Ein großes , mehrgeschossiges Wohnhaus im stalinistischen Baustil. Davor ein Denkmal für die Gefallenen des "Großen Vaterländischen Krieges".
Die Hauptstadt Chisinau: ein Hotel und ein Denkmal für die Gefallenen des "Großen Vaterländischen Krieges". Bildrechte: MDR/Mila Corlateanu

Moldau - das unbeliebteste Urlaubsland Europas

Die Republik Moldau gilt seit Jahren als das unbeliebteste Reiseziel Europas. Kaum jemand will in dem kleinen armen Land ohne Meereszugang Urlaub machen. Dabei gibt es in Moldau neben dem rauen Charme Osteuropas tatsächlich einzigartige Sehenswürdigkeiten.

Ein großes , mehrgeschossiges Wohnhaus im stalinistischen Baustil. Davor ein Denkmal für die Gefallenen des "Großen Vaterländischen Krieges".
Die Hauptstadt Chisinau: ein Hotel und ein Denkmal für die Gefallenen des "Großen Vaterländischen Krieges". Bildrechte: MDR/Mila Corlateanu

Für Reisende, die keine Touristenscharen mögen und am liebsten für sich allein unterwegs sind, gibt es ein traumhaftes Land: die Republik Moldau. Die ehemalige Sowjetrepublik, eingerahmt von Rumänien und der Ukraine, gilt seit Jahren als das unbeliebteste Urlaubsland Europas. Lediglich 17.500 Touristen kamen zum Beispiel 2017 das kleine Land ohne Zugang zum Meer. Zum Vergleich: Tschechien besuchten im selben Jahr 10 Millionen, Kroatien 17 Millionen und Rumänien 11 Millionen Menschen.

Keine Ferienanlagen und keine Autobahnen

Mann fährt mit einem Pferdegespann auf einer Straße in einem Dorf.
Pferdegespann in einem Dorf in Moldau Bildrechte: MDR/Markus Zergiebel

Eine touristische Infrastruktur ist in der Republik Moldau im Grunde nicht vorhanden. Es gibt weder Bettenburgen, noch Erlebnisparks oder Ferienanlagen. Insofern wäre das Land mit einer größeren Menge an Touristen auch sehr schnell überfordert. Die Straßen des Landes gleichen eher holprigen Pisten, an Autobahnen ist gar nicht zu denken. Eine elektrifizierte Bahnstrecke existiert nicht, es verkehren stattdessen ältere Diesellokomotiven. Hauptverkehrsmittel sind mehr oder weniger in die Jahre gekommene Busse. In den Dörfern sieht man aber auch noch viele Pferdewagen.

Das Land wird immer leerer

Von Sommerurlaub und Auslandsreisen können die allermeisten der rund 3,5 Millionen Moldauer selbst nur träumen. Ihr Land gilt als eines der ärmsten Europas und als eines der wirtschaftlich schwächsten. Aus diesem Grund haben in den letzten Jahren mehr als 800.000 Moldauer ihr Heimatland verlassen. Sie jobben jetzt in Russland, in Rumänien oder im wohlhabenden Westen Europas, um ihren zurückgebliebenen Familien das Überleben zu ermöglichen. Das Geld, dass die Auswanderer in die Heimat schicken, soll sogar das Bruttoinlandsprodukt des Landes übertreffen. Moldau wird immer leerer. Und dies nicht allein wegen der Auswanderer, sondern auch wegen der sinkenden Geburtenrate. Sollte die Auswanderung so weitergehen wie in den vergangenen Jahren, werden laut Angaben der Vereinten Nationen im Jahr 2050 nur noch zwei Millionen Menschen in Moldau leben.

Lavendel-Ernte in der Republik Moldau
Lavendel-Ernte in der Republik Moldau Bildrechte: IMAGO

Einzigartige Sehenswürdigkeiten in Moldau

Moldau ist zwar ein leeres, aber doch ein schönes leeres Land, das auf jeden Fall einen Besuch wert ist. Dies nicht allein wegen des rauen osteuropäischen Charmes der Städte und Dörfer, der ursprünglichen weiten Landschaften und der tiefen Wälder, sondern auch wegen der Menschen in Moldau, die sich selbst als gastfreundlich und aufgeschlossen bezeichnen. Und natürlich gibt es auch einzigartige Sehenswürdigkeiten in dem kleinen Land am Rande Europas: jahrhundertealte Klöster und Dörfer sowie den größten Weinkeller der Welt.

Über dieses Thema berichtete der MDR im TV auch in "Das Land der alleingelassenen Alten" | 04.08.2018 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Juni 2019, 05:00 Uhr