Ukrainische Unternehmer Rinat Achmedow
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Ukrainischer Oligarch Achmetow: Der "König des Donbass" ist zurück

Rinat Achmetow ist der reichste Mann der Ukraine. Der einstige "König des Donbass" gewinnt nach langer Krise wieder an Vermögen und Einfluss. Auch, weil er sich mit seinem Ex-Rivalen, Präsident Poroschenko, arrangiert hat.

von Denis Trubetskoy

Ukrainische Unternehmer Rinat Achmedow
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Lange galt der aus Donezk stammende Unternehmer Rinat Achmetow nicht nur als reichster, sondern auch als mächtigster Mann der Ukraine. Er wurde wie viele andere ukrainische Oligarchen in den 1990er Jahren groß. Damals hatte er aus dem Nichts eine Bank gegründet und "plötzlich" seine erste Million verdient.  Doch 2014 kam die pro-westliche Maidan-Revolution und der darauffolgende Krieg im Osten der Ukraine gefährdete Achmetows Machtposition. Denn hier hatte sich der 51-Jährige ein riesiges Kohleimperium aufgebaut.

Schaden durch den Krieg

Weil sich viele Bergwerke seines Energiekonzerns DTEK auf dem von pro-russischen Separatisten besetzten Gebiet befanden, sahen die Aussichten für den reichsten Mann der Ukraine zunächst düster aus. Es schien als ginge Achmetows Glanzzeit zu Ende. Nicht nur sein Vermögen war damals von geschätzt 16 Milliarden US-Dollar auf nur 2,3 Milliarden geschrumpft. Selbst sein Fußballclub Schachtjar Donezk fristete knapp zwei Jahre lang ein Exil-Schicksal im westukrainischen Lemberg.

Als Reaktion auf die ukrainische Handelsblockade des Donbass begannen die Separatisten dann im Februar 2017, ukrainische Unternehmen auf dem Gebiet der selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk unter ihre Kontrolle zu nehmen. Die Folgen für Achmetows Energiekonzern DTEK und sein großes Metallurgie-Unternehmen Metinvest sollten noch gravierender aussehen: Metinvest meldete unter anderem im März 2017, dass es die Kontrolle über alle Werke auf dem Separatistengebiet verloren hatte.

Und nun das: In der neuen Bloomberg-Liste der 500 reichsten Personen der Welt wird Achmetows Vermögen plötzlich auf 5,78 Milliarden US-Dollar geschätzt, also um mehr als das Doppelte. 2017 muss ein sehr gutes Jahr für ihn gewesen sein – wie übrigens wohl für mehrere ukrainische Oligarchen, die zuvor viel Vermögen verloren hatten. So konnten zum Beispiel Wiktor Pintschuk oder Kostjantyn Schewago ihr Vermögen vergrößern.

Rein wirtschaftlich machen Branchenexperten dafür in erster Linie die deutliche Steigerung des Stahl- und Erzpreises verantwortlich. "Das ist auch nach meiner Sicht der entscheidende Faktor", betont der ukrainische Ökonom Borys Kuschnyruk gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Ukrinform: "Ich kann mir sogar gut vorstellen, Achmetows Gewinn und damit auch sein Gesamtvermögen seien eigentlich noch größer."

Neue politische Bündnisse

Außerdem heißt es, obwohl Achmetow viel durch den Krieg verloren habe, befinde sich der Großteil seines Imperiums nach wie vor auf dem von der Ukraine kontrollierten Gebiet. Doch es gibt wohl noch einen Grund für seine derzeit überraschend guten Aussichten: Sein Bündnis mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko. Ursprünglich kommen die beiden aus unterschiedlichen politischen Lagern – und weil sie zum Teil in gleichen Wirtschaftsbereichen konkurrierten, wurden sie nie beste Freunde.

Mittlerweile ist Achmetow, der nun in Kiew lebt, oft in der Präsidialverwaltung von Poroschenko zu sehen. Außerdem stimmen die beiden politischen Kräfte, die mit dem Oligarchen aus Donezk in Verbindung gebracht werden im Parlament auffallend oft zusammen mit der Präsidentenfraktion "Block Poroschenka" ab. Diese Entwicklung ist angesichts des anstehenden Superwahljahres 2019 mit Präsidentschafts- und Parlamentswahlen zumindest bemerkenswert.

Steuererleichterungen für den Oligarchen?

"Achmetow hat derzeit den größten Einfluss auf Poroschenko", meint zum Beispiel der Parlaments-Abgeordnete Wiktor Tschumak, der früher zum Block Poroschenka gehörte. "Sie haben de facto ein gemeinsames Business, das erklärt vieles." Die Rede ist unter anderem von großen Steuer-Erleichterungen von denen die Unternehmen Achmetows massiv profitieren sollen. Zu den größten Nutznießern 2016 und 2017 gehörte offiziellen Angaben zufolge DTEK, was in der Ukraine sofort einen Korruptionsverdacht aufwirft.

Die letzten Entwicklungen auf dem besetzten Gebiet im Donbass sprechen ebenfalls eher für Achmetow als gegen ihn: Vor allem der Tod des Separatistenführers Alexander Sachartschenko im August 2018, dessen militärischer Führungsstill es Achmetows Unternehmen in Donezk schwer machte. Doch auf Sachartschenko folgte nun der weniger radikale Denis Puschilin, der während des Aufstands 2014 als Mann Achmetows galt. Und so bleibt Rinat Achmetow auch im Herbst 2018 neben dem Präsidenten Petro Poroschenko wahrscheinlich der wichtigste politische Spieler in der Ukraine.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im TV: MDR | 14.03.2018 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2018, 09:47 Uhr

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