Stauffenberg-Attentat vor 75 Jahren Polen baut Führerbaracke in der "Wolfsschanze" nach

Am 20. Juli 1944 explodierte im Führerhauptquartier "Wolfsschanze" in Ostpreußen eine Bombe. Sie sollte Adolf Hitler töten und damit die Naziherrschaft in Deutschland beenden. Heute liegen die Ruinen der "Wolfsschanze" in Polen. Die staatliche Forstverwaltung will die Attentatsbaracke von 1944 nun nachbauen lassen.

Adolf Hitlers Kriegsquartier Wolfsschanze im Wald Görlitz der Stadt Ketrzyn in Polen
Die rekonstruierte Baracke soll innerhalb einem der größeren Bunker der "Wolfsschanze" entstehen. Bildrechte: imago/epd

Das Innere der Lagebesprechungsbaracke soll nach historischen Fotos rekonstruiert werden. Das Herzstück soll nach den Plänen der Forstverwaltung ein großer Eichentisch bilden – ähnlich dem historischen Original, an dem Hitler mit seinen Offizieren Kriegspläne schmiedete. Hinzu kommen Wandkarten, Lampen, Telefone und Schreibmaschinen aus der damaligen Zeit. Und natürlich darf auch die Aktentasche nicht fehlen, in der Claus Schenk Graf von Stauffenberg zwei Kilo Sprengstoff versteckt hatte.

Stauffenberg-Attentat "zum Anfassen"

Reichsmarschall Hermann Göring und der Chef der "Kanzlei des Führers", Martin Bormann, begutachten die Zerstörung im Raum der Karten-Baracke im Führerhauptquartier Rastenburg.
Zerstörte Lagebesprechungsbaracke im Führerhauptquartier "Wolfsschanze" nach dem Sprengstoffanschlag auf Hitler. Bildrechte: dpa

"Wir wollen die Geschichte der Wolfsschanze lebendig vermitteln", sagt der zuständige Forstamtsleiter Zenon Piotrowicz dem Mitteldeutschen Rundfunk. Die Besucher würden oft nach dem Stauffenberg-Attentat fragen. "Unsere Besucherführer werden den Gästen in Zukunft konkret und nachvollziehbar zeigen können, wie das Attentat ablief und welche winzigen Details am Ende dazu führten, dass Hitler es überlebte", so Piotrowicz weiter. Die genaue Planung sei noch nicht abgeschlossen.

Fest steht aber: Die Nachbildung der Attentatsbaracke soll nicht am Originalstandort entstehen. Die Original-Besprechungsbaracke von damals ist heute eine Ruine und wird nicht wiederaufgebaut. Der rekonstruierte Raum wird vielmehr in einen der größeren Bunker "hineingebaut". Die Arbeiten dafür – momentan noch im Planungsstadium – sollen Piotrowicz zufolge bis Jahresende abgeschlossen werden.

"Wolfsschanze" erwacht aus Dämmerschlaf

Besucher vor dem Lageplan Adolf Hitlers Kriegsquartiers Wolfsschanze.
Rund 300.000 Touristen besuchen jährlich die Wolfsschanze. Viele Informationen zur Geschichte des Objekts gibt es auf dem Gelände noch nicht - das soll sich nun ändern. Bildrechte: imago/epd

Das ehemalige Führerhauptquartier "Wolfsschanze" zählt zu den meistbesuchten Touristenattraktionen in der Woiwodschaft Ermland-Masuren. 2018 kamen fast 300.000 Gäste, um die Hitler-Bunker zu sehen. Bis April 2017 befand sich die "Wolfsschanze" in der Hand eines privaten Pächters, der nach Angaben der Forstverwaltung nur Eintritt kassierte, ohne in die Infrastruktur oder eine angemessene historische Ausstellung zu investieren.

Inzwischen nimmt die Forstverwaltung, in deren Zuständigkeit das 250 Hektar große Gelände in den masurischen Wäldern fällt, das Heft selbst in die Hand und wertet die Touristenattraktion allmählich auf. Im vergangenen Jahr bekam die "Wolfsschanze" eine eigene Kläranlage und zum Auftakt der diesjährigen Saison einen besseren Straßenanschluss, neue Parkplätze, Kassen und Toiletten. Bis Jahresende sollen die Wege noch rollstuhlgerecht saniert und ein Teil der Bunkerruinen mit Beleuchtung ausgestattet werden. Für das kommende Jahr plant Forstamtsleiter Piotrowicz ein neues Besucherinformationszentrum.

Mehr historische Aufklärung als Ziel

Eine Seintafel im Wald.
Eine Gedenktafel erinnert an das Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944. Bildrechte: imago/BE&W

Doch es geht nicht nur um bauliche Veränderungen auf dem jahrelang vernachlässigten Gelände, betont der Forstbeamte. Auch die Art und Weise, wie man die Geschichte darstellt, soll sich ändern. "Bislang konzentrierten sich die Besucherführer oft auf technische Details wie die Betonsorten, Dicke der Bunkerwände oder Bewohnerzahl der Anlage. Wir wollen die Wolfsschanze künftig als mahnendes Beispiel zeigen. Schließlich war das eine Art Klein-Berlin, wo viele der Nazi-Verbrechen beschlossen und in die Wege geleitet wurden“, sagt Piotrowicz.

Die Wolfsschanze wurde ab 1940 im damaligen Ostpreußen unweit der Kreisstadt Rastenburg (heute Kętrzyn) errichtet. Von 1941 bis 1944 war sie der Hauptaufenthaltsort von Hitler. Hier wurde unter anderem die Blockade Leningrads beschlossen und nach Ausbruch des Warschauer Aufstandes der Befehl erteilt, die Stadt dem Erdboden gleichzumachen. Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg unternahm hier am 20. Juli 1944 einen Attentatsversuch auf Adolf Hitler.

Zur Anlage gehörten etwa 40 Wohn-, Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude sowie sieben massive und 40 leichte Stahlbetonbunker. Es gab einen eigenen Bahnanschluss und Flugplatz. Vor Eindringlingen wurde die "Wolfsschanze" mit einem 50 bis 150 Meter breiten Minengürtel und einem zehn Kilometer langen Stacheldrahtzaun geschützt.

(baz)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 16. Juli 2016 | 22:05 Uhr