Ukraine Dating-App für Christen: "Sankt Tinder" aus Kiew

In der Ukraine wurde eine Tinder-Alternative für Christen entwickelt: Die App "Eden" gibt es seit dem Sommer. Sie verspricht Liebe mit der passenden Konfession.

von Denis Trubetskoy

Frau mit Kreuz
Einen Mann fürs Leben: Aber bitte mit der richtigen Konfession! Bildrechte: Colourbox.de

Einen Mann fürs Leben - den wünscht sich Ksenija aus dem nordukrainischen Tschernyhiw, einer Stadt 150 Kilometer nördlich von Kiew. Der Traum der 36-Jährigen: "Eine orthodoxe Familie mit mehreren Kindern!" Doch ER soll nicht nur ihre Werte, sondern auch ihren Glauben teilen. Den richtigen Partner hofft sie nun auf der neuen Dating-App "Eden" zu finden.

Auf den ersten Blick sieht Eden, die brandneue Dating-App für Christen, fast genauso aus wie Tinder. Man sieht das Profil einer Person und kann entweder nach links oder rechts wischen. Wenn beide Personen sich am Ende gegenseitig liken, darf ein privates Chatgespräch entstehen. Dennoch fällt der große Unterschied zu Tinder und ähnlichen Apps bereits bei der Registrierung auf. So soll der Nutzer als Erstes eines von drei Zimmern auswählen, die drei große Konfessionen repräsentieren: Katholizismus, Orthodoxie und Protestantismus. Denn gemischt werden die Konfessionen nicht: Wer orthodox ist, soll nur orthodoxe Nutzer angezeigt bekommen – sonst könne es zu Konflikten kommen, meinen die Entwickler, die allesamt aus der Ukraine stammen.

Foto eines Mannes und einer Frau nebeneinander
Dating im Zeichen des Kreuzes: So präsentiert sich "Eden", die Tinder-Alternative für Christen. Bildrechte: Eden/Illia Kurtov/Olexander Wowk

Eine Dating-App für 2 Milliarden Christen

Das Team um den Vermarkter Olexander Wowk, das sich ausdrücklich zum Christentum bekennt, fand es ungerecht, dass rund zwei Milliarden Christen, die derzeit auf der Welt leben, keine solide Dating-App haben – während neben Tinder, Baddoo und unzähligen Dating-Webseiten mit Apps wie 3nder und Transdr gefühlt alle möglichen Alternativen abgedeckt sind. Aus ihrer Sicht sind mehr als 30 Prozent aller Familien zuletzt durch Bekanntschaften im Internet entstanden, deswegen sollte diese Möglichkeit auch für Christen offen sein. Außerdem: Ausgerechnet in der Ukraine liege die Scheidungsquote bei etwa 70 Prozent, das wollen Wowk und seine Mitstreiter nun unbedingt ändern.

Rechteckige Fläche mit drei Feldern: Protestant, Katholik, Orthodox
Protestantisch, Katholisch oder Orthodox: Damit man weiß, woran man ist. Bildrechte: Eden/Illia Kurtov/Olexander Wowk

7.000 Nutzer, Tendenz steigend

Seit dem Sommer kann man die App bei AppStore und Google Play herunterladen. Und obwohl Eden bislang lediglich im Testmodus funktioniert, können sich die Entwickler bereits über 7.000 Nutzer freuen. Tendenz steigend. Pro Tag melden sich etwa 100 neue User an. Und während die Ukraine ein überwiegend orthodoxes Land ist, befindet sich etwa die Hälfte der Eden-Nutzer im Protestanismus-Zimmer. Daraus schließen die Entwickler, dass die App schon jetzt international benutzt wird.

Lebensziel: Orthodoxe Familie mit Kindern

Wie bei anderen Dating-Plattformen stellen die Nutzer von Eden ein Profilbild ein und beantworten Fragen – u.a die nach ihrem Glauben und ihrem Lebensziel. Ksenija aus Tschernyhiw ist geschieden und hat eine 8-jährige Tochter. Obwohl sie mit Kunsthandwerk selbst Geld verdient, bezeichnet sie sich in erster Linie als Mutter. "Immer mehr Leute verachten derzeit christliche Werte – auch Menschen in meinem Alter", klagt sie. Das wiederum mache die App Eden, die Ksenija schon im Sommer heruntergeladen hat, besonders interessant: "Dort kann ich vorab sicher sein, dass ich mich mit Gleichgesinnten unterhalte."

Datin App Ukraine
Traditionell im Look und in ihren Ansprüchen: Frauen auf Eden Bildrechte: Eden/Illia Kurtov/Olexander Wowk

Die Entwickler von Eden glauben an den ganz großen Erfolg

Derzeit werden Ksenija Nutzer aus dem ganzen postsowjetischen Raum angezeigt. Wenn die grundsätzlich kostenlose App, die erst ab einer Million Nutzer Bezahlfunktionen anbieten will, ihre Testzeit beendet, wird Geolokalisierung ähnlich wie bei Tinder auch Nutzer in konkret angegebener Entfernung zeigen. "Ich hoffe, die App wird bald groß", meint Ksenija. "Ich bin ohnehin oft genug in Kiew, wo viele Nutzer leben, das würde aber auch anderen Mädels hier in Tschenyhiw erlauben, an anständige Männer zu kommen."

Darauf, dass die App groß wird, hoffen auch die Entwickler: Es gebe zwar starke Konkurrenten in den USA, dabei handele es sich jedoch überwiegend um alte Webseiten, die seit zehn Jahren nicht mehr überarbeitet wurden. Eden seinerseits biete etwas komplett Frisches an. Egal, ob eine Tinder-Überarbeitung nun aber wirklich "frisch" ist oder nicht: Sie erschließt zumindest eine neue Zielgruppe, denn ob die meisten Eden-Nutzer je bei Tinder waren, darf man bezweifeln. Auch soll das durchschnittliche Alter aller Voraussicht deutlich höher liegen als beim Vorbild. Ksenija hat jedenfalls schon zwei potenzielle Partner in Kiew getroffen – herausgekommen sei dabei zwar nicht viel, erzählt sie. Aber sie habe trotzdem eine schöne und unterhaltsame Zeit verbracht.


Über dieses Thema berichtete MDR um 4 auch im: TV | 15.02.2016 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Oktober 2018, 15:25 Uhr