Ukraine Donezk: Sex-Hochburg im Separatistengebiet

Das Geschäft mit dem Sex in Donezk boomt. Der Krieg in der Ostukraine und die fehlende staatliche Kontrolle begünstigen diese Entwicklung. Die Leidtragenden sind die Sexarbeiterinnen.

von Denis Trubetskoy

Seit einigen Wochen kehren immer mehr Menschen nach Donezk zurück, die wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen aus der Ostukraine geflüchtet waren. Zwar liegt die Stadt nur rund 20 Kilometer von der gegenwärtigen Frontlinie entfernt, das Leben in Donezk halten dennoch viele inzwischen für relativ sicher. Schusswechsel auf offener Straße sind selten. Das "Restrisiko" nehmen viele in Kauf. Und kehren zurück in das von prorussischen Separatisten kontrollierte Gebiet.

Doch die Lebensbedingungen haben sich dort verändert. Unter dem Krieg hat die Infrastruktur stark gelitten, es gibt kaum Arbeit. Für staatliche Institutionen ist die Finanzierung halbwegs gesichert, denn das Geld kommt jetzt aus Russland. Die Privatwirtschaft hat jedoch zu kämpfen. Das Resultat: ein Großteil der Bevölkerung ist von Armut bedroht.

Die Prostitution blüht

Diese Faktoren begünstigen den Boom der Sexbranche. Bereits vor Beginn des Ostukraine-Krieges im April 2014 galt Donezk neben Odessa als Hochburg der ukrainischen Sex- und Pornoindustrie. Mit Beginn der Kämpfe ging das Geschäft jedoch stark zurück, denn die Sexarbeiterinnen verließen entweder die Region oder hörten aus Angst auf.

Nun sind viele Prostituierte in die Stadt zurückgekehrt. Für Frauen aus armen Verhältnissen ist das Geschäft mit dem Sex oft die einzige Möglickeit an Geld zu kommen. Die Folge: "Auf einmal gab es doppelt so viele Frauen auf dem Markt", erzählt eine Prostituierte dem Online-Magazin "Ostrow".

Soldaten misshandeln Frauen

Zerstörter Flughafen Donezk
Zu den Kunden der Prostituierten in Donezk gehören vor allem Soldaten. Bildrechte: dpa

Die wichtigsten Kunden der Bordelle sind Soldaten. Die Armee der "Volksrepublik" ist eine Vertragsarmee, die indirekt aus Russland bezahlt wird. Die Soldaten bekommen daher ein relativ stabiles Gehalt – im Unterschied zu den meisten anderen Bevölkerungsgruppen. "Es gibt Salons, die voll auf Soldaten ausgerichtet sind. Sie bringen gutes Geld – und es lohnt sich, sie als Stammkunden zu gewinnen", berichtet die Prostituierte weiter.

Doch die Arbeit in der Sexbranche ist nicht ungefährlich. Prostituierte erzählen von Soldaten, die nicht bezahlen wollten und sie deshalb geschlagen haben. Außerdem entstanden viele Elitesalons, in denen die Offiziere der Separatistenarmee exklusiv bedient werden. Auch von Vergewaltigungen ist die Rede. Die Sexarbeiterinnen setzen sich zudem noch einer weiteren Gefahr aus: Geschlechtskrankheiten und HIV sollen sich rasant ausbreiten. So ist die Anzahl der offiziell registrierten Fälle 2016 im Vergleich zum Vorjahr um das 1,5-fache gestiegen.

Hochburg des Sexcam- und Pornomarkts

Auch russische Sexcam-Anbieter sind in den Separatistengebieten tätig. Denn die Frauen, die sich hier vor der Kamera ausziehen sind besonders "billig". Die Kunden kommen meistens aus dem Westen. "Donezk ist in dem Bereich eine Hochburg, weil das hier ein rechtsfreier Raum ist", erzählt eine Insiderin: "Die Frauen sind sehr oft minderjährig und werden schlecht bezahlt. Und es reichen Schmiergeldzahlungen an die Behörden der Volksrepublik, damit diese dem Problem nicht nachgehen."

Auch russische Pornofilme werden verstärkt in Donezk gedreht, denn die Produktion ist im Vergleich zu anderen Orten deutlich billiger. "Einen Pornofilm in Russland zu drehen, kostet mindestens zweimal so viel", verrät die Insiderin.

Prostitution auf beiden Seiten der Grenze

Der Boom rund um die Sexbranche ist ein grenzübergreifendes Problem. Ähnliche Tendenzen sind auch in dem von der Ukraine kontrollierten Gebiet zu beobachten. "Manchmal werden in der Ukraine sogar Prostituierte aus Donezk bestellt. Das kostet zwar deutlich mehr, die Separatistenführung lässt das allerdings zu", sagt eine Prostituierte dem Onlinemagazin "Ostrow". Dem Krieg in der Ostukraine fallen so auch abseits der Schlachtfelder täglich Menschen zum Opfer.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: MDR aktuell | 12.05.2017 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Dezember 2017, 10:48 Uhr

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