Eines der über vierzig erlegten Wildschweine liegt nach einer Treibjagd als Strecke
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Schweinepest: Neue Fälle in Polen

In Polen breitet sich die Afrikanische Schweinepest immer weiter Richtung Deutschland aus. Im April wurden allein 42 neue Fälle gemeldet. Mit weiteren Sperrungen von Wildbrücken wollen die Behörden die Seuche nun eindämmen.

Eines der über vierzig erlegten Wildschweine liegt nach einer Treibjagd als Strecke
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Die Wojewodschaft Kujawien-Pommern im nördlichen Polen hat bereits im Februar die ersten Tierbrücken entlang der polnischen Autobahn A1 geperrt, die von Norden nach Süden durch das Land führt. Geplant sind weitere Sperrungen entlang der Autobahn A2, die von Warschau nach Łódź führt. Diese würde dadurch zu einer Barriere, die Wildschweine nicht mehr so einfach passieren könnten. So will man verhindern, dass der Erreger weiter nach Westen vordringt.

Außerdem sollen die Kontrollen lokaler Tierbetriebe massiv ausgebaut werden. Damit soll die weitere Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Polen und in das Grenzgebiet zu Deutschland unterbrochen werden.

Schweinepest in Polen auf dem Vormarsch

Bis vor kurzem grassierte die ASP nur in Ostpolen, wo sie im Jahr 2014 erstmals aufgetreten war. Ende 2017 wurden jedoch auch verendete Tiere in der Umgebung von Warschau gemeldet, über 200 Kilometer weiter westlich.

Seither sind in Polen knapp 2000 Wildschweine und 108 Hausschweine verendet. In der ersten Aprilwoche wurden bereits 42 neue ASP Fälle registriert, hauptsächlich in der Woiwodschaft Masowien rund um Warschau. Die afrikanische Schweinepest breitet sich derzeit in Osteuropa aus, Deutschland blieb bislang verschont. In diesem Jahr sind im Baltikum, in Tschechien, Polen, der Ukraine und Rumänien bereits 2167 ASP-Fälle gemeldet worden, davon 28 bei Hausschweinen (Stand 10. April 2018).

Die meisten aktuellen Befunde wurden nach Behördenangaben in den Wojewodschaften Lublin und Masowien in der Mitte und im Südosten Polens bestätigt. Viele Gebiete rund um Warschau, wie der Naturpark Obory südlich der Hauptstadt, gelten als Risikogebiet.

Dort kämpft Veterinärinspektorin Małgorzata Bruczyńska nun gemeinsam mit dem polnischen Militär gegen die Ausbreitung der Seuche. Bruczyńska und ihr Assistent suchen in den polnischen Risikozonen nach Kadavern, untersuchen und beseitigen diese, um so den Vormarsch der Seuche zu stoppen.

Militär gegen menschgemachtes Problem

Schweinepest
Veterinärin M.Bruczyńska sucht mir ihrem Assistenen nach infizierten Kadavern. Bildrechte: Heute im Osten, MDR

Auch andernorts wird das Militär gegen die Schweinepest eingesetzt. So suchten bei einer Großaktion im Januar hunderte polnischer Soldaten in der nordostpolnischen Wojewodschaft Podlachien fünf Tage lang nach toten Wildschweinen, um diese zu beseitigen.

Von dort war die Seuche nach Zentralpolen gekommen. Nach Ansicht von Tierärztin Bruczyńska hat das nicht nur mit der Schwarzwildwanderung zu tun:

Wir Menschen sind im Augenblick dafür verantwortlich, dass zumindest bei größeren Distanzen die Afrikanische Schweinepest sich verbreitet. Das Virus muss über die Autoreifen oder durch Lebensmittel nach Polen eingeschleppt worden sein. Denn im Fleisch bleibt das Virus sehr lange erhalten.

Autobahnen im Fokus

Schweinepest
Mit solchen Warnhinweisen soll das Virus in das Bewusstsein der Fernfahrer zwischen Deutschland und Polen gebracht werden. Bildrechte: Heute im Osten, MDR

Daher rücken nun insbesondere die vielbefahrenen Autobahnen Richtung Deutschland in den Fokus der Behörden. Über die A2 zwischen Warschau und Berlin oder die A4 von Breslau nach Dresden könnte das Virus sich über den Verkehr weiter ausbreiten. Die Autobahnen sind die wichtigsten Handelsverbindungen zwischen den beiden Nachbarländern Polen und Deutschland.

Auch auf der deutschen Seite ist man sich der Gefahr bewusst. Für Fernfahrer hat das Bundeslandwirtschaftsministerium an grenznahen Raststätten nun mehrsprachige Hinweisplakate angebracht. Diese rufen zum Beispiel dazu auf, Essensreste unbedingt in geschlossene Mülleimer zu entsorgen. In Nahrungsabfällen überlebt der Erreger besonders lange.

Horrorszenario für Deutschland

Deutsche Bauern sind ebenso in Alarmbereitschaft, etwa Bernd Schulz. Auf seinem brandenburgischen Ökohof haben die Schweine bislang freien Auslauf auf 35 Hektar. Seine mehr als 400 Tiere versorgt Landwirt Schulz mit Biogetreide und Wasser. Kolkraben, die sich von Aas ernähren, könnten die Freiland-Schweine infizieren - oder Wildschweine, die zu nah an die Zäune kommen. Um das zu verhindern will Bauer Schulz einen zweiten Sicherheitszaun errichten, damit seine Tiere keinen direkten Kontakt mit dem Schwarzwild haben.

Damit sich das Virus nicht verbreiten kann, fordert der Deutsche Bauernverband, dass 70 Prozent aller Wildschweine in deutschen Wäldern getötet werden. Die Wildschweine sollen geschossen werden, um die 27 Millionen Nutz-Schweine in Deutschland vor der Seuche zu schützen. Erste Bundesländer haben Maßnahmen ergriffen. So wurde in Mecklenburg-Vorpommern eine Treibjagd gegen die Schweinepest veranstaltet. Jäger haben insgesamt 16 Wildschweine erlegt.

Polnische Bauern fürchten um ihre Existenz

Auch in Polen fürchten viele Bauern um ihre Existenz, etwa Adam Zboina. Er wohnt in der Risikozone südlich von Warschau. Von seinem Bauernhof bis zum Wald, in dem verendete Wildschweine gefunden wurden, sind es nur 30 Kilometer. Sollte das Virus in seinen Stall gelangen, müssten alle Schweine gekeult und verbrannt werden.

Schweinepest
Die ASP bedroht die Existenz des polnischen Bauern Adam Zboina. Bildrechte: Heute im Osten, MDR

Denn selbst, wenn nur ein Schwein mit Afrikanischer Schweinepest infiziert ist, müssen alle anderen vorsorglich getötet werden. Vom polnischen Staat gibt es in diesem Fall nur geringe Entschädigungssummen. Viele Bauern in der Region geben daher die Schweinehaltung jetzt schon auf und satteln auf Rinderzucht um.

Zwar ist das Virus der Afrikanischen Schweinepest nicht auf den Menschen übertragbar, trotzdem darf das Fleisch infizierter Tiere nicht verkauft werden. Dass das dennoch passiert, kann wegen fehlender flächendeckender Kontrollen nicht ausgeschlossen werden.  

Immerhin: Seit kurzem verteilt die polnische Regierung an Schweinehalter Flugblätter, in denen mögliche Schutzmaßnahmen beschrieben sind. Die Regierung plant außerdem einen 730 km lange Zaun an der Grenze zu Weißrussland und zur Ukraine, um die Verbreitung des Virus aufzuhalten. 31 Millionen Euro wurden dafür bereitgestellt.

Der polnische Umweltminister Henryk Kowalczyk sieht den Bau des Zauns aber kritisch. Am 19. April postete er auf Twitter, dass dieser Zaun vor 2 bis 2,5 Jahren noch Sinn gemacht hätte, als es noch kaum Infektionsfälle gab". Der Staatssekretär Jacek Bogucki vom Warschauer Landwirtschaftsministerium hält am Bau des Zauns fest, wie er der polnischen Nachrichtenagentur PAP mitteilte:

Ein Zaun ist erforderlich, das ist auch die Einschätzung von Experten, es soll bei der effektiven Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest helfen.

Jacek Bogucki

Verbreitung der Seuche durch Menschen

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Angela Dinter vom Kieler Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung zeigt, wie schnell sich das Virus über Rohwurst verbreiten kann. Bildrechte: Heute im Osten, MDR

Die Afrikanische Schweinepest ist für Menschen ungefährlich, jedoch unter Wild- und Hausschweinen hochansteckend und tödlich. Wildschweine verbreiten das ASP-Virus und sterben daran. Wird Fleisch oder Rohwurst infizierter Tiere von Schweinen aufgenommen, können diese Schweine sich hierüber anstecken.

Menschen erkranken generell nicht an dem Erreger. Die Wissenschaft ist der Meinung, dass aber der Mensch der Hauptrisikofaktor bei der Übertragung der Afrikanischen Schweinepest ist, so Angela Dinter vom Kieler Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung (PROVIEH).

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: TV | 23.02.2018 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. April 2018, 19:11 Uhr

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