Das Bild stammt von Februar 2015. Hier eine Straße im Donbass, zwischen Vuhlehirsk und Debaltseve.
Kämpfer im Donbass. Das Bild stammt vom Februar 2015. Bildrechte: dpa

Serbien | Ostukraine Serbische Soldaten im Krieg für Russland

Seit Jahren sollen freiwillige Kämpfer und Söldner aus Serbien auf der Seite der Separatisten in der Ostukraine kämpfen. Kiew ist erbost, dass Belgrad nur wenig dagegen unternimmt, auch wenn darauf Haftstrafen stehen.

von Andrej Ivanji

Das Bild stammt von Februar 2015. Hier eine Straße im Donbass, zwischen Vuhlehirsk und Debaltseve.
Kämpfer im Donbass. Das Bild stammt vom Februar 2015. Bildrechte: dpa

Das Herz der Serben schlägt für die Russen - für Dostojewski und Tolstoi oder für die russischen Lieder. Auch ist Russland für die Serben die große orthodoxe Schutzmacht. Im Land heißt es oft, Russland hat uns – anders als der Westen - nie bombardiert. Umgekehrt gilt damit: Wenn Russland im Krieg ist, dann steht Serbien hinter Russland.

Entschieden gegen Russland-Sanktionen

So steht man auch hinter Moskau, seitdem der Konflikt in der Ukraine begann. Natürlich ärgert das die ukrainischen Diplomaten in Belgrad. Es ärgert sie, wie es auch Washington und Brüssel verärgert, dass die serbische Regierung entschlossen gegen Russland-Sanktionen ist - trotz der Mahnungen, dass ein Land, das EU-Mitglied werden möchte, seine Außen- und Sicherheitspolitik in Einklang mit der europäischen Gemeinschaft bringen müsse.

Geheimdienstliste von serbischen Militärs

Ukrainischer Botschaft in Serbien, Oleksandr Aleksandrovych
Der ukrainische Botschafter in Serbien, Oleksandr Aleksandrovych, im Dezember 2016 mit dem serbischen Außenminister Ivica Dacic. Bildrechte: dpa

Neulich ärgerte es den ukrainischen Botschafter in Serbien, Oleksandr Aleksandrovych, mächtig, dass die serbischen Behörden nicht auf eine vom ukrainischen Geheimdienst zugestellte Liste mit serbischen Freischärlern reagierte, die auf der russischen Seite kämpften oder noch kämpfen sollen. Das serbische Gesetz verbietet es Staatsbürgern, sich an fremden Kriegsschauplätzen zu beteiligen. Wer sich nicht daran hält, dem drohen Haftstrafen.

Aus Kiew heißt es, man habe die serbischen Behörden bereits 2014 über den Kampfeinsatz von Serben in der Ukraine informiert. Die jüngsten Informationen habe es in diesem Jahr dazu gegeben. Das serbische Außenministerium bestreitet das. Einige serbische Medien "erinnern" nun erbittert daran, dass die Ukraine während des Jugoslawien-Krieges Waffen an die "Feinde der Serben" verkauft hätte.

Wie viele serbische Kämpfer gibt es?

In Serbien spricht man von rund 300 Freischärlern, die auf der russischen Seite in der Ukraine kämpfen sollen. Manche aus Abenteuerlust, manche als Söldner, weil sie Geld brauchen. Viele haben Kriegserfahrung aus den 1990er-Jahren in Jugoslawien. "Die Zahl ist übertrieben", meint der serbische Militärexperte Miroslav Lazanski. Manche Serben seien einfach in den Donbass gegangen, um ein Selfie vor einem Panzer oder mit einer Kalaschnikow in der Hand zu machen. Erst wenn Ermittlungen durchgeführt würden, würde man wissen, wie viele serbische Staatsbürger tatsächlich im Kampfeinsatz waren, meint Lazanski.

Doch genau das wirft die Kiew Führung der Belgrader Regierung vor, dass nicht ermittelt werde. Als sich jahrelang nichts bewegte, veröffentlichte der ukrainische Geheimdienst neulich eine Liste von sechs serbischen Staatsbürgern und Serben aus Bosnien, gegen die es konkrete Beweise geben soll. Die Liste soll erst der Anfang sein. Eine erweiterte Übersicht soll folgen.

Medienberichte über beteiligte Kämpfer

Die unabhängige TV-Produktion "Insajder" berichtete im März dieses Jahres in einer Sendung unter dem Titel "Glaubensbrüder" über 24 serbische Freischärler in der Ukraine, die in Serbien zu minimalen Haftstrafen verurteilt worden sind oder sogar zur Bewährung auf freiem Fuß blieben – obwohl das Gesetz Haftstrafen zwischen einem halben und zehn Jahren dafür vorsieht

Der bekannteste serbische Freischärler in der Ukraine ist der ehemalige Journalist und Mediensprecher einer serbischen Polizeispezialeinheit, Dejan Počuča. Er ging zu Beginn des Konflikts im Frühjahr 2014 in die Ukraine und schrieb über seinen Kriegseinsatz regelmäßig auf Facebook. Ein Jahr später wurde er in Serbien festgenommen und zu anderthalb Jahren verurteilt, die ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Bosnischer Außenminister wiegelt ab

Je nach Konfession beteiligen sich Freischärler aus Serbien, Bosnien oder dem Kosovo auf verschiedenen Kriegsschauplätzen in der Welt. Dass empört den bosnischen Außenminister Igor Crnadak nicht. Unlängst erklärte  er: "Serbien und Bosnien sollten nicht wegen einiger Verrückter gebrandmarkt werden, die in fremde Länder gehen, um dort zu schießen. Wir können nicht jeden kontrollieren, aber wir sind entschlossen, dagegen zu kämpfen".

Zuletzt aktualisiert: 24. November 2017, 06:00 Uhr