Serie zur Bundestagswahl Warum die Bundestagswahl in Russland kaum Thema ist

In Deutschland redet man derzeit viel über Russland. Umgekehrt ist das anders. In der russischen Öffentlichkeit spielt die bevorstehende Bundestagswahl kaum eine Rolle. Unser Ostblogger Maxim Kireev erklärt, warum das so ist.

Osteuropa

Maxim Kireev 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Deutschland wird ständig über die Russen geredet. Doch in den russischen Medien herrscht großes Schweigen, was Deutschland betrifft. Und das, obwohl bald Bundestagswahl ist.

Fr 15.09.2017 12:14Uhr 01:36 min

https://www.mdr.de/nachrichten/osteuropa/ostblogger/video-138012.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Kurz vor der Wahl zum deutschen Bundestag scheint dieser Urnengang in Russland öffentlich kaum wahrgenommen zu werden. Zwar hatte Bundeskanzlerin Merkel gerade einmal wieder für Aufruhr in Russland gesorgt. Mit der anstehenden Wahl hatte dies jedoch wenig zu tun. Vielmehr störte sich die streitsüchtige Sprecherin des russischen Außenministeriums an Merkels Vergleich zwischen der Krim und der DDR. Die Teilung Deutschlands habe man genauso wenig akzeptiert wie jetzt die Annexion der Krim, hatte Merkel in einem Interview gesagt. "Wer hätte es gewagt zu glauben, die Kanzlerin würde mit einem DDR-Vergleich das unheimlich komplizierte Krim-Problem lösen", ätzte Sacharowa auf Facebook, etwa zur gleichen Zeit als Präsident Putin mit der deutschen Bundeskanzlerin die mögliche UN-Mission für die Ostukraine besprach.

Kaum Nachrichten aus Deutschland

Eine Ansagerin bereitet sich 2009 auf eine Sendung vor, auf einem Monitor im Hintergrund ist Wladimir Putin zu sehen.
Über und mit Putin wird im russischen Fernsehen viel geredet - über Deutschland so gut wie gar nicht. Bildrechte: IMAGO

Dass die anstehende Bundestagswahl in Deutschland so gut wie gar nicht in den russischen Medien vorkommt, hat auch damit zu tun, dass diese kaum noch Auslandsreporter in der Bundesrepublik haben. Der letzte Kommentar der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti zur Wahl in Deutschland stammt vom Anfang des Sommers. Damals hatte sich Russlands Präsident Putin mit dem deutschen Außenminister Sigmar Gabriel und mit Altkanzler Gerhard Schröder in Sankt Petersburg zu einem Abendessen getroffen. Nach der Kandidatur von Martin Schulz hatten wohl auch in Russland nicht wenige geglaubt, in Berlin könnte die SPD die nächste Regierung anführen.

Der Kreml rechnet mit keinem Machtwechsel

Bundesaussenminister Sigmar Gabriel (r), SPD, trifft Wladimir Putin, Praesident von Russland, im Rahmen des G20-Gipfels. 07.07.2017, Hamburg.
Eine SPD-Regierung in Deutschland würde dem Kreml gut gefallen. Präsident Putin, hier mit Außenminister Gabriel, wäre aber auch mit einer Neuauflage der großen Koaltion zufrieden. Bildrechte: imago/photothek

Der Grund für die Ignoranz in den Staatsmedien liegt offenbar auch daran, dass selbst russische Beobachter des Politbetriebes in Deutschland davon ausgehen, dass sich dort nach der Wahl im Grunde wenig ändern wird. Und die Fortsetzung der großen Koalition scheint für die russische Führung eine gute Option zu sein. Die SPD, mit der man sich aus Moskauer Sicht am schnellsten einig wird, bliebe so in der Regierung. Die Grünen, die wohl kremlkritischste Partei, insbesondere wenn es um Energieprojekte wie Nord Stream 2 geht, wären von der Regierung ausgeschlossen. Auch Merkels Kritik an den US-Sanktionen, die das Russlandgeschäft deutscher Energiekonzerne treffen könnten, kam in Russland gut an.

Russland als Wahlkampfthema in Deutschland

So wenig in Russland über den Wahlkampf in Deutschland berichtet wird, so viel ist Russland dagegen derzeit Thema in Deutschland. Man diskutiert die Rolle der Russlanddeutschen für die AfD, den Einfluss russischer Staatsmedien in Deutschland, Gesprächsangebote an Russland seitens der Liberalen, Altkanzler Schröders Engagement im Aufsichtsrat des russischen Ölkonzerns Rosneft: Die Liste der Themen ist lang. Und der Verdacht, russische Hacker hätten vor zwei Jahren das Netzwerk des Bundestags gehackt und empfindliche Daten abgegriffen, nährt die Angst vor einer russischen Einflussnahme auf die anstehende Wahl in Deutschland.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: TV | 31.08.2017 | 19:30 Uhr

Porträt

Fotomontage Mann vor Fahne mit Video
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zurück zur Startseite

Mehr zum Thema

Bundestagswahl 2017
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK