Miroslav Pelta auf einer PK.
Der Präsident des tschechischen Fußball-Verbandes Miroslav Pelta auf einer Pressekonferenz. Bildrechte: IMAGO

Fußball-Skandal in Tschechien Fußball, Wanzen und eine Regierungskrise

Eigentlich wollte Tschechiens Fußball-Boss Miroslav Pelta neulich zur Champions-League. Stattdessen landete er hinter Gittern. Den Fußball im Nachbarland erschüttert eine Affäre - bis hinein in die große Politik.

von Helena Šulcová

Miroslav Pelta auf einer PK.
Der Präsident des tschechischen Fußball-Verbandes Miroslav Pelta auf einer Pressekonferenz. Bildrechte: IMAGO

Razzia beim tschechischen Fußball

Auf einmal standen sie alle im Fokus der Polizei: Der Fußballverband, das Ministerium für Bildung und Sport, die Sport-Union sowie der Fußballverein FK Jablonec, dessen Miteigentürmer Miroslav Pelta ist. Am Ende der Razzia saßen Fußballchef Pelta und eine Staatssekretärin des Ministeriums für Bildung und Sport in U-Haft. Ihnen wird vorgeworfen, Einfluss auf die Verteilung von Fördergeldern des Ministeriums an den tschechischen Sport genommen zu haben. Worum geht es? Vielleicht vor allem darum, dass Pelta sich hat erwischen lassen. Zum Verhängnis könnten ihm Abhörprotokolle werden. Nach Informationen des Tschechischen Rundfunks hatte der Verbands-Chef eine Wohnung in Prag gemietet, wo er sich mit der damals zuständigen Staatssekretärin des Ministeriums für Bildung und Sport traf. Dabei wurden die beiden abgehört: Die Polizei hat mehr als zehn Stunden Material gesammelt. Heraus kam, dass beide darüber sprachen, wie bei bestimmten Projekten die Fördergelder in Höhe von umgerechnet 17 Millionen Euro verteilt werden sollen.

Helena Sulcova vor Stadion in Prag 1 min
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Unsere Ostbloggerin Helena Šulcová über das Titelrennen in der tschechischen Meisterschaft und den Fußball-Skandal.

Fr 12.05.2017 10:03Uhr 00:33 min

https://www.mdr.de/nachrichten/osteuropa/ostblogger/video-105554.html

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Der schlechte Ruf von Miroslav Pelta

Für Verwunderung sorgt das nicht: Pelta hat einen schlechten Ruf - es sagt viel aus, wenn die Fans seit Jahren in tschechischen Stadien schreien "Pelta ven", übersetzt "Pelta raus". Der Grund: Viele sehen einen Interessenskonflikt darin, dass er neben seinem Posten im Fußballverband auch den Verein FK Jablonec besitzt. Zudem gab es bereits 2004 in Tschechien eine Fußball-Affäre, bei der Pelta ebenfalls eine Rolle spielte: Damals ging es um die Bestechung von Schiedsrichtern. Pelta war zu dieser Zeit Direktor des Vereins Sparta Prag und musste ebenfalls der Polizei den Inhalt eines abgehörten Telefonats erklären - nachweisen konnte ihm die Polizei damals allerdings nichts.

Der Nationalspieler Pavel Nedved neben President Milos Zeman dem Presidenten des Fußballverbandes  Miroslav Pelta, davo stehen chinesische Fußballjungen.
Miroslav Pelta bei der Eröffnung einer Fußballschule in China. Neben ihm President Milos Zeman und der ehemalige tschechische Nationalspieler Pavel Nedved. Bildrechte: IMAGO

Fest steht: Dank Peltas hat der Fußball in Tschechien immer wieder Geld bekommen. Der Fußball-Chef ist dafür bekannt, sehr gute Kontakte in die Wirtschaft und zu Politikern zu haben. So war er zum Beispiel vor zwei Jahren mit dem Präsidenten Milos Zeman in China und konnte so die chinesische Finanzgruppe CEFC als Partner für das tschechische Nationalteam gewinnen. Nun sieht die Sache anders aus: Derzeit überlegt der Partner der ersten Tschechischen Fußball-Liga, die Biermarke Gambrinus, die Liga nicht mehr zu unterstützen - "falls man keine Maßnahmen zur Verbesserung des Rufs des tschechischen Fußballs unternimmt", zitiert das Portal Idnes.cz die Pressestelle. Doch die Bedeutung der Affäre geht schon längst über Fußball, Pelta und mögliche Sponsoring-Verträge hinaus.

Skandal zur rechten Zeit

Andrej Babis
Andrej Babis, affärengeplagter Finanzminister Tschechiens. Bildrechte: dpa

Für ihn kam dieser Skandal zur rechten Zeit: Andrej Babis, tschechischer Finanzminister und Chef der ANO Bewegung. Plötzlich hatte er wieder Waffen gegen die Sozialdemokraten - seine politischen Rivalen in der Regierungskoalition. Denn der Sozialdemokratischen Partei untersteht das Sport-und Bildungsministerium, auf das dieser Skandal zurückfällt. Damit kann der ebenfalls affärengeplagte Spitzenpolitiker etwas von der Aufmerksamkeit um seine eigene Person ablenken. Denn "Tschechiens Donald Trump", wie der Milliardär bezeichnet wird, soll Steuern hinterzogen haben. Die Koalitionsregierung steht dadurch vor dem Aus.

Affäre gegen Affäre ausgespielt?

Via Facebook sorgte Babis für Öffentlichkeit in Sachen Fußball-Affäre: "Im Bildungsministerium, das den Sozialdemokraten untersteht, hat die Polizei eingegriffen und wie es so aussieht, gab’s da einen Mega-Korruptionsskandal." Weiter wies er darauf hin, dass die Staatssekretärin eine enge Freundin der sozialdemokratischen Ministerin sei. Außerdem habe auch der sozialdemokratische Regierungschef Bohuslav Sobotka gerne mit dem Mann Spiele im Stadion besucht, der laut Babis einen schlechten Ruf habe - nämlich mit Fußball-Chef Pelta. Die sozialdemokratische Ministerin für Bildung und Sport, Katerina Valachova trat nun zurück - nicht, weil sie in Sachen Fußball-Affäre unter Verdacht steht. Sondern um nach eigenen Worten Babis keinen Vorwand zu liefern, von seiner Steuer-Affäre abzulenken.

Der Ruf des tschechischen Fußballs

Im Juni wird ein neuer Chef des Fußballverbands gewählt. Bis jetzt war Pelta der einzige Kandidat. Doch nach einem Treffen haben die Besitzer der tschechischen Erstliga-Teams bekannt gegeben, dass sie gemeinsam einen neuen Vorsitzenden des Verbandes suchen wollen. Der neue Chef wird eine schwere Aufgabe haben: Er muss den Ruf des tschechischen Fußballs retten. Aber, geht das überhaupt noch?

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im TV: TV | 02.05.2017 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2017, 13:43 Uhr

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