Parkplatznot in Prag
Vorsicht, blaue Striche! Hier dürfen Touristen in Prag auf keinen Fall parken. Bildrechte: MDR/Helena Sulcova

Tschechien Parkplatznot in Prag!

Besser nicht mit dem Auto nach Prag kommen! Das empfiehlt unsere tschechische Ostbloggerin Helena Sulcova allen Besuchern ihrer Heimatstadt dringend. Nicht nur, dass tausende Parkplätze fehlen ... Nein, auch das Parksystem erschließt sich Touristen nicht auf den ersten Blick. Wer dennoch mit seinem fahrbaren Untersatz in Tschechiens Hauptstadt fahren möchte, dem sei die folgende Lektüre empfohlen.

von Helena Šulcová 

Parkplatznot in Prag
Vorsicht, blaue Striche! Hier dürfen Touristen in Prag auf keinen Fall parken. Bildrechte: MDR/Helena Sulcova

Autobahn hin, Autobahn her: Mit dem Auto nach Prag zu fahren, ist trotz der seit Ende 2016 durchgängigen Schnellverbindung von Dresden keine gute Idee. Wie eine Studie der Agentur STEM/MARK aus dem letzten Jahr zeigt, haben neun von zehn Autofahrern ein Problem, in Prag einen Parkplatz zu finden. Das ist schade, denn per Auto über die A17/D8 kommt man am schnellsten in die tschechische Hauptstadt - von Dresden in anderthalb Stunden, von Leipzig in zweieinhalb. Mit dem Bus dauert die Fahrt etwas länger. Mit dem Zug muss man von Dresden fast zweieinhalb Stunden einplanen, von Leipzig aus mehr als vier. Das Auto ist also die schnellste Variante, aber nicht die schlaueste. 

Viel zu wenig P+R-Plätze

Wenn man aber unbedingt mit dem Auto nach Prag fährt, sollte man das Fahrzeug am Rande der Stadt abstellen. Dazu gibt es auch in meiner Heimatstadt sogenannte Park-and-Ride-Plätze. Wer über die A17/D8 nach Prag kommt, kann P+R in Prag-Letňany nutzen. Wer über die D5 bzw. A6 anreist, finden in Prag-Zličin - dem westlichsten Teil der Stadt - sogar drei P+R-Plätze. Diese Parkplätze sind in Prag Teil des öffentlichen Nahverkehrs und sehr günstig: 20 Kronen (80 Cent) pro Tag, 100 Kronen (4 Euro) pro Nacht.

Insgesamt gibt es in Prag 16 P+R-Anlagen. Da könnte man denken: Hier finde ich immer einen Parkplatz! Dies stimmt aber leider nicht. An jedem Wochentag werden im Schnitt 318.500 Autos nach Prag gesteuert. Platz in P+R-Anlagen gibt es aber nur für 3.500 Pkw - also nur für etwas mehr als ein Prozent dieser Pendler. Das ergab eine Studie von 2018, die die Fakultät für Verkehrswissenschaften der Technischen Universität in Prag veröffentlicht hat. 

Touristen sollten blaue Zonen meiden!

Also gleich mit dem Auto ins Zentrum der tschechischen Metropole vordringen? Das ist genauso wenig eine Lösung. Die 90.000 Parkplätze im Prager Zentrum und der näheren Umgebung reichen bei Weitem nicht für Anwohner, Pendler, Lieferanten und noch die Touristen. Zwei Drittel dieser Parkplätze sind für die Anwohner vorgesehen und mit blauen Streifen gekennzeichnet. Die Anwohner müssen eine Parkkarte kaufen, um in diesen Zonen parken zu können. Damit sichern sie sich den Parkplatz aber auch nicht automatisch.

Katka - eine Freundin von mir - wohnt in Prag 3, im Kult-Viertel Žižkov - oft Prager Kreuzberg genannt. Sie arbeitet als Maskenbildnerin für Fernsehen und Film. Täglich muss sie zu verschiedenen Drehorten fahren. Mit dem schweren Schminkkoffer ist das nur per Auto zu schaffen. Tagsüber kämpft sie mit den ständigen Staus, aber die größte Herausforderung erwartet sie am Abend: in Žižkov einen Parkplatz zu finden. Die Stadtverwaltung des dritten Bezirks von Prag hat 16.428 Parkkarten an Anwohner ausgegeben. Doch Parkplätze gibt es nur für 14.879 Autos. Touristen dürfen in den blauen Zonen gar nicht parken. Damit riskieren sie eine Strafe, eine Kralle am Rad oder sogar das Abschleppen des Autos. 

Parkschild in Prag
Hier dürfen nur Anwohner mit gültiger Parkerlaubnis ihr Auto abstellen - vorausgesetzt, es gibt noch freie Plätze. Bildrechte: MDR/Helena Sulcova

Wohin mit den vielen Touristen?

In Prag leben offiziell 1,3 Millionen Menschen. In der Metropolregion zwei Millionen Menschen. Prag gehört zu den am meisten besuchten Städten Europas. 2018 zählte die tschechische Hauptstadt 21 Millionen Übernachtungsgäste. Die Stadt ist übervoll und dies wirkt sich auf den Verkehr aus. Da, wie erwähnt, 90 Prozent der Autofahrer in Prag nur schwer einen Parkplatz finden, dauert die Suche nach einer Parkmöglichkeit oft länger als die Fahrt selbst. 

Orange, lila, grün  

Autofahrende Besucher der Stadt sollten immer auf die Parkzonen achten. Eigentlich muss man eine Weile in Prag gelebt haben, bevor man sich im Farbschema der Parkzonen auskennt. Neben der blauen Zone für Anwohner gibt es noch gemischte Lila-Zonen, wo neben den Anwohner auch Besucher parken dürfen, in orangen Zonen darf man nur zwei Stunden parken und in grünen Zonen sechs Stunden. 

Parkplatznot in Prag
Auch in den Seitenstraßen von Prag ist es ein Glücksfall, wenn man einen Parkplatz findet. Bildrechte: MDR/Helena Sulcova

Parken im Zentrum teurer

Am Karlsplatz in Prag kann man für 40 Kronen pro Stunde (1,60 Euro) parken. Im Zentrum findet man Parkplätze auch in der Tiefgarage im Nationaltheater: Für den ersten Tag bezahlt man dort 720 Kronen (28 Euro), jeder weitere Tag kostet 480 Kronen (19 Euro). In der Rudolfinum-Garage, die sich in der Nähe der Karlsbrücke befindet, bezahlt man 660 Kronen (26 Euro) pro Tag. 

Mein Tipp:

Auch wenn man dank der Autobahn schnell in Prag ist, sollte man es sich zweimal überlegen, ob es sich überhaupt lohnt, mit dem Auto zu fahren. Die Stadt entdeckt man am besten zu Fuß, wenn man sportlich ist, oder mit dem öffentlichen Nahverkehr. Dieser gehört zu den besten der Welt, nach Hongkong, Zürich, Paris und Seoul. 

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell auch im: TV | 20.09.2017 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2019, 09:53 Uhr

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