Polen: Wem würde der Goldschatz gehören?

Der Zug mit dem vermeintlichen Nazigold, nach dem in Wałbrzych intensiv gegraben wird, beflügelt die Phantasie Tausender Schatzsucher. Doch wem würde der Schatz eigentlich gehören, wenn er sich tatsächlich finden ließe?

Ein in Polen gefundener Schatz gehört zunächst immer erst einmal dem Staat. Der Finder ist verpflichtet, ihn bei den Behörden zu melden und den Fundort zu nennen.

Die zwei Schatz-Arten

Laut Gesetz wird zwischen "archäologischen Funden" und "gewöhnlichen" Schätzen unterschieden. Zur erstgenannten Kategorie gehören etwa alte römische Münzen. Sie fallen unter das Denkmalschutzgesetz. Alle anderen "Gegenstände von hohem materiellen, wissenschaftlichen oder künstlerischen Wert", bei denen die Suche nach dem Eigentümer "offenkundig zwecklos" ist, fallen unter die Bestimmungen des Zivilgesetzbuches.

Behörden begutachten Schatz

Ob ein Schatz nun "gewöhnlich" ist oder doch "archäologisch" – oder vielleicht gar kein Schatz –, darüber kann es Streit geben: Ein mit Edelsteinen besetzter Armreif aus Gold würde mit einiger Wahrscheinlichkeit von den Behörden eingezogen und zum Staatseigentum erklärt werden. Ein altes, kunstvoll verziertes Feuerzeug aber - für das auf dem Antiquitätenmarkt durchaus hohe Summen aufgerufen werden könnten -, würde im Sinne des Gesetzes aber vermutlich nur in den seltensten Fällen überhaupt als Schatz eingestuft werden.

Goldschatz ist bislang nur Gerücht

Ob die beiden Hobby-Historiker, die derzeit im polnischen Walbrzych (Waldenburg) nach einem Zug der Nationalsozialisten graben, auf einen Goldschatz stoßen werden, ist völlig ungewiss. Seit Jahrzehnten kursieren lediglich Gerüchte über den vermeintlichen Schatz. So besagt die Legende, dass die Nazis gegen Kriegsende Gold und anderes Raubgut nahe Walbrzych vor der anrückenden Sowjet-Armee in Sicherheit bringen wollten.

Christel Focken 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Eigentum des polnischen Staates"

Aufgewertet hatte die Legende 2015 auch der damalige oberste Denkmalschützer Polens, Piotr Zuchowski. Er erklärte, er glaube "mit 99 Prozent Sicherheit" an die Existenz des Zuges. Schon damals verkündete er, sollte der Zug gefunden werden, sei er "Eigentum des polnischen Staates". Es sei denn, "es tauchten Personen auf, die ihre Eigentumsrechte beweisen könnten".

Gibt es einen Finderlohn?

Hobby-Historiker Piotr Koper und Andreas Richter wollen den Zug ausgraben
Die Hobbyhistoriker Andreas Richter (links) und Piotr Koper (Bildmitte). Die haben bereits Finderlohn angemeldet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Schatzgräber-Duo in Walbrzych hatte bereits vor seinen derzeitigen Ausgrabungen zehn Prozent Finderlohn geltend gemacht. Schließlich hätten sie, so erklärten die beiden Hobby-Forscher, die Untersuchungen auf eigene Kosten gemacht. Doch sieht das auch die polnische Gesetzgebung so?

In der Tat hat bei "gewöhnlichen" Schätzen der Finder einen Anspruch auf einen Finderlohn. Allerdings schweigt sich das Gesetz über dessen Höhe aus. Einige Juristen halten zehn Prozent des Fundwertes für angemessen, doch letztlich bleibt die Entscheidung den Behörden überlassen. Wem der Finderlohn zu klein vorkommt, der kann zivilrechtlich klagen.

Von Geldprämie bis Händedruck

Bei "archäologischen" Schätzen sieht das Gesetz lediglich eine "Honorierung" vor - und die muss nicht zwangsläufig monetär sein, sie kann auch aus einer Ehrenurkunde und einem Händedruck des Kulturministers bestehen. Eine Geldprämie ist nur für besonders wertvolle Funde ausdrücklich vorgesehen - allerdings darf sie nicht höher als 30 durchschnittliche Monatsgehälter sein.

Was, wenn man den Fund verschweigt?

Die Ausgrabungen in Walbrzych werden medial verfolgt, geheim bleibt hier nichts. Zudem mussten die polnischen Behörden zur Ausgrabung ihre Einwilligung geben. Wer jedoch in Polen einen Fund verschweigt, muss mit aller Härte des Gesetzes rechnen: Es drohen Bußgeld, Freiheitsbeschränkung oder gar Haftstrafen von bis zu einem Jahr.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: MDR Aktuell | 12.08.2016 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. August 2016, 15:27 Uhr

Ein Angebot von

Zurück zur Startseite