Goldzug
Bildrechte: Sławomir Suchorowski

Geschäft mit einem Mythos Polen: Der Goldzug der Nazis zum Anfassen

Der Mythos um den Nazi-Goldzug hält die niederschlesische Region rund um Wałbrzych (Waldenburg) weiter auf Trab: Gefunden wurde der Zug bislang zwar noch nicht, das hält einige Bewohner aber nicht davon ab, sich Neues einfallen zu lassen, um Touristen anzuziehen: Ein Unternehmer baut nun 20 Kilometer von der letzten Grabungsstelle seinen eigenen "Goldzug".

Goldzug
Bildrechte: Sławomir Suchorowski

Zwölf Tonnen Stahl

In einem kleinen Dorf in Niederschlesien wird an einem 1:1-Modell des legendären Goldzuges gebaut. Der erste Waggon ist bereits fertig und mit seiner Länge von neun Metern beeindruckend. Zwölf Tonnen Stahl wurden dafür verbaut. "Der erste Waggon war der schwierigste Teil, da wir zunächst Schablonen und Werkzeuge bauen mussten", sagt sein Erfinder Sławomir Suchorowski. Zur Hilfe kommen dem Unternehmer Fotos aus dem Zweiten Weltkrieg: "Es gab diese Panzerzüge auch in Russland und Polen, wir aber nehmen uns für die Rekonstruktion ein damaliges deutsches Fabrikat zum Vorbild". Drei weitere Waggons und eine originalgetreue Lokomotive dieses Eisenbahnzugs, der gegen Beschuss gepanzert und bewaffnet war, sollen bis Ende des Jahres gebaut werden.

Goldzug
Sieht echt aus. Ist er auch. Aber nicht in den 1940er-Jahren gebaut, sondern gerade fertig gestellt. Ein Waggon des 1:1-Modells des legendären Goldzuges der Nazis. Bildrechte: Sławomir Suchorowski
Goldzug
Sieht echt aus. Ist er auch. Aber nicht in den 1940er-Jahren gebaut, sondern gerade fertig gestellt. Ein Waggon des 1:1-Modells des legendären Goldzuges der Nazis. Bildrechte: Sławomir Suchorowski
Karte vom süd-Westen Polens
Er steht in einer alten Fabrikhalle im Dorf Grzmiaca unweit von Walbrzych in Niederschlesien. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Goldzug
Konzipiert und gebaut hat den Koloss aus zwölf Tonnen Stahl der Erfinder und Unternehmer Slawomir Suchorowski. Bis Ende des Jahres will er drei weitere Waggons und eine Lokomotive bauen. Bildrechte: Sławomir Suchorowski
Goldzug
Suchorowski will in der Fabrik ein Museum einrichten. Es soll viele, viele Menschen anziehen, damit die Region vom Touristenboom profitiert, den der Goldzug-Mythos in Walbrzych losgetreten hat.Gezeigt werden sollen militärische Ausrüstungen der Nazis ... Bildrechte: Sławomir Suchorowski
Goldzug
... Gewehre, Granaten, Munition und natürlich Goldbarren. Bildrechte: Sławomir Suchorowski
Goldzug
Im Mittelpunkt der Schau wird aber natürlich der Goldzug stehen. Bildrechte: Sławomir Suchorowski
Goldzug
Präsentiert werden soll er in einem Tunnel. Erfinder und Unternehmer Suchorowski sucht derweil nach Investoren für seine Museums-Idee. Er und der Bürgermeister sind vom Erfolg des Projektes überzeugt. "Es werden goldene Zeiten in Sachen Tourismus auf uns zukommen", ist sich Bürgermeister Roman Glod sicher. Bildrechte: Sławomir Suchorowski
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Ein Museum in der Holzspulenfabrik

Karte vom süd-Westen Polens
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Für den Bau des Panzerzuges dient eine alte, leerstehende Holzspulenfabrik in dem kleinen Dorf Grzmiąca (Donnerau). Die Halle wurde während des Zweiten Weltkriegs für die Waffenindustrie genutzt. Heute eignet sie sich perfekt, um den legendären Panzerzug nachzubauen und später auszustellen, so der Unternehmer Suchorowski. In der alten Fabrik plant er ein Museum und das Herzstück der Ausstellung soll natürlich der Panzerzug werden. "Der Zug wird in einem Tunnel präsentiert – beladen mit Goldbarren". Deutsche Uniformen, Gewehre und Großexponate wie Flugzeuge möchte der Unternehmer ausstellen. Auch ein Restaurant für Touristen soll entstehen.

"Goldene Zeiten in Sachen Tourismus ..."

Das alles kostet Geld und bislang finanziert Suchorowski sein Panzerzug-Projekt privat. Nun hofft er mit steigendem Medieninteresse darauf, einen Investor für seine Museumsidee zu finden. Schließlich sei es wirtschaftlich sinnvoll. Die ganze Region, nicht nur die 20 Kilometer entfernte Stadt Wałbrzych, wo nach dem Zug gegraben wird, könne vom Goldzug-Mythos profitieren. Und auch der Bürgermeister der kleinen Stadt, Roman Głód, unterstützt das Projekt: "Es werden goldene Zeiten in Sachen Tourismus auf uns zukommen." Der Unternehmer zweifelt nicht am Erfolg des Museums: "Wenn jemand extra aus Japan oder Israel kommt, dann will er ja nicht nur vom Goldzug hören, sondern ihn auch sehen!"

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: MDR Aktuell | 12.08.2016 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. September 2016, 15:08 Uhr