Moskau: Verteidigungsministerium baut Reichstag nach

Russland lässt in einem Militär-Erlebnispark den Bundestag nachbauen. Wozu? Damit er bei Kriegsspielen von jungen Russen gestürmt werden kann. Geschmacklos findet das CDU-Bundestagsabgeordneter Wellmann.

Das Vorhaben des russischen Verteidigungsministeriums, im Erlebnispark "Patriot" eine Kopie des Berliner Reichstages als Angriffsziel nachbauen zu lassen, sorgt für Unmut im Bundestag.

"Wir erwarten kein Kriegsheul"

CDU-Bundestagsabgeordneter Karl-Georg Wellmann sagte auf MDR-Anfrage, er halte "die Idee für geschmacklos". Er erwarte von Russland "eine verantwortungsbewusste Politik der Entspannung und kein Kriegsgeheul". Der CDU-Mann, der zugleich Mitglied der Deutsch-Russischen Parlamentariergruppe im Bundestag ist, hofft nun, das die Bundesregierung "über geeignete Kanäle der russischen Regierung ihr Missfallen" ausdrücke. Juristisch gegen den Nachbau vorgehen, sollte der Bundestag seiner Meinung nach nicht.

Kriegsspiele passen nicht in die Zeit, schon gar nicht mit Kindern. Wir erwarten auch von Russland eine verantwortungsbewusste Politik der Entspannung, kein Kriegsgeheul.

CDU-Bundestagsabgeordneter Karl-Georg Wellmann

Tausende Hektar für Rüstungsbranche

russ. Verteidigungsminister Sergei Kuschugetowitsch Schoigu posiert mit Darstellern in historischen Sowjetuniformen aus dem Zweiten Weltkrieg. In einem Teil des Parks wird der Große Vaterländische Krieg nachgestellt, neben regulären Sowjettruppen gibt es auch ein nachgebautes Partisanendorf zu sehen.
Verteidigungsminister Schoigu (hintere Reihe, 4.v.l.) posiert mit Darstellern in Sowjetuniformen aus dem Zweiten Weltkrieg im Patriot-Park. Bildrechte: IMAGO

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu hatte am Mittwoch in einer Aktuellen Stunde die Duma über die Bauarbeiten im Erlebnispark nahe Moskau unterrichtet. Dabei sagte er, er wolle keinen kompletten Nachbau des Reichstages. Dennoch solle der Bau immerhin so sein, "dass unsere Jungarmisten nicht einfach irgendetwas angreifen, sondern einen konkreten Ort".

Schoigu will nach eigenen Angaben auch andere Schauplätze des Zweiten Weltkriegs im Vergnügungspark nachbauen lassen, damit die Besucher "sich selbst am Überlebenskampf versuchen". Welche Plätze das genau sein sollen, nannte der Minister nicht.

Partisanendorf mit Laiendarstellern

Der russische Verteidigungsminister versucht seit seinem Amtsantritt 2012, die Popularität der Armee zu steigern. 2015 ließ er auf einem über 4.000 Hektar großen Gelände den "Patriot"-Erlebnispark eröffnen, in dem sich Russlands Armee und die russische Rüstungsbranche präsentieren - mit einer Militärausstellung und regelmaßig stattfindenden Waffenmessen.

Besucher schaut sich Waffen an, Militärpark Patriot
Park-Besucher schauen sich Waffen an Bildrechte: IMAGO

Zudem sind im Vergnügungspark 3D-Simulatoren zu finden, wo man mit einer Kalaschnikow schießen oder einen Kampfhubschrauber steuern kann. Auch gibt es den Nachbau eines Partisanendorfes aus dem Zweiten Weltkrieg, das tagsüber von Laiendarstellern bewohnt ist, die in Partisanen- oder Soldatenuniformen aus dieser Zeit auftreten. Der Park könnte 20.000 Besucher täglich aufnehmen.

Erinnerung an 1945

Im Mai 1945 eroberte die Rote Armee den Berliner Reichstag. Sowjetische Soldaten hinterließen Namen und Botschaften in den Mauern - Spuren, die zum Teil noch erhalten sind. Heute ist das Gebäude der Sitz des Deutschen Bundestages.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: TV | 16.11.2016 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Februar 2017, 14:38 Uhr