Leben an der Wolga
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Russland: Reisen auf der Wolga

Kreuzfahrten auf der Wolga sind bei Touristen beliebt. Vor allem bei Ostdeutschen. Die Schiffe, auf denen sie auf Europas längstem Strom schippern, sind Veteranen: die meisten von ihnen wurden noch in der DDR gebaut.

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Das Interesse am Urlaubsland Russland ist neu erwacht. Im Ranking der beliebtesten Reiseländer liegt es auf Platz 10. Das riesige Land steht vor allem bei ehemaligen DDR-Bürgern hoch im Kurs: Nach Russland reisen 7 Prozent mehr Ost- als Westdeutsche. Highlights sind noch immer oder wieder – je nach Blickwinkel - die Fluss-Kreuzfahrten auf der Wolga. Nicht nur, weil Schiffreisen im Trend liegen, sondern weil man auf diese Weise die russische Kultur ebenso wie die Vielfältigkeit der Natur erleben kann. Vor allem aber, weil der Fluss noch immer ein Mythos ist. Die einen erinnern sich daran, die anderen entdecken ihn gerade erst. Eine Reise auf der Wolga ist wie ein Blick in die russische Seele. 

Osteuropa

Entdeckungen am Ufer der Wolga

Die Wolga gilt den Russen als Mutter aller Flüsse. Sie ist mit 3530 Kilometern nicht nur der längste Strom Europas, sondern sie spiegelt wie kein anderer Fluss auch die russische Seele.

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Die Nutzung der Wolga ermöglichte den Aufstieg Moskaus und des russischen Reiches. Der mächtige Fluss wurde als Verkehrsader zum Transport von Pelzen und Rohstoffen genutzt, die anliegenden Gebiete wurden erobert, Siedlungen, Kirchen und Klöster entstanden.  Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Die Nutzung der Wolga ermöglichte den Aufstieg Moskaus und des russischen Reiches. Der mächtige Fluss wurde als Verkehrsader zum Transport von Pelzen und Rohstoffen genutzt, die anliegenden Gebiete wurden erobert, Siedlungen, Kirchen und Klöster entstanden.  Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Am Ufer liegen unzählige Städte, viele Sehenswürdigkeiten und  Weltkulturerbestätten der UNESCO. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Schon seit Jahren beliebt: Kreuzfahrten auf der Wolgau. Gefahren wird mit Flussschiffen, die in DDR Werften gebaut wurden, wie die 1961 gebaute  Panfjorow. Die in Wismar, Boizenburg oder Roßlau gefertigten unverwüstlichen Schiffe werden von den Russen liebevoll "Die Deutschen" genannt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Die meisten der Schiffe wurden nach russischen Prominenten, Schriftstellern oder Politikern benannt. Fjodor Ivanowitsch Panfjorow (gest. 1960 in Moskau)  war ein russischer Schriftsteller, der unter anderem Romane über die Kollektivierung der Landwirtschaft schrieb. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Wolgaschiff-Kapitän Dmitri Anatoljewitsch (Mitte) ist seit 15 Jahren auf den Schiffen der Wolga unterwegs. In der Saison wird durchgearbeitet ohne Pause. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Seit 2014 ist die "Panfyorov" auf den Strecken Kasan– Uljanowsk, Kasan– Kostroma und Kasan – Samara im Einsatz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Die Wolga wird für den Binnenschiffverkehr und den Tourismus genutzt. Schon vor dem Fall des eisernen Vorhangs war eine Reise auf der Wolga ein Traumziel für viele DDR Bürger. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Die Wolgainsel Swijaschsk ist einer der geheimnisvollsten Orte am Strom. Die Klosterstadt wurde von Iwan dem Schrecklichen innerhalb von vier Wochen erbaut. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Die Kirche ist die drittälteste Russlands und nur aus Holz ohne einen einzigen Nagel gefertigt. Hier steht noch die Holzbank auf der schon Iwan der Schreckliche saß. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Die Touristenschiffe legen heute an den Weltkulturerbestätten wie Bolgar an.  Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Wer die Säule umschreitet, dessen Wünsche werden erfüllt - so ein Mythos, der sich unter Touristen hartnäckig hält. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Moschee in Bolgar. Bolgar, heute eine Kleinstadt, gehörte früher zum Reich der Wolgabulgaren, das zwischen dem 7. und 15. Jahrhundert existierte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Das besondere Highlight: die weiße Moschee mit 88 Säulen und zwei Minaretten  beeindruckt die Touristen. Weliki Bolgar ist  anerkanntes Weltkulturerbe der UNESCO und so ist es selbstverständlich, dass die großen Wolgaschiffe hier anlegen.
Muslimische Baudenkmäler aus dem 13. und 14. Jahrhundert sind bis heute erhalten. Bolgar war früher islamisches Zentrum in Russland.
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Die Moschee wird gern von Touristen besucht. Darüber freuen sich Einheimische wie Dania Shapirowa, die hier ihre Backwaren verkauft. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Tetjuschi Anlegestelle am Wolgahafen. Der Ort entstand bereits Mitte des 16 Jh. Als Wachposten Tetjuschskaja Sastawa, vermutlich benannt nach einem tatarischen Feudalherren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Der Kuibyschewer Stausee ist der flächenmäßig größte Europas und die Wolga hier an ihrer breitesten Stelle 43 km breit. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Kreuzfahrten mit Schiffen made in GDR

Die sowjetische Flotte der Binnenfahrgastschiffe wurde in der DDR gebaut. Zum Beispiel in den Werften in Wismar, Boizenburg und Roßlau. Allein dort wurden bis zum Fall der Mauer Schiffe der sogenannten Rodina-Klasse bzw. vom Typ 301/302 gefertigt. Und sie fahren bis heute. Die damals sowjetischen und heute russischen Schiffsbesatzungen nennen ihre Schiffe liebevoll die "Deutschen". Generalüberholt und auf den neuesten Stand gebracht, tun sie unverwüstlich ihren Dienst.

Eine Flussfahrt auf der Wolga – früher ein Privileg

Karte Verlauf Wolga von Wolgograd nach Kazan
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Trotz Deutsch-Sowjetischer Freundschaft in der DDR haben viele Ostdeutsche erst seit der Wende die Chance, auf der Wolga zu schippern. Wer die Sowjetunion offiziell bereisen wollte, musste sich entweder einer vom DSF oder von Intourist organisierten Gruppenreise anschließen oder eine offizielle Einladung vorweisen. Eine Fluss-Kreuzfahrt auf der Wolga, die meist von Kasan (die Hauptstadt von Tatarstan) ausging, in den Wolga-Don-Kanal mündete und in Rostow endete, blieb jedoch nur hohen Funktionären und besonders systemtreuen Bürgern vorbehalten. Mit viel Glück erhielt man eine solche Reise als Auszeichnung für gute Leistungen in der sozialistischen Produktion. Otto Normalverbraucher in der DDR war dieses Vergnügen nur selten vergönnt. Mit rund 2 000 Mark war eine solche Reise für damalige Verhältnisse  auch nicht gerade billig.    

Von Lenin-Denkmal zu Lenin-Denkmal

Ergatterte jemand eine solche Schiffsreise auf der Wolga, musste er sich an die Regeln halten. Dazu gehörte die Pflege der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft in Form entsprechender Veranstaltungen an Bord, programmierte Stadtführungen, darunter vorrangig die Besichtigungen kommunistischer Kultstätten und Denkmäler. Unter Eingeweihten kursierte damals der Spruch: "Was ist ein LEN?" Die Antwort: "Die Entfernung von einem Lenin-Denkmal zum nächsten!"

Wolgaschiff 15 min
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Die Reise auf der Wolga führt ins legendäre Kasan in der Republik Tatarstan. Weiter geht’s zu prächtig restaurierten Kirchen, Moscheen und Kremlpalästen, alle zeugen von der beeindruckenden Geschichte der Wolga-Region.

Sa 22.07.2017 18:00Uhr 14:44 min

https://www.mdr.de/nachrichten/osteuropa/land-leute/reisen-wolga-russland-100.html

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Video

Die wichtigsten Stationen einer Wolga-Kreuzfahrt waren Uljanowsk (Lenins Geburtsort) und Wolgograd (früher Stalingrad). Andere Orte, wie zum Beispiel die geheimnisvolle Wolga-Insel Swijaschsk, waren bis zur Wende keinem Ausländer zugänglich. Viele Dörfer und Städte, darunter Bolgar (Heiligtum und Wallfahrtsort der Tataren), oder auch monumentale Kraftwerke und Industrieanlagen sahen die Urlauber nur als Kulisse am weit entfernten Ufer. Die meiste Zeit nämlich verbrachten sie an Deck.

Über dieses Thema berichtet MDR auch im TV: MDR | 22.07.2017 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2017, 16:27 Uhr

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