Mit einem alten Kahn befährt eine Künstlergruppe die Weichsel.
Mit einem traditionellen Kahn befährt die Künstlergruppe der "Fluss-Schwestern" die Weichsel. Bildrechte: MDR/Tomek Wiech

Holzkahn statt Containerschiffe Umweltschutz in Polen: 1.000 Kilometer Flussfahrt für die Weichsel

Nach fast drei Wochen und 1.000 Kilometern Flussfahrt hat eine Gruppe um die Aktionskünstlerin Cecylia Malik am Abend in Danzig angelegt. Mit ihrer Aktion wollten die Aktivisten auf die Bedrohung des Ökosystems der Weichsel aufmerksam machen. Polens Regierung plant, die Weichsel für den Schiffsverkehr zu begradigen. Dagegen formt sich Widerstand. Eine Gruppe ist mit einem Holzkahn von Krakau bis Danzig gefahren.

Mit einem alten Kahn befährt eine Künstlergruppe die Weichsel.
Mit einem traditionellen Kahn befährt die Künstlergruppe der "Fluss-Schwestern" die Weichsel. Bildrechte: MDR/Tomek Wiech

Containerschiffe sollen nach Plänen der polnischen Regierung vom Süden des Landes bis nach Danzig fahren können. Für die Wasserstraße mit dem Projektnamen E40 soll die Weichsel begradigt werden. Dieser Eingriff in die Natur empört Umweltschützer. Sie sorgen sich um das Ökosystem der Weichsel. Eine Gruppe um die Aktionskünstlerin Cecylia Malik hatte sich am 4. Juli in Krakau mit einem alten Holzkahn auf den Weg gemacht, um auf die Bedrohung für die Umwelt aufmerksam zu machen. Am Abend des 24. Juli haben sie ihr Ziel Danzig erreicht.

Die Weichsel verbindet sehr komplexe Ökosysteme: Dieser Fluss ist die Hauptader des Ökosystems in Polen. Die Weichsel ist so etwas wie eine Vogelautobahn. Während wir hier so ruhig fahren, treffen wir auf Reiher und Schwäne. Es gibt auch viele Adler, viele bedrohte Vogelarten findet man hier – und natürlich Fische. In der Weichsel leben 58 Arten, davon ist die Hälfte bedroht.

Cecylia Malik, Aktionskünstlerin

Ein ganz besonderer Kahn

Cecilia Malik führt die ''Fluss-Schwestern'' an.
Cecilia Malik ist das Gesicht der ''Fluss-Schwestern''. Bildrechte: Tomek Wiech/MDR

Die Aktivistengruppe "Siostry Rzeki", zu deutsch "Fluss-Schwestern", sind ein Kollektiv aus Frauen, die sich für Flüsse in Polen einsetzen. Sie verbindet Kunst und Umwelt-Aktivismus. Für die 1.000 Kilometer von Krakau bis Danzig hatten sie ein besonderes Gefährt gewählt, wie Malik erklärt: "Wir fahren mit einem alten Frachtkahn, mit dem man in Polen traditionell auf der Weichsel unterwegs war. Dank ihm konnten große Städte in Polen entstehen, mit dem Kahn wurden Waren wie Salz geliefert."

Fast drei Wochen lang waren die Aktionskünstlerinnen unterwegs. Weil nicht mehr als zwölf Menschen auf den Kahn passen, war nur Cecylia Malik ständig an Bord, die anderen wechselten sich ab. Die Frauen aßen und schliefen auf dem Kahn – ein Stofftuch war der einzige Schutz bei schlechtem Wetter. Die Zwischenstopps in Städten entlang der Weichsel nutzte die Gruppe für Kunstaktionen und um mit Menschen in Kontakt zu kommen, erzählt Malik. "Mit Leuten, die wir auf der Fahrt treffen, ob in einem kleinen Dorf oder in einer Stadt, wollen wir unser Wissen über die Weichsel teilen. Wir laden sie auf unseren Kahn ein und haben eine schöne Zeit. Und in Großstädten planen wir größere Aktionen."

Bildergalerie Mit einem Holzkahn gegen das Flusssterben

Mit einem Kran wird der Kahn umgesetzt.
Der traditionelle polnische Holzkahn der Künstlergruppe "Siostry Rzeki", zu deutsch "Fluss-Schwestern", wird umgehoben. Bis zu zwölf Menschen finden darauf Platz, die auf den verschiedenen Abschnitten der 1.000 Kilometer langen Fahrt rotieren. Bildrechte: Tomek Wiech/MDR
Mit einem Kran wird der Kahn umgesetzt.
Der traditionelle polnische Holzkahn der Künstlergruppe "Siostry Rzeki", zu deutsch "Fluss-Schwestern", wird umgehoben. Bis zu zwölf Menschen finden darauf Platz, die auf den verschiedenen Abschnitten der 1.000 Kilometer langen Fahrt rotieren. Bildrechte: Tomek Wiech/MDR
Künstlerinnen sitzen auf einem Kahn zum Essen beieinander.
Die "Fluss-Schwestern" essen und schlafen auf dem Kahn. Ein Stoffdach ist ihr einziger Schutz bei schlechtem Wetter. Steuermann Marcin (hinten) ist der einzige Mann an Bord. Bildrechte: MDR/Tomek Wiech
Auf einem kleinen Strandabschnitt gegenüber einem Kraftwerk haben Künstlerinnen Transparente ausgerollt.
Entlang des Weichsel-Ufers werden Kunstaktionen veranstaltet. Immer mit dabei: Cecylia Malik. Die Aktionskünstlerin ist das Gesicht der Gruppe. Bildrechte: MDR/Tomek Wiech
Die ''Fluss-Schwestern'' haben Menschen zum Protest mobilisiert und mit Schildern ausgestattet.
Durch solche Aktionen werden Menschen mobilisiert und für das fragile Ökosystem der Weichsel sensibilisiert. Bildrechte: Tomek Wiech/MDR
Mit einem alten Kahn befährt eine Künstlergruppe die Weichsel.
Am 24. Juli 2019 will die Künstlergruppe in Danzig ankommen. Ihre Fahrt startete am 4. Juli in Krakau. Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 19.07.2019 | 17:45 Uhr Bildrechte: MDR/Tomek Wiech
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Polen kämpft mit Wassermangel

Nicht nur das Ökosystem der Weichsel scheint bedroht. Polen leidet unter Wasserarmut, die sich in Zeiten des Klimawandels besonders stark auswirkt. Diesen Sommer gab es sogar eine Stadt, der das Wasser komplett ausging. Die Einwohner mussten mehrere Tage mit Tankwagen versorgt werden.

Die Flüsse sind alle untereinander verbunden. Wenn man einen dieser Flüsse zerstört, zerstört man auch die Weichsel. Wenige wissen es: Die Weichsel ist 1.047 Kilometer lang, aber die Weichsel und ihre Zuflüsse 65.000 Kilometer. Das ist ein Organismus. Das ist eine Familie.

Cecylia Malik, Aktionskünstlerin

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 19. Juli 2019 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Juli 2019, 19:00 Uhr

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