Internationaler Frauentag Wie der Weltfrauentag in Russland gefeiert wird

Am 8. März sieht man überall in Russland Frauen mit Tulpen oder Narzissen in den Händen. Es ist Weltfrauentag. Egal ob jung oder alt, an diesem Tag stehen sie im Mittelpunkt. In Russland ist der Weltfrauentag auch nicht irgendein Feiertag, sondern einer der wichtigsten und beliebtesten überhaupt. Er ist ein Nationalfeiertag, an dem die Arbeit ruht und Blumenhändler Hochkonjunktur haben. In Russland wurde 1917 der Weltfrauentag auch erstmals am 8. März begangen.

Russlands Präsident Wladimir Putin (Mitte) und Frauen posieren für ein Gruppenfoto während einer Teeparty im Moskauer Kreml am Internationalen Frauentag am 8. März.
Wladimir Putin mit Frauen am 8. März 2015 im Kreml Bildrechte: imago/ITAR-TASS

Beglückwünscht werden die Frauen an ihrem Festtag, der in Russland einer Mischung aus Valentins- und Muttertag gleicht, nicht nur von Ehemännern, Freunden, Kindern und Verwandten, sondern auch von Arbeitskollegen, Vorgesetzten oder Geschäftspartnern. Sie bekommen Parfüm geschenkt, Kosmetikartikel, Schmuck oder Pralinen. Am häufigsten aber: Blumen. Gefeiert wird am Abend, meist zu Hause, gemeinsam mit der gesamten Familie, mit Freunden und Verwandten. Die Männer kochen üppige Gerichte und übernehmen mehr oder weniger freiwillig die Hausarbeiten. Und dann wird "Auf die Frauen!" getrunken: "Sa shenschtschin!"

Blumenhändler haben Hochkonjunktur

Für die russischen Blumenhändler und Floristen ist der Weltfrauentag geradezu überlebenswichtig. Es ist der wichtigste Tag in ihrem Geschäftsjahr. Ihr Angebot ist riesig und die Preise sind gepfeffert - nicht selten doppelt so hoch wie an normalen Tagen. Dennoch sind die Blumen schnell ausverkauft. Die Nachfrage ist enorm. Schätzungen zufolge erzielen die Blumenhändler am Weltfrauentag etwa 70 Prozent ihres Jahresumsatzes.

Frau arrangiert Blumensträuße im Moskauer NAT-Floristikstudio.
Moskauer Blumenhändlerin in ihrem Laden Bildrechte: imago/ITAR-TASS

Es blüht am Weltfrauentag aber auch der Schwarzhandel. In allen Städten bauen fliegende Händler auf Parkplätzen, in Fußgängerunterführungen, an Bahnhöfen und Metrostationen, in Parkanlagen oder Hauseingängen ihre mobilen Stände auf. Manche haben auch ihre Autos zu rollenden Blumenläden umfunktioniert. Ladenschluss gibt es bei den fliegenden Händlern nicht - bei ihnen kann man um Mitternacht, aber auch morgens um drei Uhr noch Tulpen kaufen oder Chrysanthemen. Sie haben rund um die Uhr geöffnet und ihre Blumen sind natürlich um einiges preiswerter als in den Blumenläden. Den Stadtverwaltungen sind diese Schwarzgeschäfte allerdings ein Dorn im Auge. Und so gehen allein in Moskau jedes Jahr an die 350 Beamte gegen die illegalen Blumenhändler vor. Meist aber nur mit mäßigem Erfolg.

Blumenhändler während Mittagspause isst etwas an seinem Stand aus einer Schale.
Straßenhändler in Moskau Bildrechte: imago/ITAR-TASS

Auf keinen Fall gelbe Blumen verschenken

Bei den russischen Frauen sind Tulpen am beliebtesten, weil sie als Vorboten des Frühlings gelten. Doch auch Mimosen und Narzissen werden gern verschenkt. Nelken hingegen kaum noch, weil sie an die Jahrzehnte des Sozialismus erinnern. Damals wurden bevorzugt rote Nelken an die werktätigen Frauen verteilt. Wichtig ist aber auch die Farbe. Gelbe Blumen beispielsweise sind eher unpassend, weil sie als Zeichen der Untreue gelten. Wer auf Nummer sicher gehen will, verschenkt rote oder weiße Blumen. Doch auch die Anzahl der Blumen spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Es muss unbedingt eine ungerade Anzahl sein, denn mit einer geraden Anzahl von Blumen werden in Russland für gewöhnlich Gräber geschmückt.

Frau riecht an Blumen.
Moskauerin am Weltfrauentag. Sie freut sich auch über gelbe Tulpen. Bildrechte: imago/ITAR-TASS

Keine Gleichberechtigung

Natürlich dürfen an einem so bedeutenden Feiertag auch öffentliche Auftritte des Präsidenten nicht fehlen. Im vergangenen Jahr besuchte Wladimir Putin beispielsweise Polizistinnen in Moskau und lobte ihren unermüdlichen Einsatz für Ordnung und Sicherheit in der Hauptstadt. In seiner alljährlichen Fernsehansprache zum Weltfrauentag verwies er unter anderem darauf, dass viele russische Frauen noch immer doppelt beansprucht seien - in Familie und Beruf.

Von einer Gleichberechtigung ist Russland derzeit tatsächlich noch weit entfernt. Frauen verdienen im Durchschnitt 30 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen und sind zudem häufiger in Branchen beschäftigt, in denen die Löhne generell eher dürftig sind. Aber derlei kritische Gedanken finden am Weltfrauentag in Russland kaum Gehör. Nur vereinzelt gibt es an diesem Tag Kundgebungen für gleiche Löhne oder Frauenrechte, die von den Sicherheitskräften aber meist auch schnell wieder aufgelöst werden. Der 8. März ist ein Feiertag, an dem Freude herrschen soll und die Sorgen des Alltags vergessen sind.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL TV | 08. März 2020 | 19:30 Uhr