Hackerattacken in Litauen Datenklau in der Beautyklinik

von Vytenė Stašaitytė

Große Aufregung bei Kundinnen einer Beautyklinik in Litauen. Hacker verschafften sich Zugriff auf die elektronischen Patientendaten und wollen nun abkassieren. Die Kriminellen erpressen vor allem Frauen. Sie drohen, intime Fotos von ihnen im Netz zu veröffentlichen, wenn sie kein Lösegeld zahlen. Die Polizei ermittelt. Bislang ohne Erfolg.

Osteuropa

Eine Frau 1 min
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In Litauen haben sich Hacker Material aus einer Schönheitsklinik beschafft. Nun bekommen Frauen, die sich ihre Brüste operieren ließen, Post von Erpressern ...

Mi 10.05.2017 23:09Uhr 00:50 min

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Die Zahl der Attacken steigt rasant

Nach Angaben der staatlichen litauischen Behörde für die Regulierung der elektronischen Kommunikation ist die Zahl der Cyber-Attacken enorm gestiegen. Allein im ersten Quartal dieses Jahres habe es mehr als 14.000 Berichte über mögliche Angriffe gegeben. Die Hackerattacken stiegen jährlich um 20 bis 30 Prozent. 

Eine Nachrichtenagentur "verbreitet" Fakenews

Für großes Aufsehen hatte Mitte April der Angriff auf die Nachrichtenagentur BNS (Baltic News Service) gesorgt - sie ist in allen drei baltischen Ländern vertreten. Ihr schoben Hacker einen Bericht über US-Soldaten unter, die in Lettland eine Vergiftung erlitten haben sollten. Die Überschrift klang dramatisch: "Syrisches Echo in Lettland: US-Soldaten haben sich mit Senfgas vergiftet". Das einzige, was an der Meldung stimmte, war die Tatsache, dass die US-Soldaten, wie auch mehrere andere NATO-Soldaten, in allen baltischen Ländern stationiert sind.

Hacker verschaffen sich Administratorrechte

Vaidotas Beniušis
Vaidotas Beniušis, stellvertretender Geschäftsführer der Nachrichtenagentur BNS. Bildrechte: Žygimantas Gedvila/BNS

Die Falschmeldung wurde von der Redaktion sofort entdeckt und entfernt. Die Kunden und Leser wurden über alle möglichen Kanäle informiert, dass es sich nicht um eine Produktion von BNS handelt. Eine Kopie dieser Falschmeldung konnte man noch ein paar Stunden im Internet finden. Die Kriminalpolizei ermittelt. Klar ist schon jetzt, dass die Hacker illegal an die Administratorrechte gekommen waren und die Falschmeldung über den anonymen "Tor"-Server platzierten. Der Redaktion war der Text auch sprachlich aufgefallen. Sie vermutete, dass er zuerst auf Russisch geschrieben und erst danach auf Litauisch formuliert wurde - mit den typischen Übersetzungsfehlern. "Es scheint so, dass man mit dieser Meldung die Bevölkerung betrügen und negative Stimmung gegen US-Soldaten anheizen wollte und andererseits auch die Sicherheitssysteme testen wollte", meint Vaidotas Beniušis, stellvertretender Geschäftsführer der Nachrichtenagentur BNS.

Nachrichtenportale lahmgelegt

Doch der Angriff gegen die Nachrichtenagentur BNS ist nicht die einzige Attacke gegen litauische Nachrichtenportale. Einige Wochen vor und nach dem erwähnten Ereignis wurden auch andere Medien Opfer von Cyberattacken. So wurde das Nachrichtenportal der Tageszeitung "Lietuvos žinios" (Nachrichten Litauens) - "Lzinios.lt" - Mitte April gleich zwei Mal attackiert. Einmal gelang es den Hackern das Portal völlig lahm zu legen.

Da man die Herkunft der sogenannten DDoS-Attacken teilweise nachweisen kann, sprechen die Mitarbeiter mittlerweile von ihren "Freunden aus dem Osten". Die meisten Angriffe lassen sich nach Russland zurückverfolgen: 32,6 Prozent.

Evaldas Labanauskas
Lzinios.lt-Chefredakteur Evaldas Labanauskas Bildrechte: Margarita Vorobjovaitė

Evaldas Labanauskas, Chefredakteur von "Lzinios.lt",  kann nur spekulieren, wieso gerade sein Portal Ziel der Cyberkriminellen geworden ist. Er vermutet er, dass damit die litauischen IT-Systeme und die Reaktionen auf die Angriffe geprüft würden. Dass es sich nur um Spiele böser Genies handele, könne man aber auch nicht ausschließen.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: Radio | 17.02.2017 | ab 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Mai 2017, 12:40 Uhr