Infektionen Tschechien: Keimfrei in der Straßenbahn

Auch wenn Berichte über das Coronavirus die Menschen rund um den Globus in Schrecken versetzen - die Wahrheit ist, dass momentan "gewöhnliche" Infektionskrankheiten wie Lungenentzündung oder Grippe in unseren Breitengraden deutlich mehr Opfer fordern. Die Verkehrsbetriebe der tschechischen Stadt Brünn wollen nun zu deren Eindämmung beitragen – und testen eine spezielle antibakterielle Beschichtung in ihren Straßenbahnen.

von Cezary Bazydło

Straßenbahnen in der tschechischen Stadt Brünn werden mit einem antibakteriellen Mittel behandelt.
Keimfrei in Brünn: Straßenbahnen der tschechischen Stadt werden mit einem antibakteriellen Mittel behandelt. Bildrechte: Dopravní podnik města Brna

Bakterienschleuder Straßenbahn

Bakterien lieben Wärme und Feuchtigkeit. Und sie freuen sich über reichlich organische Substanzen, die sie "verzehren" können. In Bussen und Bahnen ist all das reichlich vorhanden. An den Griffen und Stangen halten sich Hunderte Menschen fest, die gerade erst Pommes Frites oder Döner verspeist haben. Dazu Menschen, die sich ihre verschnupfte Nase geputzt oder nach dem Gang zur Toilette die Hände nicht gewaschen haben. Ein Paradies für Bakterien!

Die Verkehrsbetriebe Brünn testen nun ein Verfahren, das die Mikroben in die Schranken weisen soll. Flächen, die Fahrgäste besonders oft berühren, wurden vor wenigen Tagen mit einem neuartigen Mittel eingesprüht, das bis zu sechs Monate lang Keime und Pilze fernhalten soll. "Jeden Tag nutzen eine Million Menschen unsere Verkehrsmittel. Wir wollen, dass sie für unsere Fahrgäste ein sicherer Ort sind“, begründete der Leiter der Verkehrsbetriebe Brünn, Miloš Havránek, die Aktion.

Hand an Haltegriff in Straßenbahn.
Infektionsquelle: Haltegriffe in Bussen und Bahnen Bildrechte: Colourbox.de

Keimen den Nährboden entziehen mit Nanotechnologie

Dank hochmoderner Nanotechnologie reicht es offenbar, die Oberflächen einmal in der Saison einzusprühen. "Es handelt sich um ein Mittel, das mit der Oberfläche verschmilzt und darauf einen wasserabweisenden Schutzfilm bildet. Diese Schicht verhindert, dass Bakterien und Pilze haften bleiben und sich vermehren", erklärte die Pressesprecherin der Verkehrsbetriebe Brünn, Hana Tomaštíková. Das Mittel könne weder abgewaschen noch durch häufigen Kontakt mit den Händen der Fahrgäste abgerieben werden.

Zweimonatiger Testlauf

Die Brünner Verkehrsbetriebe wollen das neue Mittel zunächst zwei Monate lang in zwei Straßenbahnzügen testen. Danach soll die örtliche Gesundheitsbehörde Abstriche nehmen, um die Wirksamkeit des Mittels zu überprüfen. Wenn es sich bewährt, würden die Verkehrsbetriebe darüber nachdenken, es auch in anderen Straßenbahnzügen einzusetzen, so Brünns oberster Straßenbahner Havránek.

Ganz sicher scheint das allerdings nicht zu sein. Ein ähnliches Mittel, allerdings mit einem anderen Wirkprinzip, wurde bereits vor einiger Zeit in Brünn getestet. "Es zeigte durchaus Wirkung, allerdings war die leider nicht von langer Dauer", sagte Havránek. Um die Fahrgäste vor Krankheiten zu schützen, setzen die Verkehrsbetriebe während der alljährlichen Grippewelle bereits regelmäßig stärker konzentrierte Desinfektionsmittel bei der Reinigung der Fahrzeuge ein.

Gefährliche Superinfektionen

Das neue Mittel, das man in Brünn derzeit testet, richtet sich vor allem gegen Bakterien. Die meisten Infektionen im Winter werden aber durch Viren ausgelöst. Sinn macht die Aktion trotzdem. Denn ist der Körper erst einmal durch eine Virusinfektion geschwächt, haben Bakterien ein leichtes Spiel. Es kommt zu einer sogenannten "Superinfektion", wobei das Wort "super" hier seine ursprüngliche lateinische Bedeutung hat: zusätzlich, obendrauf. Der durch Viren geschwächte Körper kann sich nicht mehr gegen bakteriell bedingte Krankheiten wie Bronchitis, Mittelohr-, Lungen- oder Nebenhöhlenentzündung wehren, in seltenen Fällen kann es auch zu einer Herzmuskel- oder Hirnhautentzündung kommen.

Was hilft noch gegen Krankheitserreger?

Wer nicht das Glück hat, in Brünn zu leben, kann die Sache selbst in die Hand nehmen und für seine Gesundheit etwas tun. Häufiges Händewaschen ist Experten zufolge besonders wichtig. Beim Festhalten in Bussen und Bahnen solle man zudem Metallstangen bevorzugen. Die mögen zwar kälter als Plastikflächen sein, geben aber Ionen ab, die Viren abtöten. Und: Zeitunglesen soll ebenfalls helfen – weil eine Zeitung vor dem Gesicht Erreger abfängt, die andere Fahrgäste beim Niesen auf Reisen geschickt haben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Januar 2020 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2020, 14:56 Uhr