Katharinenplatz mit Denkmal für Zarin Katharina II.
Katharinenplatz, Odessa. Bildrechte: IMAGO

Ukraine Tourismus-Boom für Odessa "dank" Krim-Annexion

Früher hat Odessa am Schwarzen Meer als Tourismus-Zentrum mit der Krim konkurriert. Doch seit der russischen Annexion der Halbinsel 2014 ist die Zahl von einer Million auf 2,5 Millionen Besucher gestiegen. Das gilt auch für andere Regionen in der Südukraine.

Katharinenplatz mit Denkmal für Zarin Katharina II.
Katharinenplatz, Odessa. Bildrechte: IMAGO

"Es ist erstaunlich. Odessa war im Sommer auch schon zu Sowjetzeiten voll. Doch seit 2014 ist die Stadt wirklich überfüllt", erzählt Witalij Chemij, ein erfahrener Fernsehjournalist aus Odessa. Mit etwa einer Million Einwohner ist Odessa die drittgrößte Stadt der Ukraine. 1794 von Katharina der Großen als Militärhafen am Schwarzen Meer gegründet, hat sich die Stadt im Laufe der Zeit immer mehr zur touristischen "Perle am Schwarzen Meer" entwickelt. Odessas größter Konkurrent: die Krim.

Odessa profitiert von Krim-Annexion

Doch mit der Annexion der Halbinsel Krim 2014 wendete sich das Blatt: Wegen der politischen Lage, aber vor allem durch die Grenze zwischen dem ukrainischen Festland und der Krim sowie durch den Wegfall der direkten Bahn- und Busverbindungen, hat sich die Zahl der ukrainischen Besucher auf der Halbinsel stark reduziert.

Hafen von Odessa mit Kreuzfahrtschiff Viking Sineus, hinten Potemkinsche Treppe und Altstadt.
Hafen von Odessa, dahinter die "Potemkinsche Treppe" und Altstadt. Bildrechte: IMAGO

"Und so hat Odessa einen unerwartet großen Zuwachs an Touristen erlebt – einen, den man im Voraus keinesfalls erwarten konnte", erklärt der Journalist Chemij. Das belegen auch die offiziellen Zahlen: Während 2013 nur eine Million Touristen die Stadt Odessa besucht haben, waren es 2015 bereits 1,8 Millionen. Und im vorigen Jahr meldete die Stadtverwaltung sogar 2,5 Millionen Besucher, von denen rund 70 Prozent aus der Ukraine kommen.

Ehemaliger Sowjetstrand als Hauptattraktion

"Klar hat die Annexion der Krim damit zu tun, wir verbessern uns aber als Stadt ständig und präsentieren uns auch immer schöner“, sagt Tetjana Markowa, die in der Stadtverwaltung Odessas für Tourismus verantwortlich ist. Dabei verweist sie auf die Umwandlung des schon immer berühmten Arkadija-Strandes in einen modernen Urlaubskomplex.

Dicht bevölkerter Strand bei bestem Badewetter.
Lanzheron-Strand in Odessa Bildrechte: IMAGO

Aus einem der größten Strände der Sowjetunion, in dem auch einige bekannte Filme gedreht worden sind und dessen Infrastruktur stark veraltet war, wurde eine ganzer Stadtteil mit unzähligen Restaurants, Cafés, Hotels und Nachtclubs. Mit "Ibiza" kann Odessa nun wohl auch einen der beliebtesten Nachtclubs Osteuropas vorweisen.

Infrastruktur hat Luft nach oben

Journalist Witalij Chemij sieht das anders: "Im Gegensatz zu Lwiw sehe ich nicht, dass sich die Stadt wirklich verändert. Es gibt zwar private Investitionen, insgesamt aber bleibt die Infrastruktur nicht befriedigend.“

Konkret gibt es viele Staus, Hotelplätze reichen nicht aus und Personal in Cafés und Restaurants in der Innenstadt fehlt. Stößt also Odessa mit 2,5 Millionen Touristen an Grenzen? "Nein", so Markowa von der Stadtverwaltung. Aber auch dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Fakt ist: Die Hotels waren in der Hochsaison 2017 ausgebucht.

Zuwachs auch bei ausländischen Touristen

Neben den Inlandstouristen kommen auch immer mehr Touristen aus dem Ausland nach Odessa. "2014 hatten Ausländer noch ein bisschen Angst. Nun sehen alle, dass Odessa eine sichere Stadt ist", betont Markowa. So gebe es einen zehnprozentigen Zuwachs an ausländischen Besuchern im vergangenen Jahr.

rothaarige Frau mit Blazer vor ukrainischer Flagge
Tetjana Markowa Bildrechte: Stadtverwaltung Odessa

Die meisten davon kommen aus Belarus, Rumänien, Israel und der Türkei - und selbst die Russen kehren langsam zurück. Auch die verstärkte Ausrichtung auf den asiatischen Markt brachte zum Beispiel 20.000 Touristen aus China. "Odessa ist gut genug für Touristen aus aller Welt", heißt es aus der Stadtverwaltung.

Niedrige Kosten als Argument

Während die Preise in Odessa zwar auf dem Niveau der Hauptstadt Kiew liegen, bleiben die Kosten für Ausländer noch immer im Rahmen. Aus Sicht des Reiseführers Leonid Baraz ist das der wichtigste Grund, wieso sie nach Odessa kommen. Zuletzt hatte er viele Touristen aus der Türkei, Israel, Frankreich und Litauen. "Odessa ist für mich mit unzähligen Museen und Theatern die Kulturhauptstadt der Ukraine. Die Ausländer besuchen diese aber gar nicht“, bedauert Baraz. "Sie geben ihr Geld für Einkäufe und Restaurantbesuche aus, weil hier alles billig ist."

Auch Südukraine profitiert

Von der Krim-Annexion konnte aus touristischer Sicht nicht nur Odessa profitieren. Nun boomt das Reisebusiness auch in einer Reihe von einst unbedeutenden Kleinstädten am Schwarzen und Asowschen Meer im südukrainischen Verwaltungsbezirk Cherson – wie zum Beispiel in Salisnyj Port, Skadowsk und Henitschensk. Die ganze Region Cherson soll inzwischen mehr als drei Millionen Besucher pro Jahr haben – die Zahl der Touristen hat sich damit im Vergleich zu 2014 fast verdreifacht. Das Gleiche gilt auch für die Stadt Berdjansk im Regierungsbezirk Saporischschja, die in der Vergangenheit nur mäßig besucht wurde.

Über dieses Thema berichtet der MDR in "MYTHOS ODESSA" im: TV | 03.06.2018 | 17:30 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2018, 16:10 Uhr

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