Tschechien Wie Prag sein Wohnungsproblem mit dem 3D-Drucker lösen will

Bára Procházková, tschechische Journalistin und Moderatorin
Bildrechte: Bára Procházková

In Prag sind Wohnungen knapp und teuer. Ein Problem, das sich weiter verschärft. Häuser aus dem 3D-Drucker sollen zukünftig die Wohnungsnot in Prag lindern helfen, hofft die Tschechische Bausparkasse "Buřinka".

Urtierchen Prag
Das Haus aus dem Drucker Bildrechte: Bausparkasse Prag/MDPM

Bei einer Wohnungsbesichtigung für den Kauf einer Einzimmerwohnung im Stadtteil Stodůlky am Rand der tschechischen Hauptstadt stehen 21 Leute geduldig in der Schlange und wollen 160.000 Euro für eine kleine, zehn Jahre alte Wohnung berappen. Am Ende wird um die 40 Quadratmeter sogar noch gefeilscht, weil das Interesse an kleineren Wohnungen das Angebot wesentlich übersteigt.

Mieten ist in Prag nicht angesagt, die Mieten sind so hoch, dass es sich eher lohnt, eine Wohnung zu kaufen. Wer wohnen will, kauft, wer Geld investieren will, kauft auch. Und die Immobilienpreise sind dementsprechend in die Höhe geschossen. Vor zehn Jahren hätte man für eine Wohnung wie in Stodůlky etwa ein Drittel des heutigen Preises bezahlt. Wie soll nun die steigende Nachfrage nach Wohnungen befriedigt werden? Durch Häuser aus dem 3D-Drucker, meint die Tschechische Bausparkasse (Buřinka).

Wohnen wird billiger werden mit der neuen Technologie

"Unsere Bausparkasse glaubt, dass der 3D-Druck mit Beton ein alternativer Weg für das Bauwesen sein kann, um qualitativ hochwertiges Wohnen zu ermöglichen. Wichtig ist auch, dass alles nach den individuellen Bedürfnissen unserer Kunden gestaltet werden kann", sagt die Sprecherin der Bausparkasse, Monika Kopřivová. Sie geht davon aus, dass die 3D-Druck-Technologie einer breiten Öffentlichkeit solides Wohnen ermöglichen wird. "Wir sind davon überzeugt, dass das Wohnen in Prag damit in Zukunft insgesamt günstiger werden wird", meint Monika Kopřivová.

Urtierchen Prag
Das "Urtierchen" auf der Moldau in Prag Bildrechte: Bausparkasse Prag/STANISLAV KRUPAR

Erstes Prager Haus aus dem Drucker

Damit es nicht nur beim Wunschgedanken bleibt, hat die Bausparkasse in diesem Jahr die Herstellung des ersten tschechischen Hauses aus dem 3D-Drucker finanziert. Das Projekt heißt "Prvok" (Urtierchen). Der reine 3D-Druck des 43 Quadratmeter großen Hauses dauerte lediglich 22 Stunden, die komplette Fertigstellung insgesamt zwei Monate. Das Ökohaus, das aus einem Badezimmer, einem Schlafzimmer und einem Wohnzimmer besteht, ist mit ökologischen Technologien wie der Energierückgewinnung, einer Umwälzdusche, einem Gründach sowie Reservoirs für Trink-, Nutz- und Abwasser ausgestattet. Der Künstler Michal Trpák, der das Haus entworfen hat, wollte auch die Innenräume mit Original-Designstücken ausstatten: mit Glas aus Böhmen, Waschbecken und Regale aus 6.000 Jahre altem Holz und Parkettboden aus Eichenholz. "Damit man ein Gegengewicht zum kalten Beton hat", erklärt Trpák, den bei der Entstehung des Hauses die Natur und organische Formen inspiriert haben.

Erschwingliche Wohnungen für die Kunden der Bausparkasse

Nun handelt es sich bei dem Haus aber keineswegs um ein Kunstprojekt, sondern um ein langfristiges Geschäft. Die Bausparkasse hat sich nämlich zum Ziel gesetzt, das Bauwesen zu revolutionieren. Das Urtierchen-Projekt sollte Wissenschaftler, Architekten und Bauindustrie schon einmal zusammenbringen. "Wir möchten, dass unsere Kunden schnell ein erschwingliches eigenes Zuhause erwerben können", sagt Monika Kopřivová. In einer Serienproduktion würde das Haus 130.000 bis 150.000 Euro kosten, also gut 40.000 Euro weniger als eine herkömmliche Wohnung gleicher Größe.

Urtierchen Prag
Das "Urtierchen": luxuriöses Interieur Bildrechte: Bausparkasse Prag/MDPM

Teure Grundstücke in Prag

Nicht alle sehen jedoch das gedruckte Haus als Allheilmittel gegen die Wohnungsnot. "Das Problem sind die teuren Grundstücke in Prag. Wer schon das Geld für ein teures Grundstück hat, wird in der Regel nicht am Haus selbst sparen müssen", sagt Jiří Kalous, Immobilienmakler der Gesellschaft "Czech Republic Sotheby´s International Realty". Ein so kleines Haus könne man wahrscheinlich für diesen Preis auch aus anderen Materialien bauen. "Die Lösung für die Wohnungsnot in Prag wäre freilich eher, dass man Brownfields revitalisiert und dass die strengen Bauauflagen gelockert würden", meint Jiří Kalous.

Die Karlsbrücke in Prag
Die Karlsbrücke in Prag Bildrechte: imago images/Loop Images

Kaum Interessenten für das neue Haus

"Es gibt sicher Menschen, die ein Haus aus dem 3D-Drucker bevorzugen würden", sagt Jiří Kalous. Aber im Augenblick hält sich das Interesse der Tschechen noch in Grenzen. Es gibt im Augenblick kaum Interessenten für das Haus aus dem Drucker. Und so wird das "Urtierchen" zunächst einmal als Ferienhaus vermietet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 05. Juli 2019 | 17:45 Uhr

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