Viele Menschen sitzen an Computern.
Blick in ein Büro im Vilnius Tech Park. Bildrechte: Vilnius Tech Park

Litauen - Land der Start-ups

Die Websites "Kleiderkreisel" und "BoredPanda" sind auch in Deutschland vielen Internetnutzern bekannt. Aber wohl nur wenige wissen vermutlich, dass die Ideen für diese und andere Internetseiten aus Litauen stammen. Genau hier haben kluge Köpfe sie als weltweit erfolgreiche Start-ups entwickelt.

von Vytenė Stašaitytė

Viele Menschen sitzen an Computern.
Blick in ein Büro im Vilnius Tech Park. Bildrechte: Vilnius Tech Park

Litauen gilt als ein innovatives Land, in dem es schnelles Internet von hoher Qualität gibt. Die Europäische Kommission sieht Litauen auf dem Spitzenplatz, wenn es um die besten Voraussetzungen für Unternehmensgründungen im Bereich von Informations- und Kommunikationstechnologie geht. Vor allem in der Hauptstadt Vilnius boomen die Start-ups. Seit November 2016 befindet sich in der litauischen Hauptstadt auch Nordeuropas größter Start-up-Hub. Der Tech Park Vilnius bietet auf rund 9.000 Quadratmetern Platz für ca. 700 Mitarbeiter. Bereits zur Eröffnung waren fast alle Räume vermietet. Mehr als 20 Start-ups haben sich im Tech Park angesiedelt, sowie etablierte Unternehmen und Freelancer.

Mehr als 300 Start-ups im Jahr 2016

Litauen ist ein gutes Pflaster für Unternehmensgründer. Die Zahl der neuen Firmen wächst konstant. 2016 gab es nach Angaben des litauischen Wirtschaftsministeriums 316 Start-ups, die insgesamt 1.560 Mitarbeiter beschäftigt haben. Das sind 43 Neugründungen mehr als im Jahr 2015, in dem insgesamt 1370 Mitarbeiter bei Start-ups beschäftigt waren. 2014 wurden 201 Start-ups gezählt, 2013 waren es 123. Auch der Umsatz der Start-ups steigt seit 2012 jährlich um rund acht Prozent. 2015 lag er insgesamt bei 35,3 Millionen Euro.

Durststrecke beim Risikokapital für Start-ups

Techpark Vilnius Modell
Modell des Vilnius Tech Parks. Hier finden auch kleine Start-ups gute Arbeitsbedingungen. Bildrechte: Vilnius Tech Park

Die Kapitalbeschaffung für Unternehmensgründer erwies sich im Jahr 2016 aber als schwieriger. Sie betrug im Vergleich zum Jahr 2015 nur noch ein Achtel, schrumpfte von knapp 46 Millionen Euro auf 5,8 Millionen Euro. Die Ursache liegt vor allem darin, dass inzwischen nur noch einer von sechs Risikokapitalfonds aktiv ist. Wie der litauische Wirtschaftsjournalist Darius Verseckas erklärt, bedeutete das EU-Programm JEREMIE (Joint European Resources for Micro to Medium Enterprises) vor einigen Jahren den Durchbruch für die Start-up-Szene in Litauen. Nun warte man auf neue Förderung durch die EU und neue Risikokapitalfonds.

Die Statistik für 2016 wird außerdem dadurch getrübt, dass die Online-Kleiderbörse "Vinted", die Mutter des deutschen "Kleiderkreisels", im Vorjahr außerordentlich viel, nämlich mehr als 25 Millionen Euro von Risikokapitalfonds und vom deutschen Medienkonzern Burda akquirieren konnte.

Klein, aber kreativ

"Vinted" ist das größte Start-up in Litauen. Es beschäftigt mehr als 100 Mitarbeiter. Manch einer wollte damals diesen Erfolg schon mit der Gründung des Internettelefon-Anbieters "Skype" im Jahr 2003 in Estland vergleichen. Die meisten Neugründungen sind viel kleiner, setzen aber kreative Ideen um. Vor allem in Nischen stößt man schnell auf litauische Produkte und Angebote. So ist zum Beispiel das weltweit erste kabelfreie Sonar für Angler eine litauische Erfindung.

Hoher Stellenwert von Mathe und Informatik

Mantas Mikuckas (l), Geschäftsführer von Vinted, und Darius Verseckas (r), Journalist der Wirtschaftszeitung "Verslo žinios) im Büro von Vinted.
Der Wirtschaftsjournalist Darius Verseckas (r) im Gespräch mit dem Geschäftsführer des erfolgreichen litauischen Start-ups Vinted, Mantas Mikuckas. Bildrechte: Verslo žinios/Vladimiras Ivanovas

Doch was macht Litauen außer der guten Versorgung mit schnellem Internet so attraktiv für Unternehmensgründer? Darius Verseckas von der litauischen Wirtschaftstageszeitung "Verslo žinios" sieht folgende Gründe: "Erstens wurden in Litauen gute Spezialisten an den Universitäten ausgebildet. Die Studienprofile sind stark von Mathematik, Physik, Informatik und Biotechnologien geprägt. Viele Absolventen bekamen gute Jobs in der Wirtschaft, aber manche wollten etwas Eigenes machen." Der Durchbruch sei dann mit dem EU-Programm JEREMIE gekommen.

Bezüglich der künftigen Kapitalgewinnung für Unternehmensgründer zeigt sich Verseckas vorsichtig optimistisch. Er weist auf den von der EU-Förderung unabhängigen Risikokapitalfonds "Nextury Ventures" hin. Dieser wurde von Ilja Laurs, dem Gründer des erfolgreich entwickelten und verkauften Start-up "GetJar" aufgesetzt. Es gebe auch immer mehr von den sogenannten Wirtschafts-Engeln. Das sind erfolgreiche Unternehmer, die ohne viel Aufhebens in Start-ups investieren. Dennoch sieht Verseckas noch großen Bedarf und hofft auf eine Initialzündung:

Litauen braucht immer noch eine richtige eigene Skype-Story, damit die Investitionen aktiver fließen und nicht nur aus den EU-Fonds.

Ob ganz große IT-Start-ups entstehen können, hängt aber auch davon ab, ob die Gründer ausreichend Mitarbeiter im Land finden. Gerade im IT-Bereich herrscht Fachkräftemangel. Für kleinere Start-ups in allen Branchen scheinen die Bedingungen besser zu sein. Hubs wie der Tech Park Vilnius bieten diesen passende Bedingungen. Und Litauen will künftig vermehrt ausländische und auch nicht-europäische Firmengründer anziehen. Für sie wurde die Visafreiheit eingeführt, um ihnen Aufenthalt und Arbeit im Land zu erleichtern.

Über dieses Thema berichtet HEUTE IM OSTEN auch im TV: 18.03.2017 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. März 2019, 10:58 Uhr

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