Die russische Anwältin Natalia Veselnitskaya spricht am 11.07.2017 in Moskau mit Journalisten
Die russische Anwältin Natalia Weselnitzkaja pflegt gute Kontakte in Russland und soll dem Trump-Lager vor dessen Wahl belastendes Material über seine Konkurrentin Hillary Clinton angeboten haben. Bildrechte: dpa

Serie: Trumps Russland-Kontakte Anwältin für besondere Angelegenheiten

Natalia Weselnitzkaja dürfte derzeit die bekannteste russische Anwältin sein. Seit einem publik gewordenen Treffen der 42-Jährigen mit Donald Trumps Sohn halten einige sie für das Bindeglied zwischen dem Kremlherren Wladimir Putin und dem US-Präsidenten Donald Trump. Andere wiederum glauben, Weselnitzkaja sei unfreiwillig in den bisher größten Skandal um Trumps Russland-Verbindungen geschlittert.

von Maxim Kireev

Die russische Anwältin Natalia Veselnitskaya spricht am 11.07.2017 in Moskau mit Journalisten
Die russische Anwältin Natalia Weselnitzkaja pflegt gute Kontakte in Russland und soll dem Trump-Lager vor dessen Wahl belastendes Material über seine Konkurrentin Hillary Clinton angeboten haben. Bildrechte: dpa

Beim Treffen während des US-Wahlkampfes soll die russische Anwältin Natalia Weselnitzkaja dem Trump-Lager belastendes Material über die politische Konkurrentin - die damalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton - angeboten haben. Es wird derzeit viel über das Warum spekuliert. Ein naheliegendes Motiv wäre, dass sie sich mit solch einem Angebot für ein Treffen interessant machen wollte. Weselnitzkaja selbst sagt, sie sei im Auftrag von Russen unterwegs gewesen, die von US-Sanktionen betroffen sind. Sie sollte ein Ende dieser Sanktionen erwirken.

Auffällige Mandantenliste

Sie selbst behauptet, sie habe nie für den russischen Staat gearbeitet. Auch der Sprecher des russischen Präsidenten ließ verlautbaren, eine Natalia Weselnitzkaja sei dem Kreml nicht bekannt. Tatsächlich gibt es bisher keine Belege, dass die Verbindungen der Russin bis in die höheren Machtetagen Russlands reichen.

Dennoch ist sie kein unbeschriebenes Blatt. Bereits vor Jahren hatten russische Journalisten die Frau ins Visier genommen. Auffällig oft war sie als Verteidigerin in Prozessen aufgetaucht, bei denen es meist um Grundstücksstreitigkeiten im Moskauer Umland ging.

Ehemann mit besten Kontakten

Ihre Karriere begann Weselnitzkaja 1999 in der Staatsanwaltschaft des Moskauer Oblast, der Region rund um die Hauptstadt. Dort lernte sie ihren späteren Mann Alexander Mitusow kennen, den stellvertretenden Generalstaatsanwalt der Region mit besten Verbindungen zu regionalen Richtern. Von seinen Verbindungen profitiert Weselnitzkaja bis heute. Auffällig oft gewannen ihre Mandanten.

Später wechselte ihr Mann ins Transportministerium der Region und wurde dort stellvertretender Minister. Sein Vorgesetzter, der Verkehrsminister des Moskauer Umlandes, Pjotr Katzyw, machte sie zu einer Art Familienanwältin. Hier begann auch die Verkettung der Bekanntschaften, die Weselnitzkaja schließlich mit Trump Junior zusammenbrachte.

Verstrickungen in "Magnitzkij-Fall"

In ihrer Position konnte sich Weselnitzkaja um ihre Paradedisziplin kümmern: zwielichtige Grundstücksdeals. Im Jahr 2012 wurde der Sohn des Transportministers, Denis Katzyw, in den USA der Geldwäsche beschuldigt. Die Vorwürfe sind Teil eines anderen Skandals, der international als "Magnitzkij-Fall" bekannt wurde. Damals hatte der russische Anwalt Sergej Magnitzkij illegale Steuerrückzahlungen aus der Staatskasse in Höhe von 230 Millionen Dollar aufgedeckt.

Daraufhin landete er jedoch selbst wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung in Untersuchungshaft, wo er nach elf Monaten unter ungeklärten Umständen verstarb. Der Verdacht: Hohe russische Beamte wollten so die illegalen Geschäfte vertuschen. Nach Magnitzkijs Tod verabschiedeten die USA daher ein Gesetz, das zahlreichen russischen Verantwortlichen, die in den Fall verwickelt sind, die Einreise in die USA verbietet und deren Aktiva einfriert. Und das trifft auch Mandanten von Anwältin Weselnitzkaja.

Bluff mit Folgen

Der Sohn des regionalen Transportministers, Denis Katzyw, soll zum Beispiel etwa 14 der 230 Millionen Dollar in die USA überführt haben. Weselnitzkaja hatte für ihren Mandanten eine Einstellung des Verfahrens für eine Vergleichszahlung in Höhe von sechs Millionen Dollar erwirkt. Beim Treffen mit Trump Junior wollte sie nach eigenen Angaben die komplette Abschaffung der Sanktionen diskutieren.

Deshalb sei sie auch vom Immobilienunternehmer Aras Agalarow, dem "Trump Russlands" und dessen Sohn begleitet worden. Ihre angeblichen Informationen zu Clinton, ihr Vorwand für das Treffen am 9. Juni 2016, entpuppten sich dabei offenbar als Luftnummer. Dabei sei gar nichts heraus gekommen, sagte Donald Trump Junior gegenüber dem US-Sender Fox News.

Weiterer Gast in der Runde

Wenige Tage später meldete sich aber noch ein weiterer Gesprächsteilnehmer in der Öffentlichtkeit: Rinat Achmetschin ist ein russischer Lobbyist, der für diverse politische Akteure in Osteuropa und Zentralasien arbeitet. In der Sowjetunion war er außerdem Mitglied einer Spionageabwehr-Einheit der Armee. Eine Verbindung zum Kreml bestreit Rinat Achmetschin aber ebenso vehement wie Natalia Weselnitzkaja.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 04. Januar 2018 | 00:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2017, 08:57 Uhr

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