Konflikt mit Russland um Straße und Schiene Ukraine: Kein Zug nach Moskau?

In der Ukraine wird heiß über die mögliche Absetzung der öffentlichen Zug- und Busverbindungen nach Russland diskutiert. Den Flugverkehr gibt es bereits seit Ende 2015 nicht mehr – profitiert hat davon vor allem Belarus. Das könnte sich nun wiederholen.

Zwei Frauen mit Gepäck vor einem Zug
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Reiseverkehr-Stop zwischen Ukraine und Russland

Bereits seit Ende Oktober 2015 gibt es keine direkte Flugverbindung zwischen der Ukraine und Russland. Damals hat die ukrainische Regierung vorerst einer Reihe russischer Airlines, die auf die von Moskau annektierte Krim-Halbinsel flogen, untersagt, in die Ukraine zu fliegen. Als Reaktion darauf verhängte Russland ein Flugverbot für alle ukrainischen Fluggesellschaften. Seitdem sind die Beziehungen zwischen Kiew und Moskau keineswegs besser geworden - und auch nicht die Verkehrsverbindungen. Immerhin existiert noch eine Zug- und eine Busverbindung zwischen den beiden Nachbarländern. Noch.

Ursprünglich wollte die Ukraine 2017 über ein Verbot der Zugverbindung mit Russland nachdenken. Bislang haben sich diese Pläne noch nicht konkretisiert. Der ukrainische Infrastrukturminister Wolodymyr Omeljan hat letzte Woche das Thema wieder ins Rollen gebracht, wie er dem dem ukrainischen Fernsehsender 1+1 sagte:

Wir nehmen zur Kenntnis, wie Russland uns am Asowschen Meer unter Druck setzen will. Wir haben eine Reihe der möglichen Gegenantworten vorbereitet, ganz konkret denken wir über die Absetzung der Zugverbindung nach.

Wolodymyr Omeljan

Interessant ist dabei, dass es explizit um Reise- und nicht um Frachtverkehr geht. Denn sonst würde die Ukraine gegen die Richtlinien der Welthandelsorganisation verstoßen, zu der sowohl Kiew als auch Moskau gehören. Ein Vertrauter des Präsidenten Petro Poroschenko legte schließlich nach – und sprach darüber hinaus über das aus seiner Sicht zusätzlich notwendige Busverbindungsverbot. Und auch der Minister selbst schürte heute nochmals die Spekulationen; er habe ein Dokument zum Thema unterzeichnet. Was darin steht, wollte er noch nicht sagen, fügte aber hinzu: "Nach Moskau werden nur die Bären gehen - wie zu alten Zeiten."

Fatale Folgen für Millionen Ukrainer

Eine Frau hält einen gelben Stab aus einem Zug.
Nach dem Verbot der Zug- und Busverbindungen Bildrechte: IMAGO

Sollte es tatsächlich zu einem Verbot der Zug- und Busverbindungen kommen, dann würde dies schwerwiegende Folgen für viele Ukrainer nach sich ziehen. Offiziellen Angaben zufolge haben im letzten Jahr trotz des politischen Konflikts mit Moskau, mehr als vier Millionen Ukrainer Russland besucht.

Rund 900.000 haben davon die ukrainisch-russische Grenze in einem Zug überquert – mittlerweile kursieren zwischen der Ukraine und Russland etwa 20 Züge. Wie viele auf der Straße dazu kommen, kann man kaum sagen: Da für Busreisen ausschließlich Privatfirmen zuständig sind, ist es nahezu unmöglich, eine genaue Pendlerzahl zwischen der Ukraine und Russland festzustellen.

Minsk als Transitoption

In der Ukraine hat der Vorschlag des Infrastrukturministers, die Zugverbindung nach Russland zu kappen, unterschiedliche Reaktionen ausgelöst: Die nationalkonservative Seite unterstützt diese Idee, es gab allerdings auch viel Kritik, weil der Staat den Gewinn aus diesen Reisen damit privaten und häufig sogar auch nur halb legalen Busanbietern schenke.

Im Umkehrschluss könnte - wie bei der Absetzung des Flugverkehrs - ein anderer profitieren: nämlich Belarus. Da es seit Ende 2015 keine Direktflüge mehr zwischen der Ukraine und Russland gibt, sind die staatliche weißussische Fluggesellschaft Belavia und der Flughafen Minsk gewissermaßen in die Bresche gesprungen und bieten sich nun als Transitoption für die Ukrainer an.

500.000 Ukrainer fliegen jährlich über Minsk

Mittlerweile sorgen Passagiere, die zwischen der Ukraine und Russland hin- und her reisen, für die Hälfte des gesamten Transitverkehrs des Minsker Flughafens – und auch für die Hälfte des Gewinns von Belavia. "Deswegen fliegen wir nun auch deutlich mehr in die Ukraine und haben eine Reihe von neuen Routen nach Odessa, Charkiw und Lwiw eröffnet", erzählte Belavias Generaldirektor Anatolij Gussarow bereits Ende 2017.

EIne Maschine der weißrussischen Gesellschaft Belavia steht hinter einem Metallzaun auf dem Flughafen von Minsk.
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Laut der belarussischen Fluggesellschaft fliegen derzeit rund 500.000 Ukrainer jährlich über Minsk: Ein Viertel des gesamten regulären Flugverkehrs der Belavia, die man so mit Sicherheit als einen der größten Nutznießer des Russland-Ukraine-Konflikts bezeichnen darf. Und die Nachfrage stiege weiter, wenn tatsächlich auch noch die Zug- und Busverkehre ausgesetzt würden. Gewinner dann wäre vor allem der belarussische Staat, da die Eisenbahn im Lukaschenko-Land ebenfalls ein Staatsunternehmen ist – und auch die wichtigsten Busanbieter staatlich kontrolliert sind.

Über dieses Thema berichtet MDR Dok auch im TV : MDR | 19.08.2018 | 00:01 Uhr

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