Silvesterbräuche in Ungarn Linsen, Pogatschen und die Nationalhymne

In Ungarn gibt es etliche Silvesterbräuche: Es werden Linsen gegessen in der Hoffnung, sie mögen Glück bringen, es wird der Wein gesegnet und um Mitternacht singen alle Ungarn mehr oder weniger inbrünstig die Nationalhymne.

Feuerwerk im Budapester Millenáris Park, 2011
Feuerwerk im Budapester Millenáris Park Bildrechte: IMAGO

In vielen ungarischen Familien war es einst gute Tradition, am letzten Tag des Jahres Glückspogatschen zu backen und in dem Salzgebäck Geldmünzen zu verstecken. Wer die Münzen fand, würde, so der Glaube, sehr glücklich im kommenden Jahr sein.

Die Mädchen versuchten aber auch, etwas über ihr künftiges Liebesglück zu erfahren. Punkt Mitternacht wurden 13 Knödel gekocht, in 12 davon Zettelchen mit Männernamen versteckt. Der Knödel, der als erstes aus dem Wasser auftauchte, verriet den Namen des zukünftigen Ehemannes. Das Mädchen, das den Knödel ohne Zettel gefunden hatte, konnte im kommenden Jahr mit keinem Bräutigam rechnen.

In der Silvesternacht und am Neujahrstag versuchte man aber auch, mit der Auswahl der Gerichte die Zukunft der Familie positiv zu beeinflussen. So durfte man auf keinen Fall Geflügel essen, da Hühner, Enten oder Gänse das Glück wegscharren; Ferkel hingegen galten als sehr empfehlenswert, da Ferkel das Glück ins Haus wühlen. Wer Fisch aß, musste unbedingt mit dem Schwanz beginnen, so konnte man verhindern, dass der Fisch mit dem Glück davonschwimmt.

Linsen bringen Geld

Erhalten hat sich bis heute ein besonderer Brauch: In der Silvesternacht und am Neujahrstag isst eigentlich jede ungarische Familie Linsensuppe. Der Grund: Linsen symbolisieren Geld. Und wer viele Linsen isst, wird, der Überlieferung nach, reich werden.

Gesegneter Wein heilt

Alt ist auch ein anderer Brauch: Bevor das neue Jahr anbricht, lassen viele Winzer in Ungarn ihre Weine in der Kirche weihen, um die Qualität des Weines zu verbessern. Dem Wein wurden schon immer magische Kräfte zugeschrieben, sogar die Kirche hat diesen eigentlich heidnischen Glauben übernommen. In den ungarischen Weinanbaugebieten war der Brauch des Weinsegnens jahrhundertelang sehr verbreitet - bis er in den Jahren des Kommunismus verboten wurde.

Weinflaschen stehen auf enem Altar
Wein wird in einer Kirche in Sopron gesegnet Bildrechte: Piroschka Bakos

Nach der Zeitenwende 1989 wurde der Brauch allmählich wiederbelebt, wie etwa 2008 in Sopron. Die Soproner Winzer bringen eine Flasche von jeder Sorte in die "Kirche des Heiligen Geistes" und lassen sie vom Priester segnen. In manchen Regionen Ungarns glaubt man sogar, dass der geweihte Wein auch Krankheiten heilen könne, vor allem Hals- und Ohrenentzündungen.

Patriotische Ungarn

Punkt Mitternacht werden alle Ungarn patriotisch. Egal, ob auf der Straße, begleitet vom Knallen der Böller, auf einer Party mit lauter Musik oder besinnlich im Familienkreis - Mitternacht hält man inne, zählt laut die noch verbleibenden Sekunden des alten Jahres und singt dann mehr oder weniger inbrünstig die erste Strophe der Nationalhymne:

Herr, segne den Ungarn // Mit Frohsinn und mit Überfluss. // Beschütze ihn mit deiner Hand, // Wenn er sich mit dem Feind schlägt. // Denen, die schon lange vom Schicksal nicht verschont, // Bring ihnen eine bessere Zeit. // Denn dies Volk hat schon gebüßt // Für Vergangenes und Kommendes.

Keine Wäsche waschen am Neujahrstag!

Maskierte Kinder zu Silvester, 1989
Maskierte Kinder Silvester in Budapest Bildrechte: IMAGO

Der ungarische Volksglaube besagt: Was man am letzten Tag des alten und am ersten Tag des neuen Jahres macht, wiederholt sich in den kommenden zwölf Monaten. Nach dem rauschenden Silvesterfest sollte man also nicht zu lange im Bett bleiben. Denn das würde ein Jahr mit Schmerzen mit sich bringen! Man sollte am Neujahrstag aber auch auf keinen Fall zum Arzt gehen - man würde in den folgenden 12 Monaten ständig krank sein. Man sollte aber auch nichts verborgen: Die Dinge würden niemals wieder zurückgebracht werden.

Nach diesen guten alten Ratschläge richtet sich heutzutage natürlich kaum noch jemand. Ein Ratschlag aber wird nach wie vor befolgt: Am Neujahrstag darf keine Wäsche gewaschen werden! Das würde nämlich unweigerlich den Tod eines Familienangehörigen nach sich ziehen.

Über dieses Thema berichtet der MDR im TV auch in "Windrose": 27.07.2008 | 16.05 Uhr