Vilnius Altstadt
Das Tor der Morgenröte ist eines der wichtigsten Kulturdenkmäler Vilnius'. Bildrechte: imago/BE&W

Litauens Lieblingsgäste Deutsche Touristen sind die Nummer 1 in Vilnius

Die Deutschen entdecken zunehmend Litauen und seine Hauptstadt Vilnius. 2018 ist die Zahl deutscher Touristen um ein Drittel gestiegen. Damit sind sie die größte Gruppe ausländischer Gäste in der UNESCO-Welterbe-Stadt.

von Vytenė Stašaitytė

Vilnius Altstadt
Das Tor der Morgenröte ist eines der wichtigsten Kulturdenkmäler Vilnius'. Bildrechte: imago/BE&W

Da ich oft in Deutschland unterwegs bin, vermiete ich meine kleine Wohnung in Vilnius gelegentlich über "Airbnb". Ich kann folgende Bilanz ziehen: von insgesamt 20 Buchungen im vergangenen Jahr kamen drei aus Deutschland. Ein beruflich reisender Fotograf aus Würzburg, zwei Studentinnen aus Nürnberg und ein junges Pärchen aus Halle waren tolle Gäste – sie spiegeln aber noch nicht den starken Anstieg deutscher Touristen in Vilnius wieder.

35 Millionen Euro lassen Deutsche in Vilnius

Laut Stadtmarketing-Agentur "Go Vilnius" haben in den ersten drei Quartalen 2018 fast eine Million Touristen, davon über 86.000 aus Deutschland, die Stadt besucht. Da ein einzelner deutscher Gast durchschnittlich 410 Euro pro Reise in der litauischen Hauptstadt ausgibt, haben die Deutschen eine Gesamtsumme von rund 35 Millionen Euro in Vilnius gelassen.

Boomendes Geschäft für Stadtführerin

Die Stadtführerin Elena Karalienė bestätigt das steigende Interesse. Sie spürt den Zuwachs seit ein paar Jahren und ist bereits seit Anfang Oktober 2018 für den ganzen kommenden Sommer ausgebucht. Im Sommer ist für die Stadtführerin Hochsaison, aber auch im Winter wird sie gebucht. Karalienė bietet nicht nur Stadtführungen in Vilnius, sondern in ganz Litauen und im ganzen Baltikum an. "Bedeutend mehr Deutsche besuchen Vilnius, Litauen und das Baltikum", erzählt sie.

Vor allem Rentner reisen

Gebucht wird Karalienė von den Reisebüros. Sie bedient verschiedene Gruppen – von kleinen Privatgruppen, über Touristen, die mit der Fähre aus Kiel oder dem Bus aus dem Baltikum ankommen, bis hin zu Firmen-Ausflüglern. "Die typischen Gäste sind Rentner, die in großen Gruppen mit dem Bus durchs Baltikum fahren. Der Altersdurchschnitt liegt bei 72 Jahren. Die typische Route geht durch die Altstadt", berichtet die Stadtführerin.

Blick ins Gotische Viertel mit der Annen- und Bernhardinerkirche.
Ein Blick in die Altstadt Vilnius': das Gotische Viertel mit der Annen- und Bernhardinerkirche. Bildrechte: imago/Rainer Weisflog

Touristen meiden andere Touristen

Karalienė stellt eine Besonderheit Vilnius' heraus: "Was ich oft über unsere Hauptstadt höre, ist, dass die Gäste hier mehr Einheimische als in Tallinns oder Rigas Altstädten treffen. Das ist unser Vorteil, denn die Touristen wollen nicht so viele andere Touristen treffen, sondern lieber die 'Locals'. Was vielen auffällt – wie sauber und ordentlich die Stadt ist."

"Nach Russland reisen, in Europa ankommen"

Karalienė freut sich, dass sie am Ende der Reise oft positive Worte von den Kunden zu hören bekomme, die Erwartungen vieler würden übertroffen. Ein Kommentar ist ihr besonders in Erinnerung geblieben: "Ich dachte, ich reise nach Russland, aber jetzt kehre ich aus Europa zurück", sagte ein Gast aus Deutschland zu ihr. Laut der Stadtführerin sei damit gemeint, dass viele Touristen Vorurteile gegenüber dem Baltikum hätten, sie dort aber wider Erwarten auf west- und nordeuropäische Länder und Kultur träfen. 

Kooperation mit deutschen Reiseunternehmen

Die Stadt hofft auf ein weiteres Anwachsen der Touristenzahlen. Die Stadtmarketing-Agentur "Go Vilnius" arbeitet seit Anfang diesen Jahres mit einem der größten Reiseunternehmen Deutschlands, der "FTI Group", zusammen. "Go Vilnius" berichtet, alleine in diesem Winter mehr als 550 Tourismus-Spezialisten aus Deutschland über Vilnius unterrichtet zu haben. Reiseagenten aus 12 deutschen Reisebüros waren vor Ort und haben die litauische Hauptstadt und ihre Umgebung erlebt.

Wasserburg Trakai
Die Wasserburg Trakai. Bildrechte: imago/Panthermedia

Auf dem Programm standen die beliebtesten Attraktionen der Stadt: eine Tour durch die Altstadt, deren Barock-Architektur seit 1994 einen Platz auf der UNESCO-Welterbeliste hat, der Besuch des Künstlerviertels Užupis sowie des wiederaufgebauten Stadtschlosses. Bei einer Tagesreise lernten die Teilnehmer die spätmittelalterliche Wasserburg im 30 Kilometer von Vilnius entfernten Trakai kennen. Zudem kosteten sie die traditionelle und moderne litauische Küche. Der Aufwand hat sich scheinbar gelohnt: "Das ist eine in Nordeuropa noch nicht entdeckte Stadt, wo man sich gemütlich und sicher fühlt", resümierte Olaf Kistenmacher vom Reiseunternehmen FTI.

Umstrittene Kampagne macht Vilnius bekannter

Frau hält bedrucktes Tuch, Text
Das Werbeplakat zur umstrittenen G-Spot-Kampagne. Bildrechte: Stadtmarketing Vilnius/www.vilniusgspot.com

Die Agentur "Go Vilnius" machte vor einiger Zeit mit einer kontroversen Werbekampagne, nicht nur in Litauen, sondern auch in der internationalen Presse, von sich reden. Unter dem Motto "Vilnius – der G-Punkt Europas" wollte man auf humorvolle Weise junge Touristen aus Deutschland und Großbritannien ansprechen. Die Macher ernteten viel Kritik, konnten aber auch eine enorme Berichterstattung in den Medien für sich verbuchen. Allein in den ersten vier Monaten nach dem Start am 9. August 2018 gab es über 1.100 Presseberichte. Das Werbevideo wurde in den sozialen Medien und weiteren Webseiten über 25 Millionen Mal geklickt. Bei Google verzeichnete die Suche nach "Vilnius" einen Anstieg von über 300 Prozent.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: LexiTV - Litauen im Überblick | 16.02.2018 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2019, 11:53 Uhr

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