Tschechien Spielzeug
Maulwurfsfiguren kurz vor der Fertigstellung. Bildrechte: Helena Sulcova

Spielzeugparadies Tschechien

Pilsner Urquell oder Skoda - für diese Exportartikel ist Tschechien bekannt. Doch das Land ist auch der größte Spielzeug-Exporteur der EU - dank westlicher Spielzeughersteller, die im Land produzieren. Jährlich gehen Waren im Wert von fast einer halben Milliarde Euro ins Ausland.

von Helena Šulcová

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Maulwurfsfiguren kurz vor der Fertigstellung. Bildrechte: Helena Sulcova

Bei der Arbeit von Frau Petra ist höchste Konzentration angesagt. Denn mit viel Präzision malt sie kleinen Maulwurfsfiguren aus Holz die Augen an. Dabei handelt es sich nicht um irgendeine Figur, sondern um den weltbekannten kleinen Maulwurf, den der tschechische Zeichner Zdeněk Miler geschaffen hat. Petra arbeitet beim Spielzeughersteller "Detoa Albrechtice" in Nordböhmen. Auf fünf Etagen wird dort in einer alten Fabrik unweit von Zittau Holzspielzeug produziert.

Exportschlager Maulwurf

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Spielzeugherstellerin Petra bei der Arbeit. Bildrechte: Helena Sulcova

Der kleine Maulwurf ist ein wichtiger Exportartikel. Erst seit 2004 darf "Detoa" ihn produzieren, denn in diesem Jahr bekam die Firma die Lizenz von Autor Miler. Handgemalt sind nur die Augen - Bauch und Mund werden mit Maschinen auf den schwarzen Holzkörper gedruckt. Neben Tschechien und der Slowakei ist der kleine Maulwurf auch in Deutschland, Polen und in Ungarn populär. "Vor ein paar Jahren war er sogar in Japan sehr beliebt. Der Boom dauerte fünf, sechs Jahre an, aber jetzt exportieren wir ihn da nur noch sporadisch", sagt Firmeneigentümer Jaroslav Zeman. 1993 hatte er die Fabrik übernommen und sich dazu entschieden, die Holzspielzeug-Tradition fortzusetzen.

Spielwaren für Deutschland

Neben dem kleinen Maulfwurf stellt "Detoa" eine Vielzahl weiterer Holzspielzeuge her. Etwa 60 Prozent aller Waren, die in Albrechtice hergestellt werden, gehen ins Ausland. Innerhalb der EU wird vor allem nach Deutschland exportiert, auf dem asiatischen Markt nach Japan und Südkorea. "In diesen Ländern schätzt man die Qualität der Produkte aus Naturmaterial", erklärt Zeman. Deshalb ist Holzspielzeug gerade dort so populär.

Millionengeschäft mit Spielzeug

Mit einem Jahresumsatz von umgerechnet vier Millionen Euro gehört "Detoa" zu den größten tschechischen Spielzeugherstellern. Insgesamt gibt es 280 tschechische Firmen, die Spielzeug produzieren. Doch Rekordzahlen schreiben vor allem vier große ausländische Spielwarenhersteller, die im Land produzieren. Dazu zählen das dänische Unternehmen Lego, aber auch deutsche Firmen wie Ravensburger, Simba und Playmobil. Insgesamt machen sie einen Jahresumsatz von 243 Millionen Euro - doppelt so viel wie der aller tschechischen Spielzeugunternehmen zusammen.

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Der kleine Maulwurf: besonders in Deutschland ist er beliebt. Bildrechte: Helena Sulcova

Damit liegt Tschechien liegt im europaweiten Ranking vor Deutschland. Nach Zahlen von Eurostat aus dem Jahr 2016 exportierte das Land Spielzeugprodukte für fast eine halbe Milliarde Euro. Deutschland belegte mit 291 Millionen den zweiten Platz.

Billigkonkurrenz aus Asien

Firmenchef Zeman versteht die großen Spielzeughersteller nicht als Konkurrenz. Ein größeres Problem würden ihm zufolge die No-Name-Hersteller aus Asien darstellen. Seine Firma hat sich mittlerweile etabliert, aber noch vor einigen Jahren sah das anders aus: "Wir haben zum Beispiel unsere neuen Produkte auf der Messe in Nürnberg präsentiert und schon ein paar Monaten später gab es Kopien aus Asien auf dem Markt, angeboten für die Hälfte unserer Preise". Aufgrund der "erstklassigen Qualität aus Naturmaterial, die die Kunden schätzen" habe sich seine Firma gegenüber der Konkurrenz jedoch durchsetzen können.

Mangel an Arbeitskräften

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Ein Arbeitsplatz beim Spielzeughersteller "Detoa". Bildrechte: Helena Sulcova

In der Firma in Albrechtice arbeiten 150 Menschen. Doch Firmenchef Zeman hat Probleme, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Denn die Arbeitslosigkeit in Tschechien ist gering, an Fachkräften mangelt es. Zudem zählt die Spielzeugbranche zu einer der schlecht bezahltesten. Petra und ihre Kollegen verdienen durchschnittlich umgerechnet 750 Euro pro Monat. Für tschechische Verhältnisse ist das wenig, denn die Preise haben sich in den letzten Jahren an die in Deutschland angenähert.

Jährliche Lohnerhöhungen

Um die Arbeitskräfte zu halten, setzt Martin Herrmann, der Finanzdirektor von "Detoa" auf mehr Geld: "Jedes Jahr erhöhen wir die Löhne um zehn Prozent". Allerdings kann man die Löhne nicht mit der ansässigen Automobilindustrie vergleichen, wo man im Schnitt 1.500 Euro monatlich verdient. "Solche Löhne kann ein Spielzeughersteller nicht zahlen, denn dann wären die Spielzeugpreise deutlich teurer und nicht konkurrenzfähig", meint Herrmann.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: TV | 03.08.2018 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. November 2018, 17:43 Uhr