Petro Poroshenko gestikuliert bei einer Ansprache, 2015 in Kiew.
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Ukraine Petro Poroschenko: Skandal um heimlichen Malediven-Urlaub

Mr. Incognito Petro Ukraine – dieser Name tauchte Anfang Januar auf der Gästeliste eines Luxusressorts auf den Malediven auf. Der Gast: angeblich Petro Poroschenko, das Staatsoberhaupt der Ukraine.

von Denis Trubetskoy

Petro Poroshenko gestikuliert bei einer Ansprache, 2015 in Kiew.
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Die ukrainische Fernsehsendung "Schemy" ist bei ihren Zuschauern bekannt dafür, dass sie Korruption und politische Skandale aufdeckt. Meist sind es ranghohe Politiker, allerdings ohne internationale Bedeutung, die das Magazin ins Visier nimmt. Doch dieses Mal ist es kein geringerer als Petro Poroschenko. Sein Urlaub zum Jahreswechsel ist es, der die Journalisten stutzig macht. Dass auch ein Präsident mal Urlaub macht, ist nicht verwunderlich. Doch die Umstände der Reise geben den Ukrainern Rätsel auf – und sorgen für Unmut.

Die Geschichte beginnt am 1. Januar: ein Charter-Flugzeug mit zehn Passagieren an Bord soll von Kiew aus auf die Malediven fliegen. Die Passagiere betreten das Flugzeug vom VIP-Bereich des Airports aus. Keiner der Namen auf der Passagierliste ist in der Ukraine bekannt. Doch obwohl es sich um "Nonames" handelt, wird sowohl am Tag des Hin- als auch des Rückflugs die Ehrengarde des ukrainischen Präsidenten am Flughafen in Kiew gesichtet.

"Mr. Incognito"

Die Redaktion von "Schemy", geht der Frage nach, warum. Obwohl der Name Poroschenko nicht auf der Passagierliste auftaucht, steht schnell der Verdacht im Raum, dass es der Präsident war, der hier gereist ist. Recherchen führen die Reporter zu einem der teuersten Touristen-Ressorts der Malediven. Dort gibt es eine Buchung auf den Namen: "Mr. Incognito Petro Ukraine".

Benutzten Poroschenko und seine Familie falsche Namen für eine private Auslandsreise? Anders ist die Passagierliste des Flugzeuges nicht zu erklären. Das ist zwar rechtlich grundsätzlich denkbar, allerdings für den Fall, dass  sich der Präsident in Gefahr befindet und eine solche Maßnahmen notwendig sind.

Präsident verlässt "unentschuldigt" seinen Arbeitsplatz?

Die große Frage ist zudem, ob Poroschenko und seine Familie überhaupt die Passkontrolle passierten. "Zwischen dem Ankommen der Ehrengarde am Flughafen und dem Start des Flugzeugs sind vier Minuten vergangen", schreibt Natalja Sedlezka, eine der Autorinnen von "Schemy". "Ist es also dem Präsidenten erlaubt, das Land ohne Passkontrolle zu verlassen? Dass acht Erwachsene und zwei Kinder diese innerhalb von vier Minuten passiert haben ist schließlich fast unmöglich."

Angela Merkel und Petro Poroschenko, 2014
Angela Merkel und Petro Poroschenko. Bildrechte: imago/Metodi Popow

Die wichtigste Frage, die sich stellt, ist aber eine andere: Petro Poroschenko hat keinen Urlaub beantragt. Folglich hätte er in der besagten Woche sein Amt als Präsident ausüben müssen.  Was bedeutet das nun: dass der ukrainische Präsident eine Woche lang "unentschuldigt" nicht an seinem Arbeitsplatz und nicht einmal im Land war?

Das Presseteam des ukrainischen Präsidenten muss schließlich einräumen, dass es tatsächlich Poroschenko war, der da auf die Malediven gereist ist. "Wir haben diese Informationen aus Sicherheitsgründen nicht vorher veröffentlicht", heißt es in der entsprechenden Stellungnahme. Politologen und Abgeordnete, die dem ukrainischen Staatsoberhaupt nahe stehen,  haben der Sendung "Schemy" vorgeworfen, im Sinne des Kremls zu agieren. "Es ist doch kein Zufall, dass Wladimir Putin auf seiner Pressekonferenz am 11. Januar als Erster den Urlaub Poroschenkos angesprochen hat", sagte zum Beispiel der Politologe Wiktor Ukolow.

Der heimliche Ausflug erinnert manch einen in der Ukraine allerdings an die Flucht des Ex-Präsidenten Wiktor Janukowitsch am 21. Februar 2014.

Wiktor Janukowytsch, 2014 auf einer Pressekonferenz
Wiktor Janukowitsch war von 2010 bis 2014 Präsident der Ukraine. Bildrechte: dpa

Damals war Janukowitsch aus Kiew geflohen, am Tag darauf wurde er vom ukrainischen Parlament entmachtet. "Im Grunde genommen ist es das Gleiche, was Janukowitsch damals gemacht hat. Wer hat bitte schön in dieser Woche das Land regiert?", fragt sich zum Beispiel der ehemalige Abgeordnete und Politologe Oles Donij.

Luxusreise für 500.000 US-Dollar

Die Malediveninsel Reethi Beach
Die Malediveninsel Reethi Beach Bildrechte: IMAGO

Es sind aber nicht nur die politischen Fragen, die die Ukrainer wegen der Inkognito-Reise ihres Präsidenten umtreiben. Laut "Schemy" kosteten allein die Charter-Flüge hin und zurück rund 188 000 US-Dollar. Eine Nacht in dem Ressort mit Privatvilla, Pool, Spa und Privatstrand beläuft sich auf 46 000 USD. Insgesamt soll die Reise 500.000 US-Dollar gekostet haben. Die Redaktion von "Schemy" will herausgefunden haben, dass Poroschenko die Summe überwiegend bar bezahlt hat.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im TV: TV | 19.05.2017 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2018, 14:27 Uhr

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