Herthas Arne Maier und Sorjas Maksym Lunov kämpfen um den Ball.
Fünf ukrainische Erstligisten stehen unter Manipulationsverdacht. Darunter Sorja Luhansk, dass in der abgelaufenen Europa-League-Saison auch gegen Hertha BSC gespielt hat. Bildrechte: dpa

Vor CL-Finale Wettskandal erschüttert ukrainischen Fußball

Unmittelbar vor dem Champions-League-Finale in Kiew erschütterte ein Wettskandal den ukrainischen Fußball. Betroffen sind 35 Proficlubs. Der Skandal spiegelt auch die gesamtgesellschaftlichen Probleme des Landes wider.

Herthas Arne Maier und Sorjas Maksym Lunov kämpfen um den Ball.
Fünf ukrainische Erstligisten stehen unter Manipulationsverdacht. Darunter Sorja Luhansk, dass in der abgelaufenen Europa-League-Saison auch gegen Hertha BSC gespielt hat. Bildrechte: dpa

Eigentlich sollte sich diese Woche im ukrainischen Fußball alles um das Champions League-Finale zwischen Real Madrid und dem FC Liverpool drehen, das am Samstag im Kiewer Olympiskyj-Stadion ausgetragen wird. Doch nun wird das Großereignis vom größten Wettskandal der ukrainischen Fußballgeschichte überschattet.

Ermittlungen gegen 328 Personen

Wie die Polizei mitteilte, hatte sie am frühen Dienstagmorgen über 50 Hausdurchsuchungen verschiedenen Städten des Landes durchgeführt. Hintergrund sei der Verdacht, dass fünf kriminelle Banden Fußballspiele in den oberen ukrainischen Ligen manipuliert haben, um mit entsprechenden Sportwetten Geld zu verdienen. Unter den Verdächtigen sind laut Polizei 328 Personen: darunter Schiedsrichter, Spieler, Trainer und mehrere Vereinspräsidenten.

"35 Vereine stehen auf der Verdachtsliste, also zwei Drittel aller ukrainischen Profiklubs", verkündete der ukrainische Innenminister Arsen Awakow auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Polizeichef Serhij Knjasew. Der sprach von 57 Partien, die in diesem Zusammenhang untersucht würden.

Spieler, Schiedsrichter und Clubpräsidenten im Visier

Die Mehrheit der verdächtigen Clubs spielt in der 2. und 3. ukrainischen Liga. Doch mit Olexandrija, Olimpik Donezk, Sorja Luhansk, Sirka Kropywnizkyj sowie Worskla Poltawa sind auch fünf Clubs der höchsten Spielklasse, der "Premjer-Liha", im Visier der Polizei.

Neben den Vereinen stehen auch Schiedsrichter im Zentrum des Skandals: Sie sollen von den Banden Geld für bestimmte Ergebnisse bekommen haben. Auf diese hätten die Mitglieder der kriminellen Gruppen dann in asiatischen Online-Wettbüros gesetzt. Auch Schiedsrichter selber sollen Geld auf ihre eigenen Spiele gesetzt haben.

Sieg für 3.200 Euro

Erst zwei der 57 Verdachtsfälle hat die ukrainische Polizei bislang öffentlich gemacht – und diese zeugen davon, wie einfach die Bestechungen im ukrainischen Fußball funktionieren. An beiden soll der Schiedsrichter Olexander Solowjan beteiligt gewesen sein.

So soll sich Solowjan unter Anderem Ende März in einer beliebten Café-Kette im Kiewer Prestigebezirk Petschersk mit dem Präsidenten des Zweitligisten "PFK Sumy" getroffen haben. Letzter soll dem Schiedsrichter 100.000 Hrywnja – rund 3.200 Euro - im Falle eines Sieges im nächsten Ligaspiel versprochen haben. Für ein Unentschieden hätte es laut Polizei immer noch umgerechnet rund 1.000 Euro gegeben.

Zwei Tage später gewann Sumy sein Heimspiel mit 1:0. Einige fragwürdige Entscheidungen des Schiedsrichters Solowjan spielten dabei offenbar eine entscheidende Rolle. Schon am Folgetag sollen ihm laut Polizei  in einem Kiewer Schnellrestaurant die 100.000 Hrywnja übergeben worden sein.

Aufklärung versprochen

 "Wir sollten nun den Spielmanipulationen im unseren Fußball endgültig die rote Karte zeigen", erklärte der Präsident des ukrainischen Fußballverbands, Andrij Pawelko, der ebenfalls an der Pressekonferenz der Polizei teilnahm. Er versprach: "Die Konsequenzen für die Beteiligten sollen über Geldstrafen hinausgehen." Polizei und Staatsanwaltschaft wollen nun erst einmal weiter gegen die Beschuldigten ermitteln, bevor sie weitere Einzelheiten veröffentlichen.

Dass der ukrainische Fußball anfällig für Bestechung und Betrug ist, ist nicht ganz überraschend. Schon vor der Maidan-Revolution und  dem Krieg in der Ostukraine war er ein reines Minusgeschäft: Entweder hatten die Vereine wie Schachtar Donezk oder Dynamo Kiew einen reichen Investor im Rücken oder kämpften mit aller Kraft ums Überleben.

Zunehmder Manipulationsverdacht seit 2014

Heute, nach Jahren der politischen und wirtschaftlichen Krise, geht es auch den beiden Flaggschiffen Dynamo und Schachtar nicht gut: Der Verein aus Donezk muss wegen des Donbass-Krieges im 300 Kilometer entfernten Charkow spielen.

Doch allen anderen geht es noch deutlich schlimmer. Wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage durch den Krieg hatten viele der Vereine ihnen plötzlich große Probleme mit der Auszahlung der Spielergehälter. Und so stieg in den vergangenen Jahren auch in der ersten Liga die Zahl der verdächtigen Spiele rasant.

Spiegelbild des Zustands der Ukraine

Ein gutes Beispiel ist Olimpik Donezk, neben Schachtar der zweite Verein aus der von prorussischen Separatisten besetzten Metropole Donezk. Nach den Ereignissen von 2014 kämpfte der Verein ums wirtschaftliche Überleben. In den folgenden beiden Saisons häuften sich merkwürdige Spiele und Ergebnisse. Nun steht der Erstligist ebenfalls auf der Verdachtsliste der ukrainischen Polizei.

Die muss nun zeigen, wie ernst es der Staat mit dem Kampf gegen Bestechung und Korruption meint - auch in den höchsten Ligen. Rund 4,2 Millionen Euro jährlich sollen die Beteiligten an dem Spielmanipulationssystem jährlich in Asien verdient haben. Summen, die mit Blick auf die Lage des ukrainischen Fußballs Staats enorm sind und Anreiz genug für kriminelle Banden. Der Skandal zeigt aber auch, wie sehr sich im ukrainischen Fußball die drängendsten Probleme des Landes widerspiegeln.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: TV | 25.05.2018 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Mai 2018, 17:45 Uhr

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