Schröder und der skandalträchtige russische Staatskonzern Rosneft

Gerhard Schröder wird den russischen Ölkonzern Rosneft mitlenken. Schon jetzt mischt der Altkanzler beim Energiekonzern Gazprom mit. Sein Engagement wird ihm von deutschen Politikern immer wieder vorgeworfen. Rosnefts Geschäftsmethoden sind umstritten.

von Maxim Kireev

Nahaufnahme, Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder
Ex-Kanzler Schröder pflegt gute Kontakte in die deutsche und russische Wirtschaft, sowie eine lange Freundschaft zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Bildrechte: dpa

Einen Ruf als Kremlkritiker hat Gerhard Schröder nicht zu verlieren. Seit über zehn Jahren steht der Ex-Kanzler in den Diensten des russischen Energiekonzerns Gazprom. Zuerst im Vorstand der Nord Stream AG, die die Ostseepipeline zwischen Russland und Deutschland baute und betreibt, nun auch als Vorstandsvorsitzender der Nord Stream II AG.

Am 29. September hat Schröder nun ein neues Kapitel der deutsch-russischen Energiefreundschaft aufgeschlagen. Auf einer Aktionärsversammlung wurde er in den Aufsichtsrat des größten russischen Ölkonzerns Rosneft gewählt. Medienberichten zufolge soll er ihn sogar leiten. Zur Abstimmung hatten sieben Kandidaten gestanden, darunter auch der 73-Jährige, hieß es in einem Dekret des russischen Regierungschefs Dmitri Medwedew. Zuvor waren bereits entsprechende Informationen durchgesickert, die teils heftige Empörung auslösten.

Kometenhafter Aufstieg mit zweifelhaften Methoden

Das ist nicht sonderlich verwunderlich. Schließlich ist Rosneft, an der der russische Staat die Mehrheit hält, einerseits einer der wichtigsten Geldbringer des Landes. Andererseits wurde der Aufstieg des Konzerns und seines Chefs Igor Setschin begleitet von einem Schweif aus Skandalen, feindlichen Übernahmen und undurchsichtigen Geschäften. Dabei war Rosneft noch vor knapp 15 Jahren eine unbedeutende kleine staatliche Ölgesellschaft.

Heute dominiert Rosneft mit einem Börsenwert von etwa 50 Milliarden Euro nicht nur den russischen Markt, sondern zählt auch weltweit zu den größten Ölförderern. Die meisten Beobachter in Russland verbinden den Aufstieg von Rosneft mit dem von Igor Setschin, einem alten Freund Wladimir Putins. Schon Anfang der 1990er Jahre arbeitete der ehemalige Portugiesisch-Übersetzer für den künftigen Präsidenten des Landes, der damals das Komitee für Außenbeziehungen in Sankt-Petersburg leitete.

Schwere Vorwürfe gegen Rosneft-Chef

Der kometenhafte Aufstieg von Rosneft begann mit der Verhaftung von Michail Chodorkowski im Jahre 2004. Der leitete damals den größten russischen Ölkonzern "Yukos" und war gleichzeitig der reichste Mann Russlands. Wegen Steuervergehen landetet der Oligarch hinter Gittern, während Yukos zwangsversteigert und über eine Briefkastenfirma an Rosneft verkauft wurde.

Schon damals kursierten Gerüchte, Setschin, der damals den Posten des für Energiefragen zuständigen Vizepremiers inne hatte, könnte Chodorkowskis Verhaftung initiiert haben. Auch nach seiner Freilassung ein Jahrzehnt später bekräftigte Chodorkowski diese Vorwürfe. Setschin seinerseits bezeichnete dies in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" als Lüge.

Der nächste große Paukenschlag folgte sieben Jahre nach Chodorkowskis Verhaftung, als Rosneft für astronomische 55 Milliarden Dollar den russischen Konkurrenten TNK-BP übernahm. Ein Teil dieser Summe beglich Rosneft mit eigenen Aktien, wonach der BP Anteil an Rosneft auf insgesamt 19,5 Prozent anstieg. Im gleichen Jahr übernahm der einstige Vize-Premier Igor Setschin offiziell das Rosneft-Ruder.

Der letzte große Übernahmeskandal entzündete sich um den regionalen Ölförderer Bashneft, dessen Anteile der Systema-Holding gehörten, die wiederum zum Imperium des Oligarchen Wladimir Jewtuschenkow gehörte. Vor knapp drei Jahren  zog die Staatsanwaltschaft gegen Systema vor Gericht, wegen angeblicher Verstöße bei der einstigen Privatisierung von Bashneft. Jewtuschenkow wurde unter Hausarrest gestellt und kam erst frei als er seine Bashnef-Aktien an den Staat zurückgegeben hatte.

Prozess gegen Ex-Minister

Anschließend sollte der verstaatlichte Konzern wieder in private Hände kommen. Für Rosneft und Igor Setschin war Bashneft die letzte große Möglichkeit im Inland zu expandieren. Und so geriet die zweite Privatisierung von Bashneft zu einem Tauziehen zwischen dem Wirtschafts – und Finanzministerium auf der einen Seite, die Bashneft lieber ganz in private Hände verkaufen wollten und Igor Setschin auf der anderen Seite, der sich den Konkurrenten einverleiben wollte.

Am Ende gewann Setschin, während sein Gegenspieler, der Wirtschaftsmnister Alexej Uljukaew, hinter Gittern landete. Angeblich soll er für seine Zustimmung zum Bashneft-Verkauf ein Schmiergeld gefordert haben. Erst vor wenigen Tagen begann in Moskau der Prozess gegen den Ex-Minister.

Rolle von Schröder weiter unklar

Nun , wo Gerhard Schröder in den Aufsichtsrat von Rosneft eingezogen ist, dürfte sich der Ex-Kanzler die eine oder andere Frage zum Geschäftsgebaren seines Arbeitgebers gefallen lassen müssen. Momentan rätseln die Beobachter noch, welche Rolle dem Sozialdemokraten zukommen soll. Offiziell hatte er für das Amt eines unabhängigen Direktors im Aufsichtsrat kandidiert.

Vielleicht will Rosneft auch nur von den guten Kontakten des ehemaligen Politikers in Deutschland profitieren. Erst vor wenigen Monaten hatte Rosneft eine eigene Niederlassung in Deutschland aufgemacht, nachdem der russische Konzern durch einen Tausch von Anteilen mit seinem Partner BP etwa 12 Prozent der deutschen Raffineriekapazitäten in seinen Händen vereinigen konnte.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: Radio | 12.082017 | 16:16 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. September 2017, 15:13 Uhr

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