Kohle ade
Die polnischen Köhler Marian und Zbyszek (von links) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Polen Handgemachte Kohle für deutsche Grills

Deutsche Grillkohle wird oftmals von polnischen Köhlern handgemacht. Ihr Leben ist von Rauch, Ruß und Dreck bestimmt und ihre Handwerkstechnik, die zum Unesco-Kulturerbe zählt, ist bedroht.

Kohle ade
Die polnischen Köhler Marian und Zbyszek (von links) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Rauch steigt auf in den Bergen der Karpaten. Es ist kein Waldbrand, sondern sind die Öfen von Zbyszek und Marian. Die beiden polnischen Köhler lassen die Flammen nicht aus den Augen. Denn hier geht es um ihre Existenz. Brennt der Ofen noch? Wie ist die Farbe des Rauches? Nur ein kleiner Fehler – und die Arbeit eines ganzen Tages war umsonst. "Wenn du nicht aufpasst und dich nicht um deinen Ofen kümmerst, dann verbrennt alles komplett zu Asche", sagt der 60-jährige Zbyszek.

Holzkohle auf einer Hand
Früher nannten sie Holzkohle „das schwarze Gold der Karpaten“. Heute lässt sich damit kaum noch Geld verdienen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Marian und Zbyszek kennen sich seit 40 Jahren. Und Marian hatte Zbyszek einst das komplizierte Handwerk des Köhlers beigebracht. Heute betreut jeder von ihnen vier Öfen, die ihr Chef ihnen zur Verfügung stellt. Er bezahlt auch das Holz.

Die Köhler dürfen hier wohnen und werden für die Kohle bezahlt, die sie herstellen. Ihr Zuhause ist eine einfache Baracke ohne Strom und fließendes Wasser.

160 Euro Verdienst im Monat

Sie stellen Holzkohle von Hand her – nach jahrhundertealter Tradition. Tag und Nacht wachen sie über die Schornsteine. Wenn etwas passiert, ist das ihr eigenes Risiko. 60 Säcke kann Marian mit der ersten Ofenladung befüllen. Pro Sack bekommt er umgerechnet rund 40 Cent. Je schwerer die Kohle, desto mehr ist sie wert. In manchen Monaten verdient er nur 160 Euro.

Zwei Tage braucht das Holz bei gleichmäßigem Feuer, um zu Kohle zu werden. Mithilfe der verschiedenen Deckel, Schornsteine und Lüftungslöcher lässt der Köhler nur so viel Sauerstoff in den Ofen, dass das Feuer nur schwelt und nicht richtig brennt. Ob das klappt, hängt auch von der Qualität des Holzes, dem Wetter und dem Wind ab.

Holzstapel links im Bild, rechts Kohleöfen
Jeder der Köhler hat vier Öfen in denen er Buchenholz in Grillkohle verwandelt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Grillkohle für deutsche Kunden

Früher lieferten sie Kohle an Stahlwerke und Glashütten, heute machen sie Grillkohle für Abnehmer in Deutschland. Denn die Konkurrenz aus Afrika und der Ukraine, die Umweltauflagen der EU und der hohe Holzpreis machen das Geschäft unrentabel. Vor 15 Jahren gab es hier noch mehr als hundert Orte, an denen Köhler arbeiteten. Heute stirbt der Beruf in Polen aus. Wie lange sie noch im Wald bleiben, ist ungewiss. Klar ist nur, dass sie zu den letzten Köhlern Europas gehören.

(adg)

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im TV: Heute im Osten - Reportage: Polens Hang zur Kohle | 01.12.2018 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2019, 06:33 Uhr

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