Selbstversuch Wechselstuben-Abzocke in Prag: Helfen die neuen Regeln?

In Tschechien gibt es seit Kurzem eine Regelung, die ausländische Touristen besser vor Tricks und Betrügereien beim Geldumtausch schützen soll. Die Wechselstuben in Prag sind seit Jahren für ungünstige Kurse und hohe, oftmals versteckte Gebühren berüchtigt. Jetzt können die Touristen bis drei Stunden nach dem Umtausch ihr Geld in der Ursprungswährung zurückbekommen. Ostbloggerin Helena Šulcová checkt im Selbstversuch, ob das tatsächlich so einfach funktioniert.

von Helena Šulcová

Ich gehe die Karlova-Straße in der Prager Altstadt lang - innerhalb von fünfzig Metern finde ich fünf Wechselstuben. Kein Wunder, die Karlova ist Teil des berühmten Königswegs, der die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Moldau-Metropole verbindet. Über diese Straße gehen fast alle Touristen, die Prag besuchen - das wirkt sich auch auf die Zahl der Wechselstuben aus. In Prag ist es ein offenes Geheimnis, dass viele der Wechselstuben in der Innenstadt ein Problem sind und hin und wieder sogar die Polizei vorbeikommen muss.

Schlechte Wechselkurse in Prag

Vor einer Wechselstube spreche ich mit einer Touristin, ihr Sohn hat gerade Geld gewechselt. "Wir haben viele Orte probiert, aber dieser war mit Abstand der Beste", zeigt sie auf die nahe gelegene Wechselstube. Ein deutsches Paar hat auch gute Erfahrung gerade auf der Karlova Straße gemacht. "Im Hotel hatten wir einen Kurs von 23 Kronen für einen Euro, hier waren es 24,10 Kronen, bis jetzt das beste Angebot in der Stadt." Allerdings liegen 24 Kronen für einen Euro immer noch deutlich unter dem offiziellen Wechselkurs. Ein Euro ist eigentlich etwas mehr als 25 Kronen wert. Nur angesichts der Verhältnisse im Prager Zentrum können 24 Kronen als fair genug erscheinen.

Zahlreiche Touristen-Fallen

Impressionen Wechselstuben in Prag
907 Kronen für 50 Euro - fast 20 Prozent weniger als nach dem offiziellen Kurs der Nationalbank! Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eine Wechselstube an der Ecke der Karlova-Straße fällt mir besonders auf. Orange Schilder und kaum jemand geht hinein. Die einzigen zwei Touristinnen, die den Laden betreten, verlassen ihn wieder, fast fluchtartig und ohne Geld gewechselt zu haben. Ich scheue das Risiko nicht und tausche in dieser Wechselstube 50 Euro um. Und dann wird mir sofort klar, warum da keiner hingeht.

Eigentlich müsste ich nach dem aktuellen Kurs für meine 50 Euro zirka 1.250 Kronen bekommen. Hätte ich nur 1.150 Kronen bekommen, hätte ich nicht gemeckert... "So…, zwei, vier, sechs, acht, neun…, 907 Kronen", legt mir der Wechselstubenmitarbeiter vor. Er zeigt noch auf ein Schild auf der Scheibe - da steht auf Englisch, dass man Geld nicht auf der Straße umtauschen sollte ... Ich muss darüber lachen, denn Straßenbetrüger sind zwar noch schlimmer, aber diese Wechselstube sollte sich angesichts des schlechten Wechselkurses mit solchen Belehrungen lieber zurückhalten. Für einen Euro bekommt man dort gerade mal 18 Kronen, eigentlich eine Unverschämtheit!

Neues Gesetz lässt Rücktausch zu

Nach dem neuen Gesetz, das seit Kurzem in Kraft ist, muss die Wechselstube bis zu drei Stunden nach dem Umtausch das Geld in der Ursprungswährung zurückzahlen, wenn sich der Kunde beschwert.  Man muss keine Gründe nennen, die Transaktion wird storniert und das Geld zurückgezahlt. Alternativ kann die Wechselstube die Differenz zum aktuellen Wechselkurs der Tschechischen Nationalbank ausgleichen. Das gilt allerdings nur bei Beträgen bis 1.000 Euro.

Manche Wechselstuben drücken sich

Diese Regelung steht auch - auf Tschechisch und Englisch - auf dem Umtauschbeleg, den ich in der Wechselstube mit dem fragwürdigen Wechselkurs bekommen habe. Die Schrift ist aber so klein, dass man eine Lupe braucht, um sie lesen zu können... Bei mir klappt der Rücktausch problemlos. Nach zirka fünf Minuten habe ich meine 50 Euro samt einer Bescheinigung zurückbekommen.

Impressionen Wechselstuben in Prag
Die neue Rücktauschregelung ist auf jedem Wechselstubenbeleg aufgedruckt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Reporter des tschechischen Privatfernsehens "Seznam TV" haben einen größer angelegten Test gemacht. Mit versteckter Kamera haben sie mehrere Wechselstuben aufgesucht, manche davon wollten das Geld nicht zurückzahlen. Das dürfen sie aber nach der neuen Regelung nicht. Der Tourist kann mit der Quittung argumentieren, auf der die Regelung deutlich beschrieben ist. Wenn es nicht hilft, sollte er sich an die Tschechische Nationalbank wenden.

Mein Tipp: Bank oder Geldautomat

Angesichts dieser Zustände, kann ich es als Einheimische nicht nachvollziehen, warum Prag-Besucher überhaupt noch Geld in Wechselstuben umtauschen. In unserer Stadt kann man fast überall bargeldlos mit der Karte zahlen, und wenn man schon Bargeld braucht, kann man statt einer Wechselstube in der Altstadt eine normale Bank aufsuchen – oder einen Geldautomaten nutzen, vorausgesetzt, dass die eigene Bank in der Heimat keine allzu hohen Gebühren kassiert.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im Fernsehen: MDR aktuell | 01.06.2018 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. April 2019, 15:38 Uhr