Petro Poroschenko mit einem Vertreter der ukrainisch-orthodoxen Kirche
Das Oberhaupt der ukrainisch-orthodoxen Kirche Kiewer Patriarchats, Philaret, und Präsident Poroschenko bei den Feierlichkeiten zum 1030. Jahrestag der Gründung der orthodoxen Kirche in der Ukraine. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Ukraine: Her mit der eigenen Kirche!

In Istanbul hat am 6. Januar 2019 für die Ukraine ein neues Zeitalter begonnen – zumindest kirchenrechtlich: Mit der Anerkennung durch den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I, ist die orthodoxe Kirche der Ukraine eigenständig geworden – und ist nicht mehr dem Moskauer Patriarchat unterstellt. Der Schritt hat vor dem Hintergrund des Konflikts mit Russland eine hohe politische Bedeutung – vor allem für Präsident Poroschenko, der um seine Wiederwahl bangt.

von Denis Trubetskoy

Petro Poroschenko mit einem Vertreter der ukrainisch-orthodoxen Kirche
Das Oberhaupt der ukrainisch-orthodoxen Kirche Kiewer Patriarchats, Philaret, und Präsident Poroschenko bei den Feierlichkeiten zum 1030. Jahrestag der Gründung der orthodoxen Kirche in der Ukraine. Bildrechte: imago/ZUMA Press

2018 machte Kiew, allen voran Präsident Petro Poroschenko, ernst im Kampf um eine autonome und anerkannte orthodoxe Kirche. Schon im April wandte sich Poroschenko nach Istanbul - dem Sitz des Patriarchen von Konstantinopel. Poroschenkos Wunsch an Bartholomeos I. war die sogenannte Autokephalie für die ukrainisch-orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats - also eine strukturelle Eigenständigkeit, aber auch eine Unabhängigkeit in punkto theologischer Fragen.

Poroschenkos erstes Wahlversprechen

"Die Zeit für einen Tomos (ein kleines Buch, in dem ein wichtiger Erlass - wie etwa die Zubilligung dieser Autonomie - verzeichnet ist. Anm. d. Red.) ist gekommen. Unsere Kirche wird bis zum 1030. Jahrestag der Christianisierung der Kiewer Rus im Juli anerkannt", sagte Poroschenko im Frühjahr 2018 - und gab damit ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen im März 2019 sein erstes Wahlsprechen. Bitter für Poroschenko. Doch der Jahrestag, mit dem an die Christianisierung der Ukraine erinnert wird, ging ohne Tomos vorüber.

Moskau vs. Konstantinopel

Wladimir Putin und Patriarch Kirill
Der russische Präsident Putin und der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche, Kirill, bei einer Prozession in Moskau. Bildrechte: IMAGO

International anerkannt war bislang nur die ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats, die der vom kremlnahen Patriarch Kirill angeführten russischen-orthodoxen Kirche untersteht. Die russische-orthodoxe Kirche sieht die Entwicklung naturgemäß äußerst kritisch. Das Verhältnis zum Patriarchat in Konstantinopel gilt schon lange als angespannt. Ebenso persönlichen Beziehungen zwischen dem Moskauer Patriarchen Kirill und seinem Pendant Bartholomeos I. in Konstantinopel. "Ein normaler Mensch kann die Logik eines Schizophrenen nicht kapieren", ätzte auch ein Sprecher der Kirche des Kiewer Patriarchats vor einem Treffen der beiden im August 2018 auf Facebook.

Bei der ukrainisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats ist dagegen mit Blick auf die Brüder und Schwestern meist von "Spaltern" die Rede, die Reue über die Spaltung zeigen und dann über eine mögliche einheitliche Kirche diskutieren sollten. Dass die neue ukrainische Staatskirche nun den Segen Konstantinopels erhält ist trotzdem eine große politische Niederlage für Moskau - und ein Sieg für Petro Poroschenko, der in seinem Wahlkampf für die Wiederwahl am 31. März 2019 stark auf das Thema Kirche setzt.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: MDR aktuell | 07.01.2012 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Januar 2019, 09:17 Uhr