Serie: Trumps Russland-Kontakte Immobilienmogul als Mittelsmann?

Der Immobilienmogul Aras Agalarow soll dem Wahlkampfteam von Donald Trump kompromittierendes Material über dessen Rivalin Hillary Clinton angeboten haben. Ein Vorgang, der viele Fragen aufwirft.

von Maxim Kireev

Dass ausgerechnet der russische Oligarch Aras Agalarow eine gewichtige Rolle in der Russland-Affäre von US-Präsident Donald Trump spielt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Schließlich gilt der Unternehmer als "Donald Trump Russlands". Seine erstes Geld verdiente Agalarow Ende der 1980er-Jahre mit dem Export von Matrjoschkas und dem Import von Computern.

Der große Erfolg kam jedoch erst mit dem Immobiliengeschäft. Seit der Jahrtausendwende investiert der Unternehmer immer mehr Geld in einen Shopping- und Unterhaltungskomplex namens "Crocus City", der vor den Toren Moskaus liegt. Dort ließ der Unternehmer eine eigene Ausstellungshalle, ein Einkaufszentrum und einen Konzertsaal samt erster privater U-Bahn-Station Russlands bauen.

Mittelsmann zwischen Kreml und Trump?

Der Name des milliardenschweren Geschäftsmanns diente der Anwältin Natalia Weselnitzkaja auch als Türöffner für ihr berüchtigtes Treffen mit Donald Trump Junior. Verbindungen zwischen Agalarow und der Trump-Familie gibt es spätestens seit der Miss-Universe-Wahl in Moskau im Jahr 2013. Damals hatte der heutige US-Präsident die Lizenz für die russische Ausgabe der Veranstaltung an Agalarow verkauft.

Auch die Söhne der beiden, Emin Agalarow und Donald Trump Junior, haben sich bei diesem Anlass kennen gelernt. Gleichzeitig dürften sich auch Weselnitzkaja und Agalarow häufiger über den Weg gelaufen sein. Dessen wichtigste Immobilien liegen im Moskauer Umland, dem Haupteinsatzgebiet der Anwältin. Gleichzeitig kannte Agalarow auch Weselnitzkajas wichtigste Kunden, Pjotr und Denis Katzyw. War der russische Milliardär also nur ein Mittelsmann?

Unklare Rolle des Generalstaatsanwalts

Aus dem Mailverkehr zwischen Trump Junior und dem britischen Promoter Rob Goldstone geht hervor, dass der PR-Mann von Agalarows Sohn Emin damit prahlte, er habe sensibles Material über Hillary Clinton. Agalarow soll es vom russischen Generalstaatsanwalt bekommen haben. Tatsächlich hat Generalstaatsanwalt Juri Tschaika einen guten Draht zur Familie Agalarow.

2015 hatte der Oppositionelle Alexej Nawalny einen Film über Tschaika und die undurchsichtigen Geschäfte seiner Familienangehörigen gedreht, den knapp sieben Millionen Nutzer auf YouTube gesehen haben. Agalarow schaltete kurze Zeit später eine große Anzeige in Russlands wichtigster Wirtschaftszeitung "Kommersant", in der er Nawalny der Lüge bezichtigte und Tschaika in Schutz nahm.

Unspektakuläre Enthüllungen als Türöffner

Könnte es also sein, dass Tschaika Agalarow mit Informationen versorgte, um sie auf Umwegen dem damaligen Präsidentschaftskandidaten Trump zukommen zu lassen? Der Oppositionelle Alexej Nawalny hält es jedenfalls nicht für ausgeschlossen, dass der Kreml die guten Beziehungen Tschaikas zu Agalarow und seine Bekanntschaft mit Trump genutzt habe, um Informationen weiterzugeben.

Dagegen spricht, dass das Sammeln von Information über Hillary Clinton nicht in den direkten Zuständigkeitsbereich Tschaikas fällt. Und selbst wenn er irgendwelche Informationen gehabt hätte, waren sie offenbar nicht sonderlich brisant, schließlich ist das angebliche Clinton-Dossier im Wahlkampf letztlich nicht aufgetaucht.

Vielfache Verbindungen zu Trump

Die Agalarows halten sich jedenfalls bedeckt, seit dem bekannt geworden ist, dass der Milliardärssohn das Treffen zwischen Trump Junior und Weselnitzkaja eingefädelt hat. Die Söhne von Trump und Agalarow hätten sich vor allem im Vorfeld der Miss-Universe-Wahl getroffen, erklärte Agalarow Senior im Interview mit der russischen Ausgabe des Forbes-Magazins. Doch das war nicht alles: Der jetzige US-Präsident tauchte auch in einem Musikvideo von Emin auf und zeichnete für ihn sogar einen Geburtstagsgruß auf.

Trotz ihrer guten Kontakte gelten die Agalarows zudem nicht als Teil von Putins engstem Zirkel. Mitunter liegt der Unternehmer mit offiziellen Stellen auch im Clinch. So sorgte im vergangenen Jahr ein Streit zwischen Agalarow und der Moskauer Stadtregierung um die Nutzung der U-Bahnstation bei "Crocus City" für Aufsehen. Die Stadtverwaltung ließ diese damals kurzfristig sperren. Am Ende musste Agalarow den von ihm errichteten U-Bahn-Halt kostenlos an die Stadt abtreten.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im: Radio | 12.07.2017 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Oktober 2017, 14:55 Uhr

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