet sich mitten im sibirischen Jakutien, am nördlichen Polarkreis. Die Ausmaße der Grube sind ungeheuerlich: Sie hat einen Durchmesser von 1.200 Metern und ist knapp einen Kilometer tief. Bildrechte: IMAGO
Diamantenmine
Das Diamantenbergwerk "Mir" (Frieden) befindet sich mitten im sibirischen Jakutien, am nördlichen Polarkreis. Die Ausmaße der Grube sind ungeheuerlich: Sie hat einen Durchmesser von 1.200 Metern und ist knapp einen Kilometer tief. Bildrechte: IMAGO
Die weltweit größte offene Diamanten-Mine in der sibirischen Stadt Mirny
In unmittelbarer Nähe der gigantischen Grube liegt die Diamantenstadt Mirny. Es gibt sie nur, weil es die Grube gibt. 40.000 Menschen wohnen in der Stadt. Sie alle haben mit der Diamantenproduktion zu tun. Bildrechte: dpa
Mirny
Nach Mirny führen keine Straßen, es existiert nur eine Flugverbindung. Die nächste Stadt ist 300 Kilometer entfernt. Zu Zeiten der UdSSR war Mirny eine geschlossene Stadt, keiner durfte herein, der nicht dort wohnte oder arbeitete. Auch auf Karten war sie nicht verzeichnet. Bildrechte: imago/ITAR-TASS
Diamantmine
Die Lebensbedingungen sind hart: Im sieben Monate währenden Winter fallen die Temperaturen in der Stadt bis auf minus 50 Grad Celsius. Es geht sogar noch kälter. Bildrechte: imago/ITAR-TASS
Bergmänner
Am Grund des Kraters können die Temperaturen bis auf minus 70 Grad Celsius fallen. Die Minenarbeiter müssen häufig die Arbeit unterbrechen und sich in Pausen-Baracken aufzuwärmen. Bildrechte: IMAGO
Minenarbeiter
Die Arbeit in der Diamantenmine ist ein gefährlicher Knochenjob. Die Bergmänner werden immerhin anständig und pünktlich bezahlt. Bildrechte: IMAGO
Diamantenmine
Eine schmale Schotterpiste führt in Serpentinen am Rand des Lochs in die Tiefe hinab. Acht Kilometer lang ist die Strecke. Bildrechte: IMAGO
Ein LKW wird beladen
Die riesigen Laster, die das Geröll nach oben transportieren, benötigen für ihre Fahrt mehr als anderthalb Stunden. Die Touren sind lebensgefährlich: Beinahe täglich lösen sich riesige Gesteinsbrocken aus den Wänden, Piste brechen unter den LKW einfach weg. Bildrechte: IMAGO
Stalinbüste aus Bronze
Seit Mitte der 1930er-Jahre hatte Stalin seine Geologen in Russland nach Diamanten suchen lassen. Die Industrie benötigte sie dringend für Werkzeuge und Bohrköpfe. In Sibirien, so die Wissenschaftler damals, müssten aufgrund der Bodenbeschaffenheit Diamanten zu finden sein. (Im Bild: Eine Stalin-Büste, die seit 2005 im Zentrum der Stadt steht.) Bildrechte: IMAGO
Ein Mann untersucht einen Diamanten.
Stalins Hoffnung hatte sich tatsächlich erfüllt. In einem Fuchsbau fand der Geologe Jurij Tschabardin 1955 Spuren von Diamanten. Zwei Jahre später begannen die Arbeiten: Mit Dynamit wurde der Permafrostboden aufgerissen und Flugzeugtriebwerke weichten den Boden auf. Bildrechte: imago/Xinhua
Diamanten
Mit den Jahren wurde der Krater immer tiefer und die Sowjetunion avancierte zum größten Diamantenproduzenten der Welt. Bildrechte: imago/ITAR-TASS
Bergwerk Mirny
2001 wurde der Diamanten-Tagebau im Krater "Mir" jedoch geschlossen - die Wände rutschten ab und es gab keine Möglichkeit, sie zu stabilisieren. Seit 2009 werden wieder Diamanten gefördert - allerdings nur noch unter Tage in Minen. Bildrechte: IMAGO
Verwaltungegebäude der Internationalen Tiefbaugrube
Betreiber der Mine "Mir" ist die Firma Alrosa, eigenen Angaben zufolge größter Diamantenförderer der Welt. Haupteigentümer ist der russische Staat. Alrosa gehören aber nicht nur das Diamantenbergwerk und die Diamantenfabrik, sondern eigentlich die gesamte Stadt Mirny. Bildrechte: IMAGO
Diamantbergwerk "Mir", 2015
In der Nähe der Diamantengrube befindet sich der Flughafen Mirny, die einzige Verbindung zur Außenwelt. Flugzeugen und Helikoptern ist der Flug über das Loch streng verboten, da sie durch gefährliche Abwinde in die Tiefe gezogen werden können. (Über dieses Thema berichtete der MDR auch in "Windrose", 21. Juni 2009, 16:05 Uhr) Bildrechte: IMAGO
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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL TV | 23. Dezember 2018 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. August 2019, 05:00 Uhr

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