Vereiste Donau legt Schiffsverkehr in Serbien lahm

Bis zu vier Meter dickes Eis hat den Schiffsverkehr auf der Donau in Serbien lahmgelegt. Serbien ist für diesen Ausnahmezustand nicht gewappnet und hat um Hilfe gebeten: Vier ungarische Eisbrecher sind jetzt im Einsatz.

Donau in Belgrad
Bildrechte: Andrej Ivanji/ MDR

Seit Wochen herrschen in Serbien Minustemperaturen. In sechs Gemeinden wurde wegen des Dauerfrostes der Ausnahmezustand ausgerufen. Selbst die Donau ist zugefroren. Teilweise beträgt die Eisschicht bis zu vier Metern. Das erlebt man nicht allzu oft. Die Donaupromenade im Belgrader Vorort Semlin ist voller Spaziergänger, die das an Sibirien erinnernde Panorama bewundern wollen und Kinder wagen sich einige Meter auf das Eis hinaus. Aber es besteht keine Gefahr - das Eis ist dick genug und trägt.

Doch die dicke Eisschicht macht vielen schwer zu schaffen: Dutzende Flussrestaurants sind aus Sicherheitsgründen geschlossen; Hausboote, Schiffe und Schleppkähne stecken im Eis fest und der Flussverkehr ist komplett zum Stillstand gekommen.

Serbien hat nur zwei Eisbrecher

Serbien ist für solche außergewöhnlichen Zustände nicht gewappnet. Die zwei einzigen serbischen funktionsfähigen Eisbrecher sind beim Wasserkraftwerk "Djerdap" (Eisernes Tor) an der Grenze zwischen Serbien und Rumänien im Einsatz. Drei weitere Eisbrecher können nicht zum Einsatz kommen, weil sie schrottreif sind. Die offizielle Begründung dafür, dass es in ganz Serbien lediglich fünf Eisbrecher gibt, lautet, dass es in den vergangenen fünfzig Jahren lediglich drei- oder viermal überhaupt einen Bedarf für den Einsatz von Eisbrechern gegeben habe.

Zur Hilfe sind nun vier Eisbrecher aus Ungarn geeilt. Aufgrund eines Abkommens zwischen Budapest, Zagreb und Belgrad übernimmt Ungarn 50 Prozent der Kosten für Eisbrecher, Kroatien und Serbien jeweils 25 Prozent, wenn die Donau in Serbien zugefroren ist. Serbien wird das rund 20.000 Euro täglich kosten.

Frost bis Februar

Die arktische Kälte wird Serbien voraussichtlich noch eine Weile fest im Griff haben, Tauwetter soll erst Mitte Februar einbrechen. Laut Experten würde danach aber keine Überschwemmungsgefahr bestehen, weil der Pegel der Donau zurzeit extrem niedrig sei.

Die Donau ist zugefroren

Donau in Belgrad
In Serbien herrschen seit Wochen extreme Minusgrade, mancherorts fielen die Temperaturen unter minus 20 Grad Celsius. In einigen Teilen des Landes musste wegen des andauernden Frosts der Notstand ausgerufen werden. Bildrechte: Andrej Ivanji/ MDR
Donau in Belgrad
In Serbien herrschen seit Wochen extreme Minusgrade, mancherorts fielen die Temperaturen unter minus 20 Grad Celsius. In einigen Teilen des Landes musste wegen des andauernden Frosts der Notstand ausgerufen werden. Bildrechte: Andrej Ivanji/ MDR
Donau in Belgrad
Infolge der extremen Kälte ist die Donau in Serbien komplett zugefroren. Die Eisschicht ist bis zu vier Meter stark. Bildrechte: Andrej Ivanji/MDR
Donau in Belgrad
Der gesamte Schiffsverkehr auf der Donau musste eingestellt werden. Überall stecken Schiffe im Eis fest. Bildrechte: Andrej Ivanji/MDR
Belgrad Eis
In Serbien ist man auf solch extreme Witterungsbedingungen nicht eingestellt. Nur äußerst selten friert die Donau zu. Bildrechte: Andrej Ivanji/MDR
Ein Boot auf der Donau
In den vergangenen fünfzig Jahren ist die Donau nur drei oder vier Mal von einer so mächtigen Eisschicht überzogen gewesen. Bildrechte: Andrej Ivanji/MDR
Donau in Belgrad
Und weil die Donau nur so selten gefriert, besitzt Serbien nur fünf Eisbrecher, von denen drei allerdings schrottreif sind. Die beiden funktionstüchtigen Eisbrecher sind am Wasserkraftwerk am "Eisenen Tor" an der Grenze zu Rumänien im Dauereinsatz. Deshalb hat Ungarn brüderliche Hilfe geleistet und vier Eisbrecher nach Serbien beordert. Bildrechte: Andrej Ivanji/MDR
Donau in Belgrad
Die Promenade an der Donau im Belgrader Vorort Semlin ist voller Spaziergänger, die das Naturschauspiel erleben wollen. Bildrechte: Andrej Ivanji/MDR
Donau in Belgrad
Manche von ihnen wagen sich gar auf das Eis der Donau hinaus. Aber es besteht keine Gefahr - die Eisschicht ist stark genug. Die arktischen Temperaturen sollen Serbien noch wenigstens vierzehn Tage fest im Griff haben. Bildrechte: Andrej Ivanji/MDR
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(Zuerst veröffentlicht am 23.01.2017)